Vorbildlich wachgeküsst: Sanierung im Regensburger Spital beeindruckt Denkmalpflege-Expertin

Die Sanierung des Regensburger Spital-Areals macht weiter gute Fortschritte, wie am Mittwoch bei einem Politiker-Besuch deutlich wurde.
Sanierungsbedürftige Baudenkmäler haben oft auch im reichen Bayern keinen leichten Stand. Immer wieder werden welche dem Erdboden gleichgemacht, aus Verbitterung darüber „kürt“ der Bayerische Landesverein für Heimatpflege seit 2022 sogar einen „Abriss des Jahres“. Doch es gibt auch mustergültige Sanierungen, eine davon führt die St. Katharinenspitalstiftung in Regensburg durch.
Am Mittwoch schaute sich die Landtagsabgeordnete Sabine Weigand das Großprojekt in Stadtamhof an. Die Schwabacherin ist die denkmalpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion und macht in jedem Sommer eine Denkmalschutz-Tour durch Bayern.
Öffnung statt Profit
Unter dem Motto „Wachgeküsst! – Wie Sanierungen gut gelingen“ inspiziert sie in diesem Jahr Best-Practice-Beispiele. In diesem Zusammenhang machte sie ihr Regensburger Parteifreund Jürgen Mistol, von Weigand als „mein Lieblingskollege“ bezeichnet, auf das Spital-Projekt aufmerksam. „Ich will Mut machen, solche Denkmal-Sanierungen anzupacken, und zeigen, dass es funktioniert. Da kann was super Schönes rauskommen“, beschrieb sie das Motiv für ihre spezielle Reise durch den Freistaat.
Spitalmeister Wolfgang Lindner und sein Team haben diesen Mut bereits bewiesen. Durch die insgesamt 15 Millionen Euro teure, 2019 begonnene Sanierung an sich und auch durch die Entscheidung, das Areal für die Öffentlichkeit zu öffnen und nicht zu versilbern. „In Stadtamhof wäre sicher auch eine marktkapitalistische Lösung möglich gewesen. Aber das wollten wir nicht“, erklärte er der Besucherin seinen Ansatz.
Spitalmeisterhaus, Schreiberhaus und Ökonomie-Gebäude wurden und werden nicht zu teuren Wohnungen umgebaut, sondern zu Räumen für Vereine, Verbände und eigene Auszubildende in sozialen Berufen sowie für eine museale Nutzung. Diese Öffnung für die Bürgerschaft entspreche dem ursprünglichen Spital-Gedanken, so Lindner. 2026, wenn die Stiftung ihr 800-jähriges Bestehen feiert, soll alles fertig sein.
Das nächste große Etappenziel des Gesamtprojekts ist die Übergabe des Schreiberhauses als Seminar- und Versammlungsstätte an die Stadt Regensburg. Diese ist formell am 1. Dezember geplant, die Einweihung soll planmäßig am 25. November stattfinden. Wie Kathrin Pindl, die Leiterin des Spitalarchivs erläuterte, ist dieses das Hochfest der heiligen Katharina markierende Datum prädestiniert für wichtige Ereignisse im Spital. Architekt Thomas Kastl zeigte den Besucherin aus dem Landtag derweil auf, wie die Wandlung des einstigen Pferdestalls zum zentralen Versammlungsraum des Schreiberhauses voranschreitet.
Nachhaltige Energie-Ideen
Freude machte der Grünen-Abgeordneten auch das nachhaltige Energiekonzept, über das der Technische Leiter Wolfgang Gabler informierte: Beheizt wird das Areal durch Hackschnitzel aus dem eigenen Forst, eine auf dem nicht einsehbaren Dach eines Nebengebäudes geplante Photovoltaikanlage soll bis zu 25 Prozent des Strombedarfs der Brauerei decken.
Als kritischen Hinweis gab Lindner der Politikerin mit auf den Weg, wo die größten Hürden für so ein Projekt lauern. Nicht bei der Finanzierung, bei der Zusammenarbeit mit den Architekten oder beim Einholen von Förderungen – sondern bei der Beschäftigung mit der Verwaltung. „60 Prozent der Energie gehen für Abstimmungen mit den Behörden drauf – das ist sehr kraftraubend“, sagte der Spitalmeister und formulierte als Wunsch: „Es wäre schön, wenn das künftig nur 40 Prozent wären.“
