Nicht nur wegen des Förderprogramms: „Neumarkt ist die ideale Stadt für Lastenräder“

Neumarkt versucht den Verkehr in der Stadt nachhaltiger zu machen, indem es den Kauf von Lastenrädern finanziell unterstützt. Doch kommt das bei den Menschen an? Eine Neumarkter Lastenradfahrerin wirbt für den Lastenesel unter den Fahrrädern und will Bedenken ausräumen.
„Neumarkt ist die ideale Stadt für Lastenräder“, sagt Teresa Häußinger und erklärt: „Neumarkt ist eine Stadt der kurzen Wege und in der Stadt selbst gibt es nicht so viele Steigungen. Mit dem Fahrrad ist man meiner Meinung oftmals einfach schneller“. Häußinger will damit sagen: Schneller als mit dem Auto. Und: Mit der Suche nach einem Parkplatz gebe es auch keine größeren Probleme.
Was Häußinger für Lastenradfahrer in Neumarkt als Vorteil beschreibt, trifft in Teilen auf sie selbst kurioserweise kaum zu. Die zweifache Mutter lebt mit ihrer Familie in Höhenberg. Wenn sie auf dem Arbeitsweg ihre beiden Kinder in die Schule und den Kindergarten bringt und wieder abholt, legt sie täglich insgesamt mindestens zwölf Kilometer Weg zurück. Und mindestens einmal am Tag muss sie eine heftige Steigung überwinden.
Den Fuchsberg mit dem Lastenrad hoch dank E-Motor
Den Fuchsberg hoch ginge es für die Frau samt zweier Kinder nur schwer mit eigener Kraft. Die Kinder wiegen inzwischen mehr als 20 Kilogramm, das Rad mit der großen, wannenartigen Ladefläche an der Front hat 50 Kilogramm. Dank des Elektromotors seien Anstiege aber kein Problem. Bis zu 100 Kilometer könne man mit einer Ladung theoretisch kommen, schätzt Häußinger, die aber meist alle zwei Tage lädt, wie sie sagt.
Denn sie fährt bei nahezu jedem Wetter. Man gewöhne sich auch dank entsprechender Kleidung und Ausrüstung daran, sagt die junge Mutter. Wie es ihrer Erfahrung nach generell nicht lange braucht, bis man sich daran gewöhnt hat, die Wege in der Stadt mit dem Lastenrad statt mit dem Auto zurückzulegen.
Zu groß, zu wenig wendig, zu schwer und für insbesondere Frauen aufgrund des Gewichts schwer zu bändigen: Häußinger will Bedenken, die es bei Lastenrädern gibt, nehmen. Sie selbst sei nicht gerade körperlich die stärkste Person, aber sie habe keine Probleme das zugegebenermaßen nicht leichte Lastenrad in der Balance zu halten. Es gebe auch dreirädrige Lastenräder, die noch mehr Stabilität böten, aber auch mehr Platz brauchten. Ihr Lastenrad hat zwei Räder wie beim klassischen Fahrrad und sei damit wendig genug – wenn auch nicht in dem Maße wie ein normales Fahrrad, sagt Häußinger.
Stadt Neumarkt fördert E-Lastenräder mit bis zu 1000 Euro
„Ich habe schon das Gefühl, dass mehr Menschen Lastenräder fahren“, sagt Häußinger vor allem mit Blick auf die Familien im Kindergarten ihrer jüngsten Tochter. Der Neumarkter Radhändler Peter Stadler hat derweil beobachtet, dass „der große Hype, wie er mal war, momentan ein bisschen rückläufig“ ist. Damit folgen die Lastenräder nicht ganz dem Trend, den er beobachtet hat: Menschen sind auch in Neumarkt vermehrt bereit, im Alltag auf das Auto zu verzichten und stattdessen Wege mit dem Fahrrad zu bewältigen.
Die Stadt Neumarkt will das fördern und bietet daher seit 2019 an, den Kauf von Lastenrädern und Fahrradanhängern finanziell zu unterstützen. Auch Teresa Häußinger hat ihr E-Lastenrad teils mit dem Förderprogramm finanziert, von dem sie begeistert ist. Schließlich stellt ein Lastenrad eine erhebliche Investition dar, zumal mit E-Antrieb. Ihres habe rund 6000 Euro gekostet. 1000 Euro hat sie von der Stadt dazu bekommen.
Die Stadt schießt maximal 25 Prozent der Nettokosten zu. Bei E-Lastenrädern ist die Fördersumme bei 1000 Euro gedeckelt. 600 Euro sind es maximal bei Lastenrädern ohne E-Antrieb. Den Kauf von Fahrradanhängern unterstützt die Stadt mit maximal 200 Euro.
So viele Lastenräder hat die Stadt Neumarkt bereits gefördert
Pro Jahr sind 40000 Euro im Haushalt dafür eingeplant. Seit es die Förderung gibt, hat die Stadt nach eigenen Angaben bislang rund 94000 Euro ausgezahlt. Damit schafften Neumarkter sich 401 Fahrradanhänger und 47 Lastenräder an – 46 davon mit E-Antrieb.
„Grundsätzlich sind wir zufrieden und derzeit im Frühjahr mit den eingegangenen Anträgen gut ausgelastet“, erklärt Stadtsprecher Christian Wild. Allerdings: „Bisher wurde der Fördertopf noch in keinem Jahr voll ausgeschöpft und auch für dieses Jahr können noch Anträge gestellt werden“.
Dafür muss man Privatperson sein, seinen Hauptwohnsitz in Neumarkt haben und den Antrag vor dem Kauf des Lastenfahrrads oder Anhängers stellen. Die Richtlinien finden sich unter www.neumarkt.de/leben-wohnen/verkehr/radverkehr/foerderprojekt-lastenraeder
Diese Arten von Lastenrädern gibt es
Mit oder ohne E-Motor: Es gibt unterschiedliche Lastenräder. Man sollte vorab überlegen, was das Lastenrad können muss. Viele Nutzer ziehen eines mit E-Antrieb aufgrund des Eigengewichts und der Zuladung vor.
Long Johns: Weit verbreitet sind lang zulaufende Modelle mit einer Transportkiste vorne. Der Vorteil hier: Man hat das, was man transportiert im Blick. Solche Long Johns eignen sich für schwere Lasten (oft bis zu 100 kg ohne Fahrer möglich). Das Fahren ist wegen der Länge und des größeren Wendekreises Übungssache.
Longtails: Sie haben ein verlängertes Heck, auf dem sich der Großteil der Lasten transportieren lässt. Auch vorne bieten viele dieser Räder etwas Ladefläche. Das Fahrgefühl entspricht eher dem klassischem Rad. Die maximale Zuladung ist meist etwas geringer als bei Long Johns.
Trikes: Sie haben vorne zwei Räder und hinten eines. Das bietet an der Frontpartie Platz für breiten, üppigen Stauraum. Sie sind damit aber auch breiter als übliche Fahrräder. Ohne Neigetechnik an den beiden Fronträdern drohen solche Trikes in Kurven zu kippen.
Bäcker- bzw. Postrad: Diese herkömmlichen Fahrräder mit stabilem Rahmen bieten an Front und Heck Ladeflächen. Allerdings sind sie in der Regel nicht für große und schwere Lasten gedacht. .