Nittenau schmeißt PV-Anlage von Grünen-Kreisrat vom Dach: Rudi Sommer versteht die Welt nicht mehr

Seit 20 Jahren produziert eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Nittenauer Grund- und Mittelschule grünen Strom. Doch damit soll bald Schluss sein, denn die Stadt hat den Gestattungsvertrag mit den Betreibern, einer GbR, der auch Grünen-Kreisrat Rudi Sommer angehört, gekündigt. Für den Brucker ist die Entscheidung der Stadt unverständlich.
Nittenaus Bürgermeister Benjamin Boml (FW) wundert sich über Sommers Gang an die Presse und etwaige Unklarheiten. „Herr Sommer kennt den Grund der Kündigung“, sagt der Rathauschef im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Den Grund für die Kündigung will Boml aber nicht nennen, da es sich „um ein privatrechtliches Vertragsverhältnis“ handle.
Ende September ist Schluss
Mitte Dezember des vergangenen Jahres erhielt Sommer ein Schreiben der Stadt Nittenau. Es ist die Kündigung des Gestattungsvertrags. Darin werden die Betreiber auch aufgefordert, die Anlage nach Ablauf der Vertragslaufzeit „umgehend zu entfernen“. Schluss ist am 30.September 2024.
Sommer findet die Entscheidung „unlogisch aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht“. Auch in Sachen Nachhaltigkeit erschließt sich ihm die Entscheidung nicht. „Das sind monokristalline Module, die viele Jahrzehnte halten“, erklärt der Brucker im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Kosten für den Abbau der Module schätzt er auf 10.000 Euro. Natürlich könnte man die Module wieder verwenden und auf einem anderen Dach montieren. „Doch, wer will schon alte Module neu montieren?“, sagt Sommer und zuckt mit den Schultern. Aus seiner Sicht, hätte die Stadt den wenigsten Aufwand, wenn sie die Module auf dem Dach der Schule lasse.
Im September 2004 wurden die 640 Module auf dem Dach der Schule in Betrieb genommen. Diese wurden auf der Südseite montiert. Sommer berichtet, dass die Neigung des Dachs mit 35 Grad optimal für die PV-Anlage sei, denn damit könne man „alles rausholen“.
Nun fürchtet der Brucker Stromerzeuger um seine Pionierarbeit. „Das war für mich ein brutales Risiko damals“, erzählt Sommer. Rund 500.000 Euro habe die Anlage auf dem Schuldach damals gekostet. Seitdem produziert sie laut Sommer jährlich 90.000 kWh grünen Strom. Mit seiner Anlage könne die Stadt viel Geld sparen, findet der Brucker. Beispielhaft rechnet der Grünen-Kreisrat vor, dass die Stadt bei einer Übernahme der 640 Module in Eigenbetrieb bei einem Strompreis von 0,39Euro bis zu 30.000 Euro jährlich sparen könnte.
Ein Unterrichtsmittel?
Doch nicht nur den Strombedarf der Schule könnte seine Anlage abdecken. Sommer sieht in den 20 Jahre alten Modulen auch das Potenzial, sie im Unterricht zu benutzen, wie etwa in Physik oder um die Schüler für die Energiewende und den Klimawandel zu sensibilisieren.
Auch Bürgermeister Boml sieht in PV-Anlagen Potenzial. Es werde über Alternativen schon nachgedacht, doch stehe noch nichts fest. „Uns ist es wichtig, öffentliche Gebäude mit erneuerbarer Energie zu versorgen“, sagt der Rathauschef und verweist auf die PV-Anlagen auf dem Kindergarten St. Monika, die diesen mit Energie versorgen.
Laut FW-Kommunalpolitiker Boml möchte man auch auf dem Schuldach wieder Anlagen anbringen – doch dieses Mal „fachgerecht“, wie es der Bürgermeister formuliert.
