Auto-Bastler: Rollstuhlfahrer (72) aus Nittenau hält seinen Chevrolet Impala selbst in Schuss

Von Cornelia Lorenz · 13. Juli 2024 um 19:00

Wenn Franz Schreiner mit seinem weißen Chevrolet Impala über Nittenaus Straßen (Landkreis Schwandorf) gleitet, erntet er bewundernde Blicke. Doch hinter dem glänzenden Wagen steckt jede Menge Arbeit: Der 72-Jährige repariert an seinem Oldtimer noch immer fast alles ganz allein – obwohl er seit Jahren im Rollstuhl sitzt. Wie schafft er das nur?

Schreiners Liebe zu Oldtimern begann in seiner Jugendzeit: „Als ich damals amerikanische Autos gesehen habe, hat mich das sehr fasziniert“, sagt der gelernte Maschinenbauer und gebürtige Nittenauer. Sein Traumauto sei damals eigentlich immer ein Maserati gewesen, doch am Ende entschied er sich für eine etwas preiswertere Variante.

Cousine entdeckte das Auto

Im Mai 1991 entdeckte Schreiners Cousine auf einer Oldtimer-Messe in Spokane im Osten des US-Bundesstaats Washington einen 180 PS starken weißen Chevrolet Impala 5,4V8 aus dem Jahr 1961. Genau so ein Fahrzeug war Schreiner damals vorgeschwebt. Er fackelte nicht lang und gab seiner Verwandten den Auftrag, den Kauf des Chevys für ihn in die Wege zu leiten.

Bis der Oldtimer aber am Ende tatsächlich bei Schreiner in Nittenau ankam, sollten mehrere Monate ins Land gehen. „Das war eine richtige Odyssee“, sagt der 72-Jährige. Der Chevy war nämlich in Kanada vom Band gelaufen – und bei der geplanten Ausschiffung in Los Angeles kam der Wagen wegen seiner kanadischen Kennzeichen nicht durch den Zoll. Mit Hilfe eines Bekannten gelang es Schreiner schließlich, seinen Oldtimer doch noch auf die Reise nach Deutschland zu schicken. Zwei Tage vor Heilig Abend erreichte der Chevy per Transporter das abendliche Nittenau – und Schreiner brachte sein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk mit seinen 5,30 Metern Länge an diesem Abend gleich in seiner Garage unter.

Chevy gehört Franz Schreiner schon seit 33 Jahren

Mittlerweile gehört ihm das auffällige Fahrzeug schon seit 33 Jahren. An die erste Umbaumaßnahme erinnert sich der 72-Jährige noch gut: Er habe sofort eine Handsteuerung installiert, sagt er. Das war nötig, weil Schreiner seit einem Motorradunfall 1969 auf den Rollstuhl angewiesen ist. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Nittenauer viel Zeit und Geld in seinen Chevy investiert. Dank einer bestens bestückten hauseigenen Werkstatt direkt neben seiner Doppelgarage ist er in der Lage, fast sämtliche anfallende Reparaturarbeiten selbst durchzuführen. Auch das nötige Wissen hat er sich über die Jahre selbst angeeignet.

Eigentlich, so erzählt Schreiner, wäre er als Bub gern Automechaniker geworden. Er erinnert sich noch gut daran, wie er mit zwölf, 13 Jahren im Autohaus Bock in Nittenau in der Werkstatt mitgeholfen habe und wie viel Spaß ihm das gemacht habe. Aus dem Berufswunsch sei leider nichts geworden, weil sein Vater dagegen gewesen sei. Deshalb machte er stattdessen eine Lehre zum Maschinenbauer, schulte nach seinem Unfall zum Elektroniker um und arbeitete bis zu seinem Ruhestand als Konstrukteur bei Siemens – offensichtlich nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um einen Oldtimer eigenhändig in Schuss zu halten.

Dank seiner Hebebühne kann Schreiner sich vom Rollstuhl aus allen Problemen seines Chevrolets widmen. Erst vor ein paar Tagen gab es für ihn wieder umfangreiche Schweißarbeiten zu erledigen. Seine Frau sei ihm dabei immer wieder eine wichtige Stütze, sagt der 72-Jährige.

Modell wurde nur 127 Mal gebaut

Mittlerweile fährt Schreiner mit seinem Schmuckstück aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so häufig wie früher durch die Gegend. Dennoch genießt er solche Fahrten sehr. „Das ist kein Auto zum Schnellfahren. Man schwebt mit ihm dahin“, sagt er.

Wie viele vergleichbare Chevys heute noch auf den Straßen unterwegs sind, lässt sich nicht sagen. Sein Modell sei damals überhaupt nur 127 Mal gebaut worden, weiß Schreiner. Für seinen Oldtimer, dessen Innenraum in auffälligem Türkis gehalten ist, gebe es zum Glück immer noch recht einfach zu bekommende Ersatzteile. Und die braucht der 72-Jährige auch, denn es gibt immer etwas zu tun. „Das ist schon ein zeitintensives Hobby“, sagt er.

Die Arbeit an der Hebebühne macht Franz Schreiner viel Freude. Vor ein paar Tagen musste er schweißen. Foto: Schreiner