Chocolaterie im Keller: Chamer stellt Süßes für Online-Shop und Weihnachtsmarkt her

Seit 2011 ist die Herstellung von Pralinen und anderen süßen Sünden die Leidenschaft von Christian Lesinski aus Cham. Mittlerweile verkauft er seine teils ausgefallenen Produkte im Online-Shop und auf Weihnachtsmärkten. Angefangen hatte alles mit misslungenen Mozartkugeln.
Christian Lesinski ist hoch konzentriert. Er wiegt zwei Schokonikolaus-Formen behutsam hin und her. Sie sind etwa zu einem Drittel mit zähflüssiger, warmer Schokolade gefüllt. Die Schokolade muss sich überall verteilen, damit das Ergebnis gut wird. Es ist die Geburtsstunde der Schokonikoläuse.
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Die fertigen Exemplare will er vom 4. Dezember bis 15. Dezember auf dem Chamer Christkindlmarkt verkaufen. Nach etwa 30 Sekunden hat sich die Schokolade gut verteilt. Den Rest kippt Lesinski aus der Form zurück in den großen Schokoladentopf. Jetzt wird es laut. Der Chamer klopft mit den Formen auf einen Tisch. „Dadurch gehen die Bläschen raus“, erklärt er. „Das macht die Industrie genauso. Nur eben mit großen Geräten.“
Fehlt nur noch der Boden des Nikolauses. Dafür gießt Lesinski einen Fleck geschmolzener Schokolade auf die Arbeitsplatte und drückt die Form hinein. Jetzt muss das Ganze nur noch fest werden. Damit das klappt, hat er sich eine kleine Klimaanlage zugelegt, die die beschauliche Schokoladenfabrik im Keller eines Einfamilienhauses am Galgenberg bei einer Raumtemperatur von circa 18 bis 19 Grad hält.
Schokolade in allen Formen
Lesinskis Produktpalette ist vielfältig. Von einer Weihnachtskarte bis zum blau gefärbten Stöckelschuh aus Schokolade ist alles möglich. Auch das Pralinensortiment ist für den Ein-Mann-Betrieb groß. Lesinski hat derzeit über zehn verschiedene Sorten auf Lager. Neben dem Verkauf auf dem Christkindlmarkt, vertreibt er sie auch online unter der Internetadresse chamer-schokoladen.com.
Lesinski zeigt auf eine unscheinbare Praline mit Löwenlogo auf der Oberseite. „Die Weißbier-Praline ist ein absoluter Klassiker geworden“, sagt er. Entstanden ist die Idee zur exotischen Kreation in der Brauerei, in der sein Bruder arbeitet. „Wir haben am Abend dunkle Schokolade zu unserem Bier gegessen“, sagt Lesinski. „Dann sind wir auf die Idee gekommen, dass das gut zusammen passt.“ Wenig später startete er die Tüftelei im Pralinen-Keller. Genau das macht ihm großen Spaß. „Ich mag das Experimentieren, das Spielen mit verschiedenen Aromen und Texturen“, sagt der Gründer von Leos Chocolaterie, wie er seine Schokoschmiede nennt. „Das Beste ist, wenn man es den Leuten anbietet und es ihnen schmeckt.“
Eine Übersicht zu den Weihnachtsmärkten in der Region finden Sie in dieser interaktiven Tabelle.
Obwohl Lesinski seine Kreationen verkauft, ist es für ihn nur ein zeitintensives Hobby. Wenn er nicht mindestens zwei Stunden Zeit hat, fängt Lesinski gar nicht erst an. „Ich mache das abends nach der Arbeit oder am Wochenende und auch nur saisonbedingt.“ Seine Kunden stört das nicht. „Ich habe jetzt noch keinen gehabt, der im Sommer gesagt hat: Jawoll, ich möchte jetzt einen Schwung Pralinen haben.“
Misslungene Mozartkugeln waren der Startschuss
Angefangen hat seine Leidenschaft in der Weihnachtszeit 2010. Mit misslungenen Mozartkugeln. Lesinski hat schon immer Spaß am Backen und Kochen gehabt. Bei der Rezeptsuche für das jährliche Plätzchenbacken entdeckte er ein Rezept für Mozartkugeln. „Das habe ich ausprobiert und es ging dermaßen in die Hose“, gibt Lesinski zu. Sobald die Mozartkugeln mit warmer flüssiger Schokolade in Berührung kamen, zerliefen sie und wurden zu einem unästhetischen Klotz. Lesinski sagte sich: „Das kannst du besser.“ Und startete Versuch Nummer zwei.
Seine Eltern, Freunde und Arbeitskollegen, die probiert haben und bis heute neue Kreationen testen, bevor sie ins Sortiment kommen, waren vom Zweitversuch überzeugt. Das lag vor allem an den veränderten Zutaten. Statt weichem Marzipan, den man eigentlich für Überzüge benutzt, verwendete Rohmasse mit wenig Zucker. Auch beim Nougat achtete er auf bessere Qualität.
Tüfteln an der Urschokolade
Hochwertige Produkte zu verwenden, ist Lesinski bis heute wichtig. „Man kann an der Hand abzählen, wie viele Zutaten meine Schokolade hat“, sagt er und zählt auf: „Die Kakaomasse, Kakaobutter, Zucker, Molkenpulver und Sojalecithin.“ Die letzte Zutat macht die Schokolade leichter zu verarbeiten.
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Aktuell werkelt Lesinski, der hauptberuflich in der Systemadministration arbeitet, an einem besonderen Projekt. Er will seine eigene „Urschokolade“ herstellen. Lesinski kramt eine große braune Papiertüte aus einem Regal hervor und greift hinein. In seiner Hand sind ovale Kerne, die wie eine Mischung aus Rosinen und Mandeln aussehen. Es sind geröstete Kakaobohnen. Lesinski bricht die Bohne auf. Um den Kern verarbeiten zu können, muss er zusätzlich die Haut entfernen. Mit einem Föhn gehe das am einfachsten. „Wenn man die Bohne jetzt sehr lange und extrem fein mahlt, kommt Urschokolade heraus“, sagt Lesinski. Es sei sehr schwer, sie herzustellen. Der erste Versuch misslang ihm. Aber genau das mag der Hobby-Chocolatier. Tüfteln, bis er eine Lösung findet. „Wenn es den Leuten dann noch schmeckt, ist es perfekt.“
Darf die Schokolade in den Kühlschrank?
Tipps vom Chocolatier: Laut Christian Lesinski schmecken gute Pralinen und Schokolade bei Raumtemperatur am besten. Das Lagern im Kühlschrank sei sogar negativ, weil dadurch die Aromen verloren gehen würden. Unverpackt nimmt sie auch die Aromen aus dem Kühlschrank auf. Manche Industriepodukte müsse man hingegen in den Kühlschrank legen, weil die Schokolade so fetthaltig ist, dass bei Raumtemperatur der Knack fehlt.

