Zwei Parsberger kehren nach zweieinhalb Jahren von ihrem Rad-Abenteuer zurück

In 869 Tagen haben Eva-Maria Habermann und ihr Verlobter Henning Dieckmann nicht nur 28 646 Kilometer mit dem Fahrrad zurück gelegt, sie haben 34 Länder besucht, 17 mal den Reifen geflickt und dabei festgestellt: „Man kann auch mit wenig glücklich sein.“
Ihr erstes Fazit nach der Reise lautet: Man brauche nur Wasser, Essen und einen sicheren Platz zum Schlafen.
Am 14. Mai 2021 haben die Familie und viele Freunde das Paar in der Rudolfshöhe mit Luftballons und guten Wünschen verabschiedet. Nun, nach gut zweieinhalb Jahren, als die Abenteurer wieder an ihren Ausgangspunkt kamen, war die Wiedersehensfreude sehr groß.
Freude und Trauer
„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie die 33-jährige Ingenieurin EvaMaria bei der Ankunft gesteht, sei man nun angekommen. Sie freue sich darüber, weil sie alle Familienangehörige und Freunde wieder sieht und auch für weitere Eindrücke keinen „Speicher“ mehr frei hat. Doch sie sei auch etwas traurig, weil die schöne Zeit des Reisens vorerst zu Ende sei.
Während die Familie, Nachbarn und Freunde im Garten eine Willkommensparty für die Abenteurer vorbereitet haben, nutzt unser Medienhaus die Gelegenheit, in einer stillen Ecke des Gartens mit dem Paar die Reise Revue passieren zu lassen.
Henning, er ist 36 Jahre alt und ebenfalls Ingenieur, sowie Eva-Maria Habermann haben sich während ihres Studiums in Amberg kennen und lieben gelernt. Der selbe Beruf habe sie 2017 nach Köln verschlagen und dann sei Corona gekommen, berichtet das Paar.
Ein finanzielles Polster sei vorhanden gewesen, und weil Henning schon mal den Jakobsweg gegangen war, wuchs auch in Eva der Wunsch, auf Reisen zu gehen. „Warum den Jakobsweg nicht mit dem Fahrrad abfahren“ sei der erste Gedanke gewesen, und die Idee einer Radreise war geboren.
Bis man die Familie davon in Kenntnis setzte, hatte sich die Idee weiterentwickelt. Als Reisedauer wurde ein Jahr mit erstem Ziel Nordcup in Norwegen angepeilt. Intern hatte sich das Paar aber schon offen gelassen, das Zeitfenster zu erweitern, so dass die Wohnung in Köln aufgelöst und die Anfangsroute geplant werden konnte.
Außerdem schaffte man sich zwei Reiseräder mit Stahlrahmen und Nabenschaltung an sowie Fahrradtaschen, um Kleidung und Zelt verstauen zu können. Neben der Kreditkarte musste natürlich auch das Handy mit, denn zum einen wollte man die Daheimgebliebenen über die App Polarsteps immer auf dem Laufenden halten, und zum anderen wollte man die Plattform „Warmshowers“ (Gastgeber und Reisende tauschen sich für eine Beherbergung aus) nutzen können.
Am 14.Mai 2021 war es dann soweit, Karl Habermann begleitete das Paar noch bis Freystadt und am zweiten Tag der Reise kam folgende Nachricht von Eva: „Die Beine brennen, der Po tut weh.“ Bis zum 5.Juni 2021 hatte das Paar die ersten 1000 Kilometer zurückgelegt und sechs Bundesländer passiert. Insgesamt hatte man ein Tagespensum von 60 bis 100 Kilometer, aber auch mal nur zwölf Kilometer, wenn es über Berge ging und man schieben musste, berichtet Henning. Aber man wollte ja auch keinen Wettlauf veranstalten.
Viele schöne Landschaften
An den ersten Grenzübertritt – von Deutschland nach Dänemark – am 17.Juni 2021 erinnert sich das Paar noch genauso gut, wie an die verschiedensten Landschaften, die man bei mäßigem Tempo fast „fühlen“ konnte. Das Campen mit dem Zelt sei anfangs nicht immer einfach gewesen, in Ländern wie Schweden sei das Wildcampen allerdings erlaubt, berichtet Eva. Viele schöne Landschaften wurden besucht, die die beiden sich auch auf anderen Wegen angeschaut haben, wie einmal per Heißluftballon in der Türkei.
Und auf die Frage nach der Verständigung, lautet ihre Antwort: Mit Englisch komme man meistens weiter. Zudem habe habe man den Satz „Wir sind aus Deutschland und mit dem Fahrrad unterwegs“ in mehreren Sprachen sagen können.
Die Menschen, denen man begegnet sei, hätten sie oft mit Essen und Trinken überrascht oder ihnen besondere Empfehlungen gegeben. Auch als sich Eva bei einem Sturz mit dem Fahrrad das Knie verletzte, wurde ihnen auf dem Weg zum Krankenhaus geholfen.
Um einen Magen-Darm-Virus sowie Grippeviren kam man auch nicht herum, wie die beiden berichten. Aber mit Ruhepausen konnte man die gut auskurieren.
Nachdem man einen Teil der Welt bereist hat, wollen die beiden erst einmal zur Ruhe kommen und sich Arbeit sowie eine Wohnung suchen.
Und wird es noch eine weiter Reise mit den Rädern geben? „Mal schauen, wir haben noch viele Ideen, wie man Urlaub und Fahrradfahren verbinden kann“, sagt Henning schmunzelnd.
