Neumarkt feiert Übernachtungsrekord und träumt davon ein Touristen-Paradies zu werden

Von Peter Romir · 22. Februar 2024 um 19:00

Hat der Tourismus in Neumarkt das Tief der Corona-Jahre überwunden? Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn hält kurz die Luft an, bevor er die (vom Landesamt für Statistik ermittelte) Tourismusbilanz der Stadt für 2023 zur Hand nimmt. Dann verkündet er einen Rekord.

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„119637 Übernachtungen in Neumarkt – das ist sensationell!“ Damit wurde der bestehende Rekord von 115594 Übernachtungen aus dem Jahr 2018 deutlich übertroffen. „Das ist ein Sieg für uns“, sagt Tourismusamtsleiter Rainer Seitz. Er hat zu dem besonderen Anlass extra Boxhandschuhe mit der Rekordzahl anfertigen lassen. Die Botschaft: „Wir haben Corona geschlagen!“

Gewinner und Verlierer

Tatsächlich? Mindestens ein Opfer im Hotelbereich forderte die Pandemie: Das 2017 eröffnete Boarding House Alte Schule in der Bahnhofstraße. „Wir haben während Corona das Tagesgeschäft mit dem Tourismus fast völlig aufgegeben“, sagt Betreiber Gert Herrle, der inzwischen in der Schweiz arbeitet. Zwei der ursprünglich drei möblierten Räume hat regulär vermietet. Für das dritte macht er keine Werbung mehr.

Ganz anders sieht es ein paar Meter weiter im Hotelgasthof Dietmayr aus. „Wir sind fast wieder auf dem Niveau von vor Corona“, sagt Franziska Dietmayr, die den über hundert Jahre alten Familienbetrieb leitet. Sie erkennt sogar positive Effekte der Pandemie: „Die Menschen haben das Wandern und Radfahren neu entdeckt. Der Zehn-Flüsse Radweg zieht deshalb jetzt viele Gäste an.“

Kurzurlaub immer beliebter

Dennoch seien der Großteil der Menschen, die bei ihr unterkommen Geschäftskunden. Auch die Tourismus-Statistik bestätigt diesen Trend: Die meisten Menschen übernachten ein oder maximal zwei Nächte im Hotel. Dass auch Camper in der Statistik vorkommen drückt die Zahlen zusätzlich nach oben.

„Die Familie, die sich zwei Wochen Urlaub im Hotel leisten kann, gibt es kaum mehr“, sagt Arwed Arndt. Der Hotelier aus Parsberg ist Mitglied im Vorstand des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Er sieht die Rekordzahlen der Tourismusbilanz durchaus kritisch: „Man darf nicht nur die Übernachtungen zählen, sondern muss auch schauen, was als Gewinn bleibt.“

Konkurrenzdruck in der Hotelbranche steigt

2017 hätten ihm noch 18belegte Zimmer am Tag gereicht, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. „Heute brauche ich 23,um meine laufenden Kosten zu decken.“ Aus seiner Sicht kommen die meisten Betriebe aktuell im Jahresschnitt „wieder dahin, ein kleines Plus zu machen.“ Doch auch der Konkurrenzdruck steigt. Noch während der Pandemie eröffnete das Architekturbüro Theo Nutz sein N&S-Hotel. Erst kürzlich folgten mit dem Wittmanns und dem Stadthotel Neumarkt Mitte zwei weitere Häuser. Die Zahl der Betten steigt. Und das schneller als die Zahl der Gäste: 2017 übernachteten in einem Hotelbett (rein rechnerisch) noch fast 74 Personen pro Jahr. Im Jahr 2023 schrumpfte die Zahl auf 56. „Wir befinden uns in einem weltweiten Konkurrenzkampf“, erklärt Tourismusamtsleiter Seitz. „Die Leute können ja wählen, ob sie mit dem Flieger in die Türkei wollen oder lieber im Altmühl-Jura übernachten.“

Große Zukunftspläne

Punkten will die Region in diesem Wettkampf vor allem mit ihrer Natürlichkeit: „Wir haben eine Premium-Landschaft, eine ursprüngliche Region und größtenteils vertretbare Preise“, sagt Tourismusreferent Werner Thumann. Er erklärt, dass Tourismus in Neumarkt lange Zeit nicht im Fokus stand: „Wir haben eine florierende Wirtschaft und hatten lange Zeit keinen Druck in diese Richtung. Aber der Erholungstourismus gewinnt immer mehr an Bedeutung.“ In den nächsten zehn Jahren will Thumann die Region zu einem „deutschlandweit beachteten Regionalpark mit Neumarkt im Zentrum machen.“

Damit das klappt legen Seitz und er sich mächtig ins Zeug: „Wir sind auf jeder Freizeitmesse zu Gast und verteilen fleißig Broschüren“, erzählt Seitz. Zudem sollen gemeinsame Projekte mit dem Tourismusverband Ostbayern die Stadt weiterbringen. Mit der Innehalten-Region und dem Regionalpark Quellenreich seien zudem zwei starke Konzepte am Start, um Menschen in die Oberpfalz zu locken.

Markenbildner soll Kampagne gestalten

Arndt bezweifelt, dass das reicht: „Nürnberg und Regensburg ziehen sehr viele Touristen, die sich nicht die Zeit nehmen, die Gegend dazwischen anzuschauen.“ Die Region sei einfach zu unbekannt. „Da geht noch mehr“, sagt auch Dietmayr. „Neumarkt ist ein toller Ort, aber das Potenzial ist bei weiten nicht ausgeschöpft.“

Sinnvoll sei es, die Region als Touristik-Standort weiter zu entwickeln und bekannt zu machen. Arndt ist gerade dabei, alle Akteure an einen Tisch zu bringen. Zudem ist er in Kontakt mit einem Markenbildner, der bereits Image-Kampagnen für Südtirol gemacht hat. Erste konkrete Ergebnisse erwartet er für das Jahr 2025.