Mehr Optionen für Solarparks: Nittenauer Stadträte einigen sich auf kleinere Abstände zur Bebauung

Ganz im Zeichen der Energiewende stand die Sitzung des Nittenauer Stadtrats am Dienstagabend: Das Gremium bemühte sich darum zu konkretisieren, wo künftig PV-Freiflächenanlagen entstehen dürfen. Und auch das Energiekonzept der Grund- und Mittelschule rückte in den Fokus.
Wie Bürgermeister Benjamin Boml (FW) den Räten zunächst erläuterte, hatte sich die Stadt im Juni 2023 für das sogenannte Energiecoaching Plus beworben. Dabei handelt es sich um ein Angebot für kleine und mittlere Kommunen: Sie bekommen bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort individuelle Beratung durch einen Experten. Die Kosten in Höhe von bis zu 10 000 Euro übernimmt das bayerische Wirtschaftsministerium.
60000 Euro pro Jahr sparen
Nachdem die Stadt den Zuschlag für das Coaching erhalten hatte, fand laut Boml ein Auftaktgespräch statt. Dabei habe man sich darauf verständigt, das Energiekonzept sowie die Möglichkeiten einer neuen PV-Anlage für das Schulgebäude zu beleuchten. Die Ergebnisse präsentierte nun Energiecoach Yusuf Gökcel den Räten. Um beim Schulgebäude mittels Sanierungsmaßnahmen den Standard eines förderfähigen Effizienzhauses 70 zu erreichen, sei eine Investition von knapp 1,1 Millionen Euro inklusive 25-prozentiger Förderung nötig, sagte er. Damit könne man den Energieverbrauch des Gebäudes um 29 Prozent reduzieren und somit pro Jahr rund 60 000 Euro sparen.
Der Experte erläuterte den Räten außerdem detailliert die einzelnen Sanierungsoptionen und Kosten bei Fassade, Fenstern, Dach und Heizung der Schule, deren Gebäudeteile aus den Jahren 1966 und 1983 stammen. Außerdem erklärte Gökcel mögliche Varianten für eine neue PV-Anlage auf dem Dach der Schule mit einer Spitzenleistung von 152 Kilowatt Peak. Je nach Art müsse die Stadt mit Kosten zwischen 153 000 und 203 000 Euro kalkulieren. Abbezahlt wäre die Anlage nach einem Zeitraum zwischen 5,9 und sieben Jahren. „Eine Neuinvestition in eine Anlage würde sich auszahlen“, lautete Gökcels Fazit.
Nicht im Jahr 1966 steckengeblieben
Die präsentieren Zahlen seien sehr aufschlussreich, kommentierte Boml. Auch wenn Teile des Schulgebäudes aus dem Jahr 1966 stammten, sei dort in den vergangenen Jahren – trotz anderslautender Unkenrufe – in Sachen Energiesparen doch einiges vorwärts gegangen. „Es war richtig, dass wir uns für das Energiecoaching beworben haben. Es zeigt auch, dass wir nicht im Jahr 1966 steckengeblieben sind“, so Boml. Einen Beschluss in Sachen Sanierung gab es bei der Sitzung nicht.
Vorwärtskommen will die Stadt auch beim Bau von Freiflächen-PV-Anlagen. Wie Boml erläuterte, würden im Rathaus dazu immer wieder Anfragen eingehen. Doch bei der Anwendung des vom Stadtrat verabschiedeten Kriterienkatalogs habe sich ein Problem gezeigt: Aufgrund mancher Kriterien wie etwa dem Abstand zur Bebauung seien fast keine PV-Anlagen genehmigungsfähig.
Zuletzt hatten sich Experten vom Planungsbüro TB Markert, das auch für die Neuaufstellung des Nittenauer Flächennutzungsplans beauftragt wurde, mit dem Thema im Rahmen einer Potenzialanalyse beschäftigt. Die Ergebnisse bekamen die Stadträte jetzt präsentiert: Derzeit werde der Strombedarf in Nittenau zu 36 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt. Vom 96,73 Quadratkilometer großen Gemeindegebiet bleiben laut Planungsbüro nach Abzug aller Ausschluss- und Restriktionsflächen nur 2,85 Quadratkilometer als potenzielle Standorte für Solarparks übrig. Allerdings seien von diesen Flächen einige landwirtschaftlich besonders wertvoll.
250 Meter als neue Distanz
Am Ende waren die Räte der Auffassung, die Stadt solle sich auf neue Abstände von PV-Anlagen-Standorten zur Bebauung festlegen: Bisher lag die Grenze bei 300 Metern. Künftig soll der Abstand zur Wohnbebauung 250 Meter und 50 Meter zu Gewerbeansiedlungen oder Stallungen betragen. Außerdem konnten sich die Räte mit der Idee anfreunden, künftig eine Zielquote für den Anteil des Stroms festzulegen, der in Nittenau aus erneuerbaren Energien stammt.
