In Cham hat Ulrich Gütlhuber in der Wasserwirtschaft zwei Eisstockbahnen gebaut

Von Tanja Fenzl · 1. Dezember 2024 um 05:00

Eislaufen und Eisstock auf dem Regen oder den Weihern und Teichen im Chamer Land? Gehört der Vergangenheit an. Seit Jahren hält sich winters kaum länger als ein paar Tage eine dünne Eisschicht auf den Gewässern – und dann längst nicht tragfähig genug, um darauf ruhigen Gewissens Wintersport zu betreiben. Jetzt gibt es eine Alternative: In der Wasserwirtschaft hat Ulrich Gütlhuber mit seinem Team zwei Eisstockbahnen gebaut, für die es keine Minustemperaturen braucht.

In die Knie gehen, den Eisstock vor- und zurückschwingen, und dann loslassen in Richtung Ziel, das beim Eisstock Daube heißt und einfach eine flache Scheibe ist. Eisstockschießen ist – wenn man es nicht als Sport betreibt – erst einmal keine Kunst. „Das kann jeder, es haben schon alle Altersgruppen bei uns gespielt“, sagt Gütlhuber. 14 Meter lang sind die beiden weißen Kunststoff-Bahnen, die auf der betonierten Freifläche beim Eingang ins Lokal aufgebaut sind. Anders als beim Eis, rutscht man auf der Fläche kaum aus. Die Eisstöcke haben deshalb spezielle Kunststoffplatten, damit sie gut rutschen. Wer hier stöckeln will, braucht nichts mitzubringen außer gute Laune und gutes Schuhwerk. Die Ausrüstung stellt die Wasserwirtschaft.

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Ein besonderer Kunststoff

„Die Idee haben wir schon länger im Kopf gehabt“, sagt der Wirt und grinst. Endlich habe man einen geeigneten Hersteller gefunden, ein Schweizer Importeur hat am 1. November die einzelnen Platten geliefert, in nur eineinhalb Stunden waren die Bahnen zusammengebaut. Mit Nut und Feder, wie beim Parkettboden. „Dieser Kunststoff wird bei Audi und BMW zum Beispiel auch für Glatteissimulationen verwendete“, weiß der Wirt.Außen herum hat Gütlhuber mit seinem Team eine Mahagoniumrandung gebaut, die fest genug ist, um harte Schläge der Metallumrandeten Eisstöcke auszuhalten.

Gütlhuber zeigt, wie gespielt wird: Ziel ist es, mit den eigenen Eisstöcken so nah wie möglich an die Daube heranzukommen. „Jeder kann nach seinen Regeln spielen, wir geben den Gästen nur eine Spielvariante mit auf den Weg“, erzählt Gütlhuber, und holt mit seinem Eisstock weit aus. Der Stock rutscht bis auf 20 Zentimeter an die Daube heran. Der Wirt hat geübt.

Eis auf dem Regen? Schon lange nicht mehr

„Ja, wir haben das schon ausprobiert“, gibt er zu und erinnert sich an früher, als auf den Wiesen hinter der Wasserwirtschaft Stocksport betrieben werden konnte. „Aber das letzte Mal waren die Weiher vor sieben, acht Jahren zugefroren.“ Ganz früher sei sogar der Regen zugefroren – „bis zur Fleischtorbrücke, danach wurde das Wasser wegen des eingeleiteten Abwassers und Regenwassers zu warm“. Während Gütlhuber in der Vergangenheit schwelgt, schafft es der Stock des Gegners nur bis knapp über die Hälfte der 14-Meter-Bahn. „Wir empfehlen allen, erst einmal ein paar Probeschüsse zu machen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, mit wie viel Kraft man schießen muss“, grinst Gütlhuber.

Buchung auch übers Internet

Am Ende schießt er den gegnerischen Stock aus der Bahn und punktet in der ersten Runde. Auf einem Wertungszettel können die Stocksportler in der Wasserwirtschaft ihre Ergebnisse protokollieren.

Für Geburtstage und Firmenfeiern wurde die Bahn bisher bereits gebucht, und auch einige Weihnachtsfeiern werden auf den Bahnen verbracht. Wer mag, kann neben den Bahnen online oder direkt in der Wasserwirtschaft auch ein Bierfass, Glühwein oder Feuerzangenbowle und Chili mitbuchen. Nebendran werden Feuertonnen beheizt. Ein spezielles Wintervergnügen?

„Eigentlich könnten wir die Bahnen auch im Sommer betreiben, man könnte auf den Bahnen sogar Schlittschuhlaufen. Aber wir haben uns jetzt das mit dem Eisstock überlegt, und im Sommer brauchen wir dann den Platz als Bewirtungsfläche“, sagt Gütlhuber bedauernd.

Voraussichtlich bis zum März sollen die Bahnen aber an Ort und Stelle bleiben.

Das muss man wissen

Kunsteisbahn: Zwei Bahnen mit je 14 Metern Länge stehen bereit. Pro Bahn können bis zu acht Personen Eisstock spielen. Reservieren kann man die Bahnen stundenweise voraussichtlich bis März über das Internet – oder auch spontan in der Wirtschaft, falls die Bahnen gerade frei sind. Wer mag, kann Getränkepakete und Essen dazubuchen.

Info: www.wasserwirtschaft-cham.de

Mit viel Schwung bringt Gütl-huber den Eisstock auf die Fläche.
Wenn’s eng wird, muss mit dem Maßband gemessen werden.
Je 14 Meter lang sind die weißen Kunststoffbahnen.
Die Ausrüstung mit speziell beschichteten Stöcken stellt die Wasserwirtschaft zur Verfügung.