Grünes Licht für 580 Fahrradparkplätze in Neumarkt: Doch Stadträte stellen viele kritische Fragen

Von Wolfgang Endlein · 28. Juni 2024 um 15:00

Die Diskussion am Donnerstag im Neumarkter Stadtrat war lang und kontrovers. Das Abstimmungsergebnis spiegelte das jedoch nicht wider. Es ging um den Plan, am Bahnhof in Absprache mit der Bahn Hunderte neuer Abstellplätze für Fahrräder zu schaffen.

„Bike and Ride“ nennt sich das Förderprogramm, mit dem der Bund und die Deutsche Bahn den Bau von vielen tausenden Fahrradabstellplätzen anschieben will. In Neumarkt plant die Stadt rund 580 Abstellplätze rund um den Bahnhof zu errichten. Fast eine Million Euro kostet das voraussichtlich, wie die Stadtverwaltung den Stadträten erklärte.

Einige zuckten angesichts der Summe. Allerdings erklärte die Verwaltung, dass sich die 970000 Euro durch Fördergelder auf 480000 Euro reduzieren werden. Olaf Böttcher (Grüne) verteidigte das Projekt: „Ich wehre mich gegen das Kostenargument“. Für Autofahrer investiere die Stadt an anderer Stelle deutlich mehr Geld.

Besteht Bedarf für 580 Abstellplätze für Fahrräder am Neumarkter Bahnhof?

Ira Hörndler (FDP), selbst nach eigener Aussage bekennende Radlerin, hinterfragte dennoch das Verhältnis von Kosten zum hinzugewonnenen Vorteil. Sie stellte zur Diskussion, ob man zunächst nur einen Teil der geplanten Bereiche umsetzen sollte. Gerade bei den Stellplätzen in der Hans-Dehn-Straße vermutete sie, dass der Bedarf von Radlern dort nicht so groß sei. Sie plädierte dafür, nur einige der geplanten neuen Anlagen umzusetzen. Beispielsweise die Sammelschließanlage hinter der Post, wo Räder gegen eine Gebühr in ein schließbares Gehäuse gestellt werden können. Eine weitere soll beim Busbahnhof entstehen.

Ferdinand Ernst (CSU) hinterfragte, wie die Stellplätze verteilt werden sollen. Viele Pendler stellten ihre Räder auf dem Bahnhofsvorplatz ab. „Wir können uns nicht dem Gesetz der Masse verwehren“, sagte Ernst. Die dort geplanten 43 Bügel, an die man Räder anketten kann, seien zu wenig.

Ernst fragte auch, ob man nicht den abseits gelegenen Abstellplatz hinter der Post per Video überwachen könne. Was die Verwaltung prüfen lassen will. Rechtlich seien die Hürden aber wohl zu groß, hieß es.

Stadtrat: Lösung für chaotische Situation vor dem Neumarkter Bahnhof

Andere Stadträte merkten an, dass an Parkplätze für Lastenräder gedacht werden müsse. Zudem sollten Räder mit dickeren Reifen ebenso in die Abstellanlagen hineinpassen.

Was zur generellen Frage führte, inwieweit das mit der Bahn ausgehandelte Konzept noch angepasst werden könne? Angesichts der schwierigen Verhandlungen mit der Bahn drängte OB Markus Ochsenkühn, dem Projekt jetzt zuzustimmen. Worin ihm Böttcher zustimmte: „Wir hätten uns mehr vorstellen können, aber die Lösung geht in die richtige Richtung und sie ist nötig“.

Jakob Bierschneider (UPW) machte einen Strich unter die Diskussion: „Man kann immer Probleme finden“. Jetzt habe man eine Lösung für ein chaotische Situation. Und: „Die Neumarkter wollen das“.

Trotz der kontroversen Diskussion fiel die Entscheidung am Ende einstimmig zugunsten der Abstellanlagen aus.

Auf dem Neumarkter Bahnhofsvorplatz stellen viele Radler ihre Räder bislang wild ab. Künftig soll es 43 Bügel geben, an die man sein Rad ketten kann. Foto: Endlein
Auch die Abstellplätze am Neumarkter Busbahnhof sollen überarbeitet werden. Hier ist neben Doppelstockparkern eine Sammelschließanlage angedacht. Foto: Endlein