Ziegler-Insolvenz weitet sich aus: Jetzt sind schon mehr als 1000 Mitarbeiter betroffen

Von Christian Eckl · 22. November 2024 um 12:24

Zwei weitere Unternehmen der Ziegler Group haben am Freitag am Amtsgericht Weiden einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Bei weiteren Unternehmen werde noch geprüft, so der Insolvenzverwalter. 3000 Arbeitsplätze stehen bei dem holzverarbeitenden Betrieb im Feuer.

Jetzt hat es auch zwei Tochterunternehmen der Ziegler-Gruppe, die „Ziegler Holzindustrie GmbH und Co. KG“ sowie die „naturheld GmbH“, erwischt. Sie haben am Freitag Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Weiden hat Rechtsanwalt Volker Böhm von Schultze und Braun als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, der auch die Ziegler Holding GmbH betreut. Damit ist klar, dass deutlich mehr Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen sein werden als zunächst angenommen.

Betroffen waren von der Insolvenz der Holding zunächst 170 Mitarbeiter. Doch insgesamt könnten bis zu 3000 Arbeitsplätze in ganz Deutschland in Gefahr sein – 1500 davon in der nördlichen Oberpfalz.

Die nun insolvente „Ziegler Holzindustrie GmbH und Co. KG“ ist die Ursprungsgesellschaft der Ziegler-Gruppe. Das Unternehmen ist nach Angaben der Gruppe eines der größten Sägewerke in Europa und beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Die „naturheld GmbH“ mit ihrem neuen und hochmodernen Produktionsstandort in Grafenwöhr-Hütten produziert klimaschonendes Dämmmaterial aus Holzfasern und beschäftigt rund 120 Arbeitnehmer. Das Unternehmen hatte erst im Jahr 2022 die Produktion aufgenommen.

Als Zulieferer der Bauindustrie sind beide Gesellschaften von der anhaltenden und tiefgreifenden Baukrise stark betroffen, teilte der Insolvenzverwalter mit. Volker Böhm hat demnach bereits mit der Prüfung begonnen, ob und welche Optionen zur Verfügung stehen, um den beiden Unternehmen wieder eine Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Aufgrund der innovativen Technologie sieht Böhm bei naturheld gute Chancen für eine Investorenlösung. Der insolvenzverwalter hat die Mitarbeiter der beiden Unternehmen heute über die Insolvenzanträge unterrichtet und ihnen die nächsten Schritte erläutert. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

Damit sind also zwischenzeitlich 1050 Mitarbeiter nbei Ziegler von einer Insolvenz betroffen – und das kurz vor Weihnachten. Der Insolvenzverwalter hatte aber bereits kurz nach dem Antrag der Holding beimAmtsgericht Weiden klargestellt, dass den betroffenen Mitarbeitern zunächst drei Monate lang Insolvenzgeld zusteht.

Doch bei den beiden neuerlichen Insolvenzanträgen muss es nicht bleiben. Das Unternehmen hat unter dem Dach der Holding 30 unterschiedliche Betriebe vereint.

Bis Ende nächster Woche soll feststehen, welche anderen zur Ziegler-Gruppe gehörenden Gesellschaften Insolvenzantrag stellen müssen. Böhm steht dazu mit den verantwortlichen Geschäftsführern der nicht insolventen Gesellschaften in ständigem Kontakt und unterstützt sie bei der Prüfung, ob und wann die Insolvenzreife eintritt. Bereits jetzt steht fest, dass zwei eng mit der Ziegler Holzindustrie GmbH und Co. KG verbundene Unternehmen in der kommenden Woche Insolvenzantrag stellen müssen, das „Pelletwerk Ziegler Naturenergie GmbH“ und die „Holzzentrum Ziegler GmbH“.

Nach der Insolvenz der Gruber-Firmengruppe in Roding, bei der 270 Arbeitsplätze gefährdet sind, ist dies bereits die zweite Hiobsbotschaft aus der Branche in der Oberpfalz.

Bei jedem Unternehmen muss einzeln geprüft werden, ob die jeweiligen Gesellschaften im Zuge eines Insolvenzverfahrens sanierungsfähig sind, in der Regel über den Verkauf an einen Investor – nicht zuletzt, um möglichst viele der verbundenen Arbeitsplätze zu erhalten. Ob das gelingen kann, hängt vom Einzelfall ab. „Wenn Möglichkeiten für eine Sanierung vorliegen, werden wir diese nutzen“, ergänzte Böhm.

Nach eigenen Angaben produziert die Gruppe neben Deutschland auch in Schweden und Rumänien und erwirtschaftete im Jahr 2023 bei schwachen Märkten einen Gruppenumsatz von rund 750 Millionen Euro. Die Gruppe hatte in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch Zukäufe einen offensiven Wachstumskurs eingeschlagen. Neben dem Kerngeschäft, der Holzbearbeitung und -verarbeitung für die Bauindustrie, ist die Ziegler-Gruppe mittlerweile unter anderem in der Logistik, der Pelletproduktion, der Forstwirtschaft, im Haus- und Modulbau sowie in angrenzenden Gewerken wie der Haustechnik tätig. Allerdings wurde die Gruppe inmitten ihrer Wachstumsphase durch den Nachfrageeinbruch im Bausektor infolge des Ukraine-Krieges und des Zinsanstiegs schwer getroffen, schließt eine Mitteilung des Insolvenzverwalters.