Neumarkt fünf Monate ohne S-Bahn und RE: Fragen und Antworten zur Sperre der Bahnstrecke

Die Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg wird Neumarkt fünf Monate lang von der Bahnverbindung abschneiden. Zumindest ist das der Plan der Deutschen Bahn. Ganz sicher ist das aber nicht. Wir sind den Fragen, die sich Bahnreisende und Unternehmen aus dem Landkreis Neumarkt stellen, nachgegangen.
Was ist mit dem Einspruch von Agilis gegen die Totalsperrung der Bahnstrecke?
Das Bahnunternehmen Agilis wehrt sich dagegen, dass die Deutsche Bahn die Strecke Nürnberg-Regensburg von Februar bis Juli 2026 komplett sperrt, um sie zu sanieren. Agilis-Züge fahren dort als Regionalbahn und Regionalexpress. Das Regensburger Unternehmen ist überzeugt, dass eine Sanierung auch mit einem befahrbaren Gleis möglich ist und hat sich bei der Bundesnetzagentur beschwert.
Am vergangenen Mittwoch kam es dort zu einem mündlichen Verhandlung. Eine Entscheidung fiel aber nicht. Die Parteien können bis 6. Dezember eine weitere schriftliche Stellungnahme einreichen. Die Beschlusskammer werde danach innerhalb von einem bis zwei Monaten eine Entscheidung fällen, erklärte die Bundesnetzagentur.
Wie werden ausfallende S-Bahnen und Regionalexpress-Züge ersetzt?
Auch wenn eine Entscheidung über die Agilis-Beschwerde noch aussteht, dass eine wie auch immer geartete Sanierung kommt, ist unzweifelhaft. Die wird Einschnitte bringen. Davon wären viele Menschen betroffen. Laut Agilis fahren auf der Strecke Nürnberg-Regensburg täglich rund 18.000 Reisende, darunter auch solche aus dem Landkreis Neumarkt.
Für sie sind einige Fragen besonders interessant: Wie kommen sie ohne S-Bahn, Regionalbahn und Regionalexpress nach Nürnberg, Regensburg und zu den Stationen dazwischen? Die Strecke wird von Feucht bis Prüfening saniert. Werden Ersatzbusse an diesen Bahnhöfen enden und Reisende von dort einen Zug zu den Bahnhöfen in Nürnberg und Regensburg nehmen müssen? Wird es Busse geben, die den Regionalexpress ersetzen und ohne viele Zwischenhalte Nürnberg und Regensburg anfahren?
Die Bahn antwortet, dass man aktuell noch keine Details veröffentlichen könne. Aktuell arbeite man am Verkehrskonzept und binde dabei Kommunen, Unternehmen und Interessensgruppen etc. ein.
Bei früherer Gelegenheit hatte DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber in Aussicht gestellt, die Busse sogar häufiger fahren zu lassen als die zu ersetzenden Züge. Auch Expressbusse zwischen einigen Halten hielt Huber für möglich. Sicher ist das alles aber nicht. Jedoch hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die in Bayern den Schienenverkehr plant, organisiert und kontrolliert, einen umfassenden Schienenersatzverkehr gefordert.
Was passiert mit Unternehmen aus dem Landkreis Neumarkt an der Bahnstrecke?
Auf der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg sind nicht nur Personenzüge und durchfahrende Güterzüge unterwegs, es gibt auch anliegende Unternehmen, die die Gleise nutzen. Im Landkreis Neumarkt betrifft das insbesondere das Sengenthaler Bauunternehmen Max Bögl, das über einen eigenen Gleisanschluss schwere Bauteile für Windräder oder Tunnels transportiert.
Bögl sieht laut Firmensprecher Jürgen Kotzbauer große planerische und logistische Herausforderungen für eigene Bahntransporte. Man sei deswegen mit der Bahn in einem „intensiven und sehr partnerschaftlichen Austausch“. Das Bauunternehmen hat seinen Bedarf für das erste Halbjahr an die Bahn gemeldet.
Ganz abgeschnitten wird Bögl vom Schienennetz aber nicht sein. Bei sogenannten „Gleisanschließern“, wie es Bögl ist, besteht laut DB eingeschränkt die Möglichkeit, zeitlich begrenzt und bei stark reduzierter Geschwindigkeit (maximal 20 km/h) durch die Baustelle zu fahren. Die Fahrten müssen eng mit der Baulogistik abgestimmt werden. Man sei zuversichtlich, „gangbare Wege“ zu finden, heißt es daher von Bögl.
Wird der Bahnhof in Neumarkt weiter saniert?
Bestandteil der Generalsanierung der Strecke sind nicht nur die Gleise, sondern auch die Bahnhöfe. Rund 20 auf der Strecke sollen verbessert werden. Allerdings hat die DB erst in jüngster Zeit den Neumarkter Bahnhof aufgehübscht. So wurde beispielsweise das Empfangsgebäude saniert und die Fassade neu gestrichen. Allerdings gibt es offenbar nach wie vor Bedarf, weswegen im Zuge der Generalsanierung „weitere Arbeiten stattfinden, um das Kundenerlebnis zu verbessern und die Barrierefreiheit am gesamten Bahnhof zu gewährleisten“, wie die Bahn auf Nachfrage allgemein gehalten antwortet.
Aber die Radabstellplätze am Bahnhof Neumarkt kommen, oder?
Im Zuge der Bike + Ride-Offensive wollen Bahn und Stadt die vorhandenen Abstellplätze für Fahrräder rund um den Bahnhof modernisieren. Das Projekt hat aufgrund langwieriger Verhandlungen zwischen Stadt und dem Großkonzern schon einen langen Weg hinter sich und dieser scheint teils noch länger zu werden.
Die Bahn erklärt zwar, dass die DB im Austausch mit der Stadt stehe und prüfe, ob die Abstellanlagen im Zuge der Generalsanierung modernisiert werden könnten. Von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn war vor einiger Zeit im Stadtrat hingegen zu hören, dass wegen der Generalsanierung einige der geplanten Abstellanlagen erst verzögert umgesetzt werden könnten, da die Bahn den Platz für anderweitige Arbeiten benötige.
Was ist das Ziel der Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg?
Die Strecke ist durch Personen- und Güterzüge ausgelastet. Langsamere Züge wie etwa die S-Bahn müssen oftmals warten, bis sie von schnelleren Zügen wie dem ICE überholt wurden. Die Folge sind Verzögerungen. Deshalb will die Bahn sogenannte „Überleitstellen“ schaffen. Bei diesen werden schnellere Züge kurz auf das Gegengleis geleitet, um zu überholen. Ein drittes Gleis auf der Strecke ist hingegen vorerst nicht in Sicht. In den fünf Monaten Bauzeit werden rund 80 Kilometer Gleise, 60 Kilometer Oberleitung und 40 Weichen auf der Strecke erneuert. Hinzu kommen laut Bahn die Sanierung des Deininger Damms bei Neumarkt sowie die Sanierung einer Brücke bei Burgthann.