Trotzt das Holz der Krise? So sehen Waldbesitzer und Holzhaus-Bauer in Hemau die Zukunft

Von Daniel Pfeifer · 30. November 2024 um 10:00

Im westlichen Landkreis Regensburg, rund um Hemau, ist die Holzbranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Maag und Semmler sind zwei der größten Betriebe der Stadt. Mit der Krise der Baubranche und der Insolvenz der Oberpfälzer Firmen Ziegler und Gruber wächst die Sorge: Erwischt es auch die hiesige Wirtschaft?

Der Duft frisch gesägter Fichte liegt in der Luft, das Knallen einer Nagelpistole schallt in musikalischem Takt durch die Produktionshalle Hemau der Holzbaufirma Semmler – an einem Werktag wie diesem spürt man hier wenig von einer Krise. Dutzende Menschen sind bei der Arbeit, es herrscht geschäftiges Treiben, Holzmodule für Baustellen in Pentling und Straubing stapeln sich meterhoch. Maximilian Semmler, Geschäftsführer in fünfter Generation, überblickt alles.

Überrascht von Ziegler-Pleite

„Der Konjunkturtrend ist rückläufig, wir merken das schon. Aber es ist viel weniger dramatisch, als es dargestellt wird“, sagt Semmler. Dass man durchaus von der Holzindustrie abhängig sei, habe der Betrieb bei der Holzkrise 2021 gemerkt, als die Preise schlagartig explodierten: Eine Dachlatte kostete plötzlich 1000 statt 300 Euro, erzählt er.

Im Anschluss gründeten Unternehmer die „Holzversorgung Oberpfalz“ mit dem Ziel, eine regionale und verlässliche Wertschöpfungskette zu erschaffen. Bestenfalls kommt der Baum aus Beratzhausen in ein Sägewerk in Breitenbrunn oder Hohenfels und dann zur Zimmerei in Hemau. Semmler selbst verarbeite zu 95 Prozent regionales Holz. Auch dank solcher kurzer Wege habe sich die Pleite von Ziegler und Gruber bislang nicht auf die Firma Semmler ausgewirkt, so der Geschäftsführer. Dennoch beobachte er alles sehr genau.

Mit Interesse hat auch Johannes Maag, Chef der gleichnamigen Hemauer Firma, die Insolvenzen verfolgt. Als Holzhändler arbeitet er oft mit der Familie Semmler zusammen. Wenn Maag auch nicht alle konkreten Gründe für die Insolvenzen kenne, sehe er durchaus eine schwierige Lage in der Branche. „Die große Herausforderung in der Bauwirtschaft ist die aktuelle Baukonjunktur, die wohl beide Unternehmen ins Wanken gebracht hat“, sagt Maag. Die Entwicklung im Bausektor gehe auch an seiner Firma nicht spurlos vorbei. „Die Branche muss sich auf die Situation einstellen“, sagt er. Für die Zukunft gehe er davon aus, dass die „Talsohle“ 2025 erreicht werde und hoffe auf einen leichten Aufwärtstrend 2026.

So viel zur Nachfrage nach Bauholz, doch wie sieht es mit Rohholz aus? Zuletzt stieg der Preis für das sogenannte „Rundholz“, also rohe Baumstämme. Dank der feuchten Witterung gab es wenig Borkenkäferbefall, es konnte im Landkreis viel Holz im Wald bleiben, was zu weniger Angebot und höheren Preisen führt – so erklärt Tobias Boßle, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Hemau. „Der Rundholzmarkt schreit zurzeit nach Holz. Wir haben eine gute Lage.“

Man sei trotz des massiven Schneebruchs im vergangenen Winter, der viel Holz gekostet habe, gut durch das Jahr gekommen. Mehr noch: Die geringere Nachfrage am Bau in der Region habe man auch durch Exporte ausgleichen können – neben den USA und China habe man neue Wege nach Österreich erschlossen. Gleichzeitig seien viele Waldbesitzer mitten im Umbau weg von Fichten-Monokulturen, die rund 90 Prozent des Bauholzes ausmachten.

Forderungen an die Politik

Für die weiterverarbeitenden Firmen sei das aktuell höhere Preisniveau beim Holz kein Problem, sagt Händler Johannes Maag. „Dass der Waldbauer mehr Geld fürs Rundholz bekommt, ist absolut nötig. Der Wald muss fürs Klima umgebaut werden und das kostet Geld.“ Viel wichtiger als günstige Preise seien stabile Preise.

Verlässlichkeit steht auch für Maximilian Semmler an oberster Stelle. Das gilt für Holzpreise wie auch für politische Rahmenbedingungen. Hier appelliert er an die Politik: „Bauherren brauchen Sicherheit.“ Viel zu oft würden Zuschüsse erdacht und über Nacht wieder gekippt, sagt er und nennt die Effizienzhauszuschüsse vor zwei Jahren als Beispiel. „Das einzige, was nachhaltig ist, ist die Verunsicherung bei Bauherren.“ Für die Zukunft sieht er dennoch nicht schwarz. „Am Tangrintel haben wir reiche Wälder und eine robuste Wirtschaft“, sagt er.

Aktuelle Zahlen zur Baubranche

Rückgang: 2023 wurden im Kreis Regensburg laut Zahlen des Landratsamts 1050 Wohnungen genehmigt – ein Rückgang um 39,7 Prozent gegenüber 2022. Am stärksten war das Minus bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Negativ sieht es auch heuer aus: Bis Oktober wurden 630 Wohnungen genehmigt, 25,4 Prozent weniger als im ohnehin schlechten Vorjahr. Nur bei Einzelwohnungen gab es in der zweiten Jahreshälfte ein Plus.

Trend: Den Rückgang an Genehmigungen erklärt das Landratsamt auch damit, dass 2020/21 starke Jahre waren. Generell gebe es einen „positiven Langzeittrend“. Steigend ist seit 2019 auch die Zahl der Tätigen in Holzbau/Zimmerei.

Dunkelziffer: Die Zahl tatsächlicher Bauaufträge an Firmen liege noch niedriger als die der Genehmigungen, sagt Christian Huber, Chef der Bauinnung Regensburg. Dennoch sei die Stimmung im Bauhauptgewerbe noch gut – man sei schon durch schlimmere Zeiten gekommen, wie 1994 bis 2006. Was Huber aber von der Politik fordert: Endlich verlässlichere Förderungen.

Holz-Vorteil: „Der Massivbau – Beton, Ziegel – ist konjunkturell mehr unter Druck als der Holzbau“, sagt Huber. Ein steigender Anteil an neu gebauten Häusern sind aus Holz (siehe Grafik), einige Holzbau-Betriebe kämen dank Aufträgen wie Sanierungen durch die schwierige Baulage.

Der Anteil von Holzhäusern an neu gebauten Wohnhäusern in Bayern steigt.
„Es ist viel weniger dramatisch, als es dargestellt wird.“ - Maximilian Semmler, Zimmerer und Geschäftsführer von Holzbau Semmler
„Der Rundholzmarkt schreit zurzeit nach Holz. Wir haben eine gute Lage.“ - Tobias Boßle, Geschäftsführer der Hemauer Waldbesitzervereinigung