Erhalten oder doch „wegsprengen“? Wie historische Stadel überleben

Gegen den Abriss: Viele historische Stadel im Landkreis Regensburg wurden in den vergangenen Jahren liebevoll restauriert: In Hemau, Pfatter, Moosham, Pittmannsdorf. Doch lassen sich diese alten Bauten sinnvoll und profitabel nutzen oder sind sie nur teure Liebhaberobjekte, die Steuergelder verschlucken?
Die alten Holzbalken sind durchzogen von Spuren der Geschichte, Kalkputz bedeckt Steinbrocken, die vor Hunderten Jahren aufeinander gestapelt wurden. Überall im Landkreis schlummern historische Kleinode: nicht Schlösser, nicht Kirchen, sondern: Stadel.
Ein aktuelles Beispiel: der Juramarktstadel in Pittmannsdorf. Er galt nach seiner Sanierung 2022 als Vorzeigeprojekt des Denkmalschutzes. Zwei Jahre lang beherbergte er Automaten zur Direktvermarktung regionaler Landwirte. Seit diesem Monat ist das Projekt aber im Umbruch, die Automaten wurden reduziert, zogen in einen gegenüberliegenden Schuppen, der Stadel wird als Showroom für Oldtimer vermietet.
Erfolg oder Geldschlucker?
Kritiker sehen sich bestätigt: Das Nutzungskonzept des Baudenkmals, in das Hunderttausende Euro Steuergelder flossen, habe nicht gezündet. Man hätte das alte Teil einfach abreißen sollen. Kreisheimatpfleger Dr. Thomas Feuerer, einer der treibenden Kräfte hinter der Sanierung, widerspricht. Die neue Vermietung werde gut funktionieren, sagt er. Dazu gebe es weiterhin Führungen und Kurse, der hölzerne Dachstuhl solle für Kulturveranstaltungen und auch Kunstausstellungen genutzt werden.
Profit sei auch nie Hauptziel gewesen, sondern die bauliche Geschichte des Tangrintel zu erhalten. „Pittmannsdorf wird von vielen kritisch gesehen. Aber es ist einfach der letzte Stadel seiner Art“, sagt Feuerer. Bald würden alle verschwunden sein, schon jetzt seien weit über 90 Prozent der traditionellen, oft mit Kalkstein gedeckten Gebäude des Tangrintel abgerissen. „Alles erhalten kann man nicht“, sagt Feuerer. Aber zumindest bei einem Teil müsse man es versuchen.
Eines der größten Probleme sei dabei die Nachnutzung. „Ganz klar: Es ist viel schwieriger, eine Nutzung reinzubekommen, als in Neubauten.“ Schließlich ist die Nachfrage für Stadel, durch deren Tore höchstens Pferdekutschen passen, heute denkbar klein.
Hemaus erster Biergarten
Wie es doch klappen kann, zeigt ein Beispiel in Hemau. Der Blauhornstadel, einst genutzt von Fuhrunternehmern und Heimat von Hemaus erstem Biergarten, wurde von der Zimmerer-Familie Semmler grundsaniert und beherbergt seit wenigen Wochen ein Yogastudio, eine Psychotherapie-Praxis und Wohnungen.
„Es ist nicht so ein Renditeobjekt, sondern mehr Liebhaberei. Da ist schon viel Idealismus dabei“, sagt Max Semmler – es habe auch Stammtisch-Vorschläge gegeben, man solle diese alten Stadel doch einfach „wegsprengen“, so Semmler. „Es muss einem halt wert sein, seine Heimat zu erhalten.“ Auch wenn das selbst für Zimmerer, die auf Sanierungen spezialisiert sind, anspruchsvoll sei. So bleibt beim Blauhornstadel einerseits Bausubstanz sichtbar, von Holzbalken bis hin zu rohen Steinwänden mit Spuren 100 Jahre alter Brände, andererseits sind große Glasfenster und eine Wärmepumpe verbaut. „Es war anspruchsvoll, aber das Ergebnis war es wert“, sagt Max Semmler. Am Ende seien Kritiker verstummt. „Ähnlich war es beim Zehentstadel. Oder beim Pfarrstadel am Eichelberg“, sagt Thomas Feuerer. Und ähnlich werde es vielleicht auch beim Juramarktstadel sein. „Erst ist die Kritik immer groß, am Ende sind die meisten aber dann doch froh, dass wir das erhalten.“





