Kaum jemand bleibt länger als zwei Nächte in Neumarkt – Geht die Tourismus-Branche baden?

Von Peter Romir · 16. Juli 2024 um 11:00

„Wir haben Corona geschlagen“, jubelte Tourismusamtsleiter Rainer Seitz noch im Februar. Damals schien die Neumarkter Hotelbranche ihr Pandemie-Tief mit einem neuen Übernachtungsrekord überwunden zu haben. Doch die aktuellen Zahlen sind weniger rosig. Woran liegt das?

„Das sieht ziemlich verrückt aus heuer“, meint Seitz mit Blick auf die gerade vom Landesamt für Statistik veröffentlichten Listen. Diese enthalten alle Übernachtungen in den zwölf Neumarkter Hotels von Januar bis Mai 2024. Das erstaunliche: Obwohl mehr Menschen nach Neumarkt als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres kamen, ging die Zahl der Übernachtungen zurück: Mit 42.285 liegt sie mehr als vier Prozent unter der Zahl des Vorjahres. Das bedeutet, dass kaum jemand länger als zwei Nächte geblieben ist.

Rekord fällt ins Wasser: Auch das Wetter könnte schuld sein

„Daran ist sicher das schlechte und unberechenbare Wetter schuld“, analysiert Seitz. „Die Leute haben vermutlich lieber Kurzausflüge gemacht.“ Das Oldtimertreffen und das Altstadtfest hätten zwar noch einmal einen Schub gegeben – dennoch sei die Rekordzahl von fast 120.000 Übernachtungen im Jahr 2023 nun in weite Ferne gerückt: „Das fällt wohl ins Wasser“, meint Seitz.

Als Touristenstadt tat sich Neumarkt schon lange schwer: Eher als Wirtschaftsstandort bekannt, fristete sie ein Nischendasein zwischen den zwei Touri-Magneten Nürnberg und Regensburg.

In den 90er Jahren, als die Übernachtungszahl bei 50.000 im Jahr dümpelte, machte der damalige Fremdenverkehrsverein sich daran, das Image aufzupolieren: Mit der Landesgartenschau holte man eine Attraktion in die Stadt, die weithin ausstrahlte. Zudem entdeckte man eine neue Zielgruppe: Rad-Touristen. Den Ausbau der Radwege sieht Seitz auch heute noch als einen wichtigen Baustein für die Attraktivität der Region. Vor allem seit die Radler motorisiert unterwegs sind und dadurch teilweise bis zu 80 Kilometer am Tag fahren, seien sie für die Hotelbranche sehr attraktiv geworden und werden mit Extras wie beheizten Garagen oder kostenlosen Ladestationen umworben.

Radler sollen es richten: Angebote immer beliebter

„Ich hätte auch nicht gedacht, dass so viele Radler kommen“, sagt Ernst Widmann. Er betreibt seit etwa einem Jahr das Stadthotel Neumarkt Mitte. Zuvor war er in Ingolstadt als Hotelier aktiv: „Das ist ebenfalls eine Stadt, die vor allem mit Industrie punktet – aber auch eine wunderbare Altstadt hat, die weitgehend unbekannt ist.“

Ähnliches erlebt er hier in Neumarkt: „Viele, die als Geschäftsreisende kommen, entdecken, wie gemütlich die Altstadt ist, und kommen dann als Touristen wieder.“

Einen Vorteil gegenüber Ingolstadt sieht er darin, dass es in Neumarkt mehrere zugkräftige Firmen gibt, die Geschäftskunden zu ihm ins Hotel bringen. Dem Tourismusbüro und den Verein Aktives Neumarkt spricht er großen Respekt aus: „Die tun was, die tun immer mehr!“

Doch reicht es auch? Arwed Arndt ist da skeptisch. Er ist Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga und Geschäftsführer von Maiers Hotel in Parsberg. Aus seiner Sicht punktet die Oberpfalz zwar mit vielen landschaftlichen und kulturellen Attraktionen – schwächelt aber deutlich in der Infrastruktur: „Was nützt mir der schönste Radwanderweg, wenn es unterwegs keine Wirtschaft mehr gibt, in der ich einkehren kann?“

Seine Idee wäre, in künftigen Tourismus-Broschüren nicht nur Wirtshäuser aufzulisten, sondern auch kleine Imbisse oder Hofläden: „Einfach alles, wo Leute auch an einem Wochentag noch etwas zu Essen bekommen können.“ Weitere Ideen für die Zukunft erarbeitet er gerade an einem Runden Tisch mit dem Landratsamt und anderen Hoteliers.

Fernziel ist eine größere Tourismusregion „Bayerischer Jura“ mit gemeinsamem Marketing zu etablieren. Diese solle keine Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten wie dem Regionalpark Quellenreich sein, sondern eine Ergänzung, betont Arndt.