Zusätzlicher Bahnhalt in Neumarkt: Landkreis erreicht ersten Schritt, doch es wird noch dauern

„Ohne drittes Gleis geht das nicht“, hatte Michael Gottschalk von der Kreisentwicklung noch vor drei Jahren zu hören bekommen, als es um einen möglichen zweiten Bahnhalt im Neumarkter Süden ging. Nun aber schöpft er Hoffnung, dass es doch klappen könnte mit einem Bahnhalt Neumarkt-Süd – Digitalisierung sei Dank.
Paradoxerweise ist es gerade der geplante Stillstand, der langfristig zum Fortschritt führen soll, wie Gottschalk erklärt. 2026 wird die Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg von Februar bis Juni fünf Monate lang gesperrt und saniert. In dieser Zeit werden nicht nur Gleise, Oberleitungen und Weichen auf Vordermann gebracht, sondern auch die digitale ECTS-Technik an der Strecke verbaut.
„Das bringt 20 bis 30 Prozent Verbesserung“, erklärt Michael Gottschalk. Insbesondere können die Züge durch die digitale Steuerung schneller fahren und Strecken können höher ausgelastet werden.
Dadurch gewinnt man auf der Strecke zwischen Neumarkt und Regensburg das, was momentan noch fehlt: Zeit. „Es geht um zwei bis drei Minuten Zeit, die man für einen weiteren Halt braucht“, erklärt Gottschalk. Und an denen sei der zusätzliche Bahnhaltepunkt im Neumarkter Süden bisher gescheitert.
Am Bedarf besteht kein Zweifel
Mit einem dritten Gleis freilich wäre das kein Problem mehr gewesen, allerdings würde ein solches Projekt wohl Jahrzehnte dauern. Am Bedarf hingegen besteht seit Jahren kein Zweifel mehr, erläutert Gottschalk: „Das Potenzial für einen zusätzlichen Halt ist da.“ Man liege nach Schätzungen weit über der Mindestmarke von 500 Fahrgästen am Tag. Man gehe sogar von 800 Fahrgästen aus, die im Neumarkter Süden ein- oder aussteigen. Vom Bereich der Kerschensteinerstraße lassen sich insbesondere große Unternehmen wie Bionorica, das Berufliche Schulzentrum und das Ärztehaus gut zu Fuß erreichen. Das bringe die nötige Frequenz.
Die Gespräche mit den verantwortlichen Stellen, dem VGN und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft seien deswegen grundsätzlich auch sehr positiv verlaufen, betont Gottschalk. Doch bisher habe es eben keine Lösung für die nötigen Minuten gegeben, die ein zusätzlicher Halt kosten würde.
Nun scheint sich die Hartnäckigkeit des Landkreises aber auszuzahlen. Man habe darauf gedrängt, dass die Strecke bei der anstehenden Sanierung mit der ECTS-Technik vorgerüstet werde. Und das habe die Bahn auch in Aussicht gestellt. Das sei zwar ein erster, positiver Schritt, aber noch lange nicht das angestrebte Ziel, bremst Gottschalk allzu viel Euphorie: „Es wird danach nicht gleich der Bahnhalt Süd kommen können. Es müssen auch erst noch die Züge mit der ECTS-Technik umgerüstet werden. Das kostet wieder. Und es wird frühestens 2028 passieren. Eher noch 2030.“
S-Bahn ist lange vom Tisch
Erst dann kommt ein Bahnhof Neumarkt-Süd in Frage. Die Fahrgäste müssen sich also noch gedulden. Das einstige Ziel, die S-Bahn von Nürnberg bis nach Parsberg zu verlängern und so den ganzen Landkreis zu versorgen, ist derweil schon lange vom Tisch. Weil der Parsberger Bahnhof dafür auswendig hätte umgebaut werden müssen, rentierte sich das Vorhaben nicht. Nun hofft man, zumindest Neumarkt besser erschließen zu können.