Eine Riesensache: Regensburg macht sich bereit für erstes Lichtkunstfestival

Die schöne Alte in neuem Licht: Das nächtliche Regensburg wird ab März beim ersten Lichtkunst-Festival spektakulär in Szene gesetzt.
„Der Tag geht, Johnnie Walker kommt“, hieß es früher im Fernsehen über Whisky. „Licht aus, Spot an“, waren die Worte, die wohl auf immer untrennbar mit Ilja Richter und der Sendung „Disco“ verbunden bleiben werden. Und in Regensburg heißt es im März: „Wenn es dunkel wird, geht das Licht an.“
Soll nicht das letzte seiner Art bleiben
Regensburg macht sich also bereit für sein erstes Lichtkunstfestival, und dass es nicht das letzte bleiben, sondern eher wachsen und die schöne, alte, sehr lebendige Welterbestadt auch vom Image her in bestes Licht tauchen wird, war nur eins der vielen Dinge, die viele Gesprächspartner am Donnerstag in der Bavariathek am Donauufer vielen Medienvertretern klar machten.
Die Rahmendaten ganz knapp: Re.Light findet statt von 14. bis 24. März, bei freiem Eintritt, mit Ausnahme von zwei Shows. An zehn Tagen, immer von 18 bis 22 Uhr, finden Flaneure an 13 Orten in der Altstadt außergewöhnliche Lichterlebnisse, in denen sie baden, die sie umrunden, studieren, auf sich wirken lassen können, oft mit Musik. 15 internationale und regionale Künstler, Kollektive und Teams – sogar aus Korea kommen sie – nehmen teil.
400.000 Euro kostet die spektakuläre Chose
400.000 Euro kostet die spektakuläre Chose, die Hälfte der Summe trägt die Stadt. Osram, Maschinenfabrik Reinhausen, die BMW Group Regensburg und die Hotels-in-Regensburg schieben kräftig mit an. Wenn man bedenkt, wie die Mittel aus den Töpfen zur Belebung sterbender Städte sonst so ausgegeben werden, muss man sagen: Regensburg bekommt da ganz schön viel für vergleichsweise wenig Geld.
Wer den Siegeszug der Lichtkunstfestivals betrachtet, die es zwar schon seit rund 30 Jahren gibt, die aber gerade zuletzt stark an Zuspruch und Begeisterung gewonnen haben, dürfte keinen Zweifel haben: Die Veranstaltung wird Zigtausende locken. „Das Datum wurde bewusst gewählt“, sagt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) in der Bavariathek: Man wolle „magische Momente in der noch dunklen Jahreszeit“ schaffen, in den Monaten also, in denen nicht nur das Publikum, sondern auch Hoteliers, Gastronomen und Einzelhändler Aufmunterung vertragen können.
Auswahl der Orte fiel schwer
Das Fest ist aber bei Weitem mehr als eine Stadtmarketing-Aktion mit Videomapping, also beleuchteten Fassaden, so Kulturreferent Wolfgang Dersch. „Uns war wichtig, den Fokus auf Kunst zu legen.“ Auf welch internationalem Terrain man sich da bewegt, zeigt ein Detail: Als Dersch beim großen Festival in Durham die Regensburger Pläne vorstellen durfte, war er direkt nach dem Sprecher aus Singapur an der Reihe.
Tatsächlich versammelt Re.Light ein paar Diamanten der Szene, hochinteressante Namen. Einige Werke sind völlig neu konzipiert, erleben ihre Uraufführung. Andere werden bis zum letzten Blink maßgeschneidert für manchmal gar nicht so bekannte Regensburger Plätze, am mittelalterlichen Turm in der Kapellengasse etwa, und reagieren auf Umgebung und Menschen. Ein Ball der Lampen ist zu erleben, Sterne in dreidimensionalen Wolken, ein Haus mit Augen und Armen. Die Auswahl war nicht einfach, sagt Kuratorin Nika Perne aus Slowenien, selbst ein bekannter Name in der Szene, die per Video zugeschaltet ist. Locker hätte man 30 statt 13 Orte bespielen können. Kann ja noch werden: Das Festival soll wachsen und mindestens jedes zweite, wenn nicht jedes Jahr stattfinden.
Die Künstler kommen aus unterschiedlichsten Genres. Sie arbeiten mit Animation, Design, Malerei, Sound, Architektur. Ihre Arbeiten leuchten auch ein Stück Zukunft aus, vermitteln Botschaften zu relevanten Fragen der Zeit – Wasser und KI etwa – und geben Einblick in neue Technologien, erläuert Perne.
„Mother“ auf der Steinernen
Ein zentrales Werk wird „Mother“, der Wettbewerbssieger. Helle Frojk Knudsen und Martin Ersted von den dänischen Teams Helle Frojk Knudsen und Ball & Brand sind aus Island zugeschaltet und erklären die Sache: Zehn Lichtskulpturen, die mit einer elften („Mutterschiff“) verbunden sind, reagieren, gespeist aus Datensätzen, auf den Enzymfluss in Pilzen, auf die Kommunikation unter Pflanzen oder den Blutkreislauf des Menschen. Klingt kompliziert, ist aber in der Animation faszinierend anzusehen. Ab 14. März kann sich jeder selbst ein Bild machen.
