Schienensanierung 2026: Bahn-Pläne in der Kritik – Frust beim Agilis-Chef

Von Christine Straßer · 16. Juni 2024 um 10:00

Die Radikalkur für die Schienen zwischen Nürnberg, Regensburg und Passau bringt radikale Streckensperrungen mit sich. Deshalb treibt die Generalsanierung der zwei Hochleistungskorridore im Jahr 2026 Ostbayerns Wirtschaft und Kommunalpolitiker um.

Die Sorge, dass es im Jahr 2026 zum Verkehrskollaps rund um Regensburg kommt, ist groß. Nach einem Runden Tisch mit DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber ließ am Samstag Agilis-Geschäftsführer Axel Henninghausen Dampf ab.

Lesen Sie dazu auch: Agilis erwartet durch Sperrung der Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau starke Einschränkungen

Damit Personen- und Güterverkehr nicht unter die Räder kommen, haben Vertreter aus de regionalen Wirtschaft und Politik, eineinhalb Jahre bevor die Bauphase starten soll, den Druck erhöht. Initiiert haben die Runde bei der IHK Regensburg Ulrich Lange, stellvertretender Vorsitzender der CSU/CSU-Bundestagsfraktion, und der Regensburger Bundestagsabgeordnete Peter Aumer. Das Ziel: Sie wollen seitens der Bahn nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Denn im Großraum Regensburg stehen im selben Zeitraum auch große Straßenbauprojekte an.

„Hochleistungsfähiger Schienenersatzverkehr“ wird versprochen

Huber zufolge erfolgt zuerst die Generalsanierung der Strecke Nürnberg-Regensburg. Im zweiten Halbjahr folgt die Strecke Regensburg-Passau. In der Sanierungsphase werde Reisenden und Verkehrsunternehmen „wahnsinnig viel“ abverlangt, räumte Huber ein. „Deshalb müssen wir einen hochleistungsfähigen Schienenersatzverkehr organisieren.“ Wie der aussehen wird, kann Huber aber noch nicht sagen. „Ein Konzept wird jetzt erstellt“, verspricht er. Was er in Aussicht stellt: „Wir können uns vorstellen, dass wir den Takt im Schienenersatzverkehr eher verdichten.“ Auch einen Expressbusverkehr zwischen einigen Halten hält Huber für möglich.

Warum kann nicht in mehr Abschnitten saniert werden?

Agilis-Geschäftsführer Henninghausen reagierte angefasst. Bereits die Frage, wo eine innerstädtische Haltestelle in Nürnberg und Regensburg eingerichtet werden könne, an der phasenweise alle zehn Minuten ein Bus halten könnte, sei schwer zu beantworten. Allein auf der Strecke Nürnberg-Regensburg seien täglich rund 18000 Reisende unterwegs, beschreibt der Agilis-Geschäftsführer die Betroffenheit. Henninghausen fordert, dass geprüft wird, ob die Bahn in kleineren Abschnitten sanieren kann. „Wir lassen uns alle in einer für mich nicht nachvollziehbaren Weise von dieser Alternativlosigkeit überzeugen“, kritisierte er. „Natürlich wäre es für uns viel einfacher, wenn man erst mal nur Regensburg-Neumarkt sperren würde. Es wäre auch einfacher, wenn man das nur eingleisig machen würde.“ Und dann brach der Ärger regelrecht aus dem Agilis-Geschäftsführer heraus: „Das ist eine typische Bahnstrategie, wie sie alle drei Jahre, wenn sie feststellt, dass sie wieder alles versemmelt hat, aus dem Hut gezaubert wird.“

Lesen Sie außerdem: Zwischen Neumarkt und Regensburg – Pendlern stehen harte Wochen bevor

Mehrkosten für Güterverkehr

Zufriedener ging Jan-Josua Bohm aus dem Gespräch mit DB-Infrastrukturvorstand Huber. Bohm arbeitet für das im Schienengüterverkehr tätige Unternehmen HHPI. In diesem Bereich gibt es immerhin bereits Konzepte, um 95 Prozent der Kapazitäten sicherzustellen. Bohm zufolge werden auf die Branche aber mehrere Millionen Euro jede Woche an Zusatzkosten zukommen.

Markus Schmid, Vorsitzender im IHK-Verkehrsausschuss, blickt sorgenvoll auf die Verkehrsströme 2026. Die Kapazitäten für den Güterverkehr werde jetzt zwar erhöht. Aber das gehe zulasten des Personenverkehrs, fasst Schmid zusammen. Und eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene auf die Straße sei auch „nicht wirklich positiv“.

Ostbayerische Wirtschaftsvertreter und CSU-Politiker haben mit DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber (2.v.r.) über die Sanierung und Sperrung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg-Passau im Jahr 2026 diskutiert. Foto: Straßer