Der Regensburg-Tourismus boomt: Übernachtungszahlen steigen auf 1,3 Millionen

Von Marion Koller · 15. Februar 2024 um 10:00

Vor allem Deutsche, aber zunehmend auch ausländische Gäste haben 2023 Regensburg besucht und der Stadt ein Rekordjahr beschert. Welterbe, Kreuzfahrtschiffe und 49-Euro-Ticket trugen dazu bei.

Am Dienstag bummeln nur wenige Touristen durch die Stadt. Gruppen sind gar nicht zu sehen. Luciana und Luiz Facin genießen den Ausblick von der Steinernen Brücke. Das brasilianische Paar, das in München lebt, ist für einen Tag nach Regensburg gekommen, um das Welterbe zu erleben. „Wir sind beeindruckt“, sagt Luiz Facin. Die Altstadt hat es ihnen angetan. Die Juristin und der Ingenieur (beide 32) haben im Restaurant „Dicker Mann“ gegessen und sind durch Geschäfte gebummelt.

Zwischen Januar und März läuft der Tourismus langsam wieder an. So war es auch 2023, das sich zu einem Rekordjahr entwickelte. Vor wenigen Tagen hat das Bayerische Landesamt für Statistik die Zahlen bekanntgegeben. Regensburg zählt erstmals mehr als 1,3 Millionen Übernachtungen, das sind beinahe 16 Prozent mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019 und 17,6 Prozent mehr als 2022. Die Zahl der Gästeankünfte in den Regensburger Hotels ist 2023 erneut gestiegen: auf mehr als 739.000, das sind fast zwölf Prozent mehr als 2019 und 20 Prozent mehr als 2022.

Beliebte Flusskreuzfahrten

„Regensburg ist mit den Unesco-Welterbetiteln touristisch äußerst attraktiv“, sagt Sabine Thiele, die Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH (RTG).Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern, Reiseveranstaltern und besonders mit der Deutschen Zentrale für Tourismus zahlten sich ebenso aus wie das Marketing auf verschiedenen Kanälen.

Nach Einschätzung von Thiele stärken Events wie das Lichtkunstfestival Re.Light, Culture Bites mit Top-Gastronomen (beide im März), die Jazzkonzerte Sparks&Visions oder die Videoinstallation Genesis saisonschwächere Zeiten „und sind auch für die Regensburger interessant“.

Der Städteurlaub boomt in ganz Ostbayern, Regensburg weist die höchsten Zuwächse auf. Auch die Flusskreuzfahrten nehmen wieder Fahrt auf. 635 Kreuzfahrtschiffe haben im Vorjahr in Regensburg angelegt. Wegen der langen Niedrigwasser-Phase waren es allerdings weniger als 2022 mit damals 742.

„Das 49-Euro-Ticket ist eine Anregung für Städtereisen“, sagt Ulrike Walter Eberl vom Tourismusverband Ostbayern. Durch die vielen Hotel-Neubauten stehe den Gästen auch ein größeres Angebot zur Verfügung. Viele Urlauber verknüpften Stadt und Natur. Fünf-Flüsse-Radweg, Donau-Radweg und Donau-Panorama-Weg für Wanderer sind besonders beliebt.

Durchschnittlich 1,8 Tage verbringen die Gäste in Regensburg. Mit mehr als 78 Prozent haben die Deutschen den größten Anteil an den Übernachtungen. Die Zahl der Urlauber aus dem Ausland steigt. Stärkste internationale Gruppen sind die Österreicher und die Niederländer, die USA folgen auf dem dritten Platz.

Sabine Thiele betont, auch die Auslastung sei trotz der Zunahme der Hotelbetten wieder auf über 40 Prozent geklettert. „Sie liegt damit leicht über dem bayerischen Durchschnitt.“ Gäste, die eine private Unterkunft auf Airbnb oder anderen Portalen buchen, finden sich in der Statistik nicht wieder.

Der Regensburger Hotelverein mit Kathrin Fuchshuber an der Spitze freut sich zwar über die Rekordzahlen, kritisiert aber scharf, dass die Auslastung von durchschnittlich 40,9 Prozent nicht ausreiche. 2018 waren es noch 47,5 Prozent gewesen. „Wir Hotelbetreiber sind von einem Frohlocken weit entfernt.“ Sie prangert das Überangebot an Betten an. Viele Hotels versuchten, mit supergünstigen Preisen Gäste zu bekommen. Mit gemischten Gefühlen blickt Fuchshuber auf das Jahr. Die Kostenexplosion bei Steuern, Lebensmitteln, Dienstleistern, Energie und Lohn werde sich auf die Preisgestaltung niederschlagen müssen. Im Mittelstand seien die finanziellen Reserven in der Corona-Zeit aufgebraucht worden.

Drei Altstadthotels führt Tilman Müller. „2023 war wirklich sehr gut“, sagt er. Dennoch sieht er skeptisch in die Zukunft, weil sich die Konkurrenzsituation verschärft hat. „Die Stimmung ist nicht der Hit. Die Leute schauen aufs Geld.“ Das bestätigt eine Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus in Kempten: Ein Viertel der Deutschen fühlt sich durch die höheren Preise stark belastet. Gespart wird bei Energieverbrauch und Restaurantbesuchen. Auf Platz drei folgt der Urlaub.

Die Geschäftsleute fehlen

Tilman Müller (50) ist jedoch überzeugt, dass die Menschen individuelle Häuser in der Altstadt mit gutem Service wie „Das Regensburg Hotel“ bevorzugen. Die Domstadt sei als Destination „wahnsinnig beliebt“. Zufrieden ist Stephanie Birnthaler, deren Hotel Goliath am Dom im Sommer den fünften Stern holte. Allerdings könne das Haus noch nicht an die Zeit vor Corona anknüpfen. Der Grund: Geschäftsleute reisen weniger.

Luciana und Luiz Facin steuern noch den Dom an. Dann werden sie in den Zug nach München steigen.

Beeindruckt von Regensburg: die Brasilianer Luciana und Luiz Facin, die in München leben. Foto: Koller
Begrüßt das Lichtkunstfestival und weitere Events der Stadt: Sabine Thiele, Geschäftsführerin der Regensburg Tourismus GmbH Foto: Stadt Regensburg/Peter Ferstl