Seit 2020 in Planung: Radfahrer bekommen sichere Abstellplätze am Neumarkter Bahnhof

Kreuz und quer stehen die Fahrräder vor dem Bahnhof. Zusätzliche Fahrradabstellplätze sollten das eigentlich ändern. Auch abschließbare Boxen hatte die Stadtverwaltung Neumarkt schon 2020 geplant. Jetzt scheinen endlich konkrete Ergebnisse aus den Verhandlungen mit der Bahn vorzuliegen.
1000 Stellplätze für Fahrräder rund um den Neumarkter Bahnhof und damit doppelt so viele als bisher – so lautete das Ziel im Juni vor vier Jahren. Doppelstöckige Anlagen sowie eine sichere Sammelschließanlage sah das Konzept vor. Dann war über Jahre hinweg immer nur von zähen Verhandlungen mit der Bahn zu hören.
Fehler im Konzept für neue Fahrrad-Parkplätze
Die Stadt habe weitere Flächen mit Radabstellanlagen in die Förderung einbeziehen wollen, weshalb im Juli 2022 ein erneutes Prüfkonzept angestoßen worden sei, erklärt Pressesprecher Christian Wild. Die Deutsche Bahn habe dieses Konzept erarbeitet und die Stadt habe es im Februar 2023 bestätigt. Dann sei jedoch aufgefallen, dass eine Sammelschließanlage im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) zu nah am Gehweg und zu nah an einem Oberleitungsmasten der Bahn eingeplant war.
„Zusätzlich musste durch die Bahn geklärt werden, wer im Falle eines Baus der Anlagen die dort befindlichen Bäume fällt“, so Wild weiter. Deshalb habe die Bahn den Standort nochmals geprüft und der Stadt im September 2023 ein neues Konzept unterbreitet.
Nachdem letzte Unklarheiten bei der Überdachung der Abstellflächen hinter der Post geklärt worden seien, habe die Stadt das Konzept bestätigt. „Nächster Schritt ist nun das Erarbeiten von Gestattungsverträgen durch die Bahn.“ Erst wenn diese abgeschlossen sind, könne man sagen, wann die neuen Stellplätze errichtet werden, erläutert Wild.
100.000 neue Bike+Ride-Plätze bis 2022 hatte sich die Deutsche Bahn zum Ziel gesetzt, als sie im Jahr 2018 ihre Offensive startete. Die Idee dahinter: Die Bahn stellt per Gestattungsvertrag Flächen mietkostenfrei zur Verfügung, die Kommune errichtet die Fahrradparkplätze und der Staat unterstützt die Kosten mit Zuschüssen. Dabei seien Förderungen von bis zu 70 Prozent möglich. Neumarkt habe in seinem Haushalt für 2024 die Kosten für den Kauf der neuen Radabstellanlagen schon berücksichtigt.
Die Sammelschließanlage soll dort platziert werden, wo aktuell die alten abschließbaren Fahrradboxen der DB stehen. Zusätzlich zu weiteren neuen Abstellanlagen im gesamten Bahnhofsbereich ist laut Wild eine zweite Sammelschließanlage im Bereich des ZOB geplant.
Diese sind überdacht, bieten auf zwei Ebenen Platz für 24 Räder und die Schiebetüren lassen sich nur mit einer App, eine Chip-Karte (RFID) oder einem PIN-Code öffnen. Damit bieten sie Sicherheit gegen Diebstahl und Vandalismus – ist doch der Neumarkter Bahnhof seit Jahren ein Brennpunkt für Fahrraddiebstähle.
Als überzeugter Radfahrer, Stadtrat und Vorstandsmitglied des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) freut sich Olaf Böttcher, wenn endlich Bewegung in die Verhandlungen mit der DB kommen. Dass diese schwierig seien, nehme er dem Fahrradbeauftragten der Stadt ab. „Aber es geht zu langsam. Das ist Fakt.“
Sicherheit gegen Diebstahl am Neumarkter Bahnhof
Die neuen Abstellanlagen brächten nicht nur mehr Ordnung, sondern vor allem mehr Sicherheit mit sich, sagt Böttcher. Zumal die bisherigen Anlagen oft nur die Möglichkeit böten, das Vorderrad einzuklemmen – Diebe hätten so leichtes Spiel. Übrig bleibe dann nur noch das Vorderrad.
Anders als ursprünglich geplant, werden auf dem Bahnhofsvorplatz Reihenbügel geplant, keine Sammelschließanlagen. Auch neue Sitzmöbel seien angedacht – unabhängig von der Bike+Ride-Offensive, sagt Wild. Zu den vertraglichen Gegebenheiten habe es eine Videokonferenz mit Vertretern der Bahn gegeben – diese habe allerdings keine Angaben zu einem Zeitplan gemacht und werde sich nochmals melden.
Insgesamt hat die Deutsche Bahn ihr Ziel von 100.000 neuen Fahrradabstellplätzen an deutschen Bahnhöfen weit verfehlt: Nach eigenen Angaben sind in 847 Kommunen nur gut 18.800 neue Stellplätze entstanden, allerdings befänden sich rund 55.100 weitere in der Planung. „Grundsätzlich unterliegt es dem kommunalen Wirken, Fahrradabstellanlagen am Bahnhof bereit zu stellen“, sagt dazu eine Bahnsprecherin auf Nachfrage.
In Hersbruck stehen bereits 24 neue Doppelstockparker sowie eine Sammelschließanlage. Und in Nürnberg wurde im Herbst 2020 ein Fahrradparkhaus errichtet.



