Fahrradhändler aus Neumarkt gibt Tipps für den Kauf eines E-Bikes

Von Wolfgang Endlein · 16. April 2024 um 11:00

Nur etwas für Senioren, zu teuer, zu schwer, zu wenig Reichweite: Was ist dran an den Klischees, die mit Fahrrädern mit E-Motor verbunden sind? Der Neumarkter Radhändler Peter Stadler erklärt, worauf man beim Kauf eines E-Bikes achten sollte.

Herr Stadler, mit dem Frühling kommt bei Vielen der Bedarf oder die Lust, sich ein neues Rad zu kaufen. Was fragen Kunden bei Ihnen besonders nach?

Peter Stadler: Der Trend geht definitiv zu einem Fahrrad mit E-Motor. Kinderräder außen vor gelassen sind rund 75 Prozent der verkauften Räder bei mir inzwischen mit E-Motor.

Und was für eine Art Rad geht am meisten weg?

Stadler: Die Bandbreite an Fahrrädern ist generell gewachsen und das bildet sich auch bei den E-Bikes ab. Am häufigsten verkauft sich das klassische Trekking-Rad mit Kettenschaltung, relativ starkem Motor und großem Akku.

Das Klischee ist, dass vor allem Ältere E-Bikes kaufen.

Stadler: Definitiv nicht. Die Käufer von E-Bikes werden immer jünger.

E-Bike fahren kann anstrengend sein

Warum ist das Ihrer Meinung nach so?

Stadler: Das hat mit einem anderen Klischee zu tun: Dass E-Bike fahren nicht anstrengend ist. Das stimmt so nicht. Wenn ich will, kann es anstrengend sein. Wenn ich nicht will, kann ich mir die Motorunterstützung holen. Und das kann richtig viel Spaß machen.

Das ist der sportliche Aspekt.

Stadler: E-Bikes haben aber auch einen praktischen Aspekt. Sie sind ideal, um mehr Alltagsfahrten ohne das Auto zu erledigen. Ich bin zügig unterwegs, muss auf dem Weg in die Arbeit oder zum Einkauf nicht schwitzen und die Parkplatzsuche ist auch kein Problem. Dank moderner Funktionskleidung schreckt schlechtes Wetter auch zunehmend weniger davon ab, trotzdem zu radeln.

Wir reden die ganze Zeit von E-Bikes. Streng genommen ist das aber nicht richtig.

Stadler: Stimmt. Was die meisten Menschen als E-Bike bezeichnen, ist eigentlich ein Pedelec. Also ein Rad, dessen Motor zwar den Fahrer unterstützt, aber nur, wenn der auch in die Pedale tritt. Ein richtiges E-Bike fährt auf Knopfdruck und auch ohne dass der Fahrer in die Pedale tritt.

Um Verwirrung zu vermeiden, bleiben wir dennoch bei der umgangssprachlichen Bezeichnung E-Bike. Kommen wir zu einer anderen Frage, die sich viele vor dem Kauf stellen: Was kostet ein E-Bike?

Stadler: Los geht es bei 1300 bis 1400 Euro. Das sind dann solide Räder für die Stadt. Der Großteil der verkauften Räder bewegt sich aber mittlerweile zwischen 3000 und 4000 Euro. Die Kunden sind bereit, für eine sehr ordentliche Qualität auch entsprechend zu bezahlen. Nach oben hin kann es bis 11.000, 13.000 Euro gehen.

E-Bike-Motoren für unterschiedliche Anforderungen

Der große Unterschied zum normalen Rad ist beim E-Bike der Motor. Worauf sollte man dabei achten?

Stadler: Es kommt darauf an, was man mit dem Rad machen will. Allein der Marktführer Bosch hat deswegen fünf unterschiedliche Motoren.

Beim Motor ist vom Drehmoment die Rede. Was hat es damit auf sich?

Stadler: Vereinfacht gesagt, ist das Drehmoment die Leistungsfähigkeit des Motors. Umso mehr Drehmoment er hat, umso kraftvoller kann er den Fahrer oder die Fahrerin unterstützen.

Wie viel Drehmoment hat ein E-Bike im Schnitt.

Stadler: Zwischen 75 und 85 Newtonmeter ist inzwischen Standard. Aber es müssen nicht so viel sein. Der Motor muss zum Fahrer passen und zudem, was er damit machen will. Für ein Fahrrad, das ich vor allem in der Stadt benutze, reichen auch 40, 50 Newtonmeter. Wenn ich aber beispielsweise zum Mountainbiken ins Hochgebirge will, dann haben die Motoren bei manchen Herstellern schon bis zu 120 Newtonmeter.

Unterschiede zwischen Heckmotor und Nabenmotor beim E-Bike

Es gibt vor allem Heckmotor und Mittelmotor. Was sind die Unterschiede und Vorteile?

Stadler: Der Mittelmotor sitzt im Bereich des Tretlagers, der Nabenmotor meist in der Nabe des Hinterrads. Beim Mittelmotor ist das Gewicht besser verteilt und er bringt kraftvolle Leistung auch an steilen Anstiegen. Da hat der Nabenmotor seine Schwächen, aber dafür ist dieser leichter und leiser. Der Heckmotor reagiert zudem nicht ganz so direkt darauf, wenn ich aufhöre zu treten und schiebt etwas nach.

Der beste Motor bringt aber wenig, wenn der Akku leer ist. Wie weit komme ich damit?

Stadler: Das hängt natürlich davon ab, wie leistungsfähig der Akku ist und wie stark ich mich vom Motor unterstützen lasse. Außerdem spielen Fahrergewicht und Beladung, Untergrund, Reifenbreite und -druck sowie die Temperatur eine Rolle. In der Regel sind 70 Kilometer locker drin. Man kann das mit großen Akkus und zusätzlichen externen Akkus aber auch auf die Spitze treiben. Dann sind Reichweiten von 200 Kilometern bei wenig Unterstützung möglich.

Sie reden von Unterstützung. Erklären Sie bitte, wie das funktioniert.

Stadler: E-Bikes verfügen in der Regel über drei bis vier Unterstützungsstufen. Je nachdem, welche Stufe der Fahrer wählt, gibt der Motor auf die getretene Leistung nochmal zusätzlich Kraft drauf.

E-Bikes geben aber nicht endlos Power dazu.

Stadler: Normale E-Bikes – also eigentlich Pedelecs – unterstützen in Deutschland bis 25 km/h. Dann schaltet der Motor die Leistung ab. Es gibt auch S-Pedelecs, die bis 45 km/h fahren. Aber dann gelten wesentlich strengere Vorschriften als bei normalen Fahrrädern: Ich brauche dann unter anderem ein Versicherungskennzeichen, eine Lichtanlage, einen Spiegel, es gilt eine Helmpflicht und ich darf manche Straßen und Wege nicht mehr benutzen, die ich mit einem normalen Fahrrad befahren darf.

Darauf ist beim Akku für E-Bikes zu achten

Werden S-Pedelecs bei Ihnen nachgefragt?

Stadler: Wegen der strengen verkehrsrechtlichen Auflagen in Deutschland ist der praktische Nutzen eingeschränkt. Deshalb verkaufen sie sich auch nur wenig.

Zurück zum Akku. Was muss ich für eine möglichst lange Lebensdauer beachten?

Stadler: An sich gibt es da bei Modellen von Markenherstellern nicht viel. Wenn es etwas zu beachten gilt, dann das Durchfrieren. Akkus sollten im Winter nicht lange, also beispielsweise über Nacht, draußen sein. Sie sollten frostfrei gelagert werden.

Welche Schaltungen gibt es und zu welcher raten Sie?

Stadler: Es gibt Naben- und Kettenschaltung. Wie der Name sagt, ist bei der Nabenschaltung das Getriebe in der Nabe des Hinterrads. Die ist immer noch gefragt, weil sie robust ist und wenig Probleme macht. Manche Kunden wählen sie auch wegen der Rücktrittbremse. Kettenschaltungen bieten hingegen ein breiteres Spektrum an Gängen und sind vor allem für den sportlicheren Einsatz die erste Wahl.

Sie haben die Rücktrittbremse erwähnt. Womit bremsen moderne E-Bikes?

Stadler: Felgenbremsen findet man eigentlich nur noch an günstigeren Rädern. Wegen des Gewichts und der höheren Geschwindigkeiten braucht es zupackende Bremsen bei E-Bikes. Hydraulische Scheibenbremsen sind inzwischen der Standard. Auch weil man sie komfortabler, mit weniger Kraft bedienen kann.

So viel wiegen E-Bikes

Sie haben vom Gewicht gesprochen. E-Bikes gelten als schwer.

Stadler: Federgabel, gefederte Sattelstütze, breite Reifen: Weil der Kunde immer mehr Komfort will, werden die Räder auch schwerer. Der Standard liegt bei 24 bis 28 Kilogramm. Es gibt aber auch die Gegenbewegung, dass E-Bikes immer leichter werden. Da wiegt dann das Rad nur 14 bis 16 Kilogramm.

Ein Teil des Rads, das oftmals unterschätzt wird, ist der Sattel. Wenn er nicht passt, macht auch ein noch so schönes Rad wenig Spaß. Wie findet man den richtigen Sattel?

Stadler: Es lohnt sich auf jeden Fall, sich Gedanken über den Sattel zu machen. Im Schambereich verlaufen schließlich viele Nerven. Es gibt viele unterschiedliche Sättel je nachdem, was für eine Art von Fahrrad ich fahre und wie ich darauf sitze. Um die richtige Breite zu finden, vermessen wir den Abstand der Sitzknochen. Aber der Sattel allein hilft nicht so viel, wenn die Sitzposition nicht passt. Auch Lenker und Griffe tragen zum Komfort bei.

Gibt es weiteres Zubehör, das Sie E-Bike-Fahrern empfehlen?

Stadler: E-Bikes kosten, man sollte daher beim Schloss nicht sparen.