Neuer Flächennutzungsplan: Stadt Nittenau rüstet sich für Wachstum

Der neue Flächennutzungsplan der Stadt Nittenau soll voraussichtlich nächstes Jahr fertig sein. Den aktuellen Vorentwurf bekamen die Stadträte am Dienstagabend vorgestellt. Vor allem die Grünen äußerten sich kritisch und appellierten, Waldstücke wie am Annahaidweg besser zu schützen.
Der derzeit gültige Flächennutzungsplan der Stadt Nittenau ist seit dem Jahr 2000 in Kraft. Um ihn durch eine zeitgemäße Variante zu ersetzen, die auch dem Bevölkerungswachstum in der Region Rechnung trägt, hatte die Stadt das Planungsbüro TB Markert aus Nürnberg beauftragt. Bereits im November 2023 hatten Mitarbeiter des Büros den Stadträten erste Ergebnisse ihrer Vorarbeiten präsentiert.
Prognose: Bevölkerung soll um zehn Prozent wachsen
Nun waren sie erneut zu Gast, um den Vorentwurf des neuen Flächennutzungs- und Landschaftsplans zu zeigen. Wieder bekamen die Stadträte eine Fülle an Zahlen vorgestellt. Bis zum Jahr 2040 soll die Einwohnerzahl in Nittenau um rund zehn Prozent wachsen. Am meisten zulegen soll der Anteil der Bürger über 65 Jahre: Hier prognostiziert das Planungsbüro auf Basis von Zahlen des Landesamts für Statistik ein Plus von 44 Prozent. Altersgerechte Wohnformen und Barrierefreiheit im Ortskern sind für die Zukunft in Nittenau deshalb angemessen zu berücksichtigen, so die Botschaft des Planungsbüros.
Auch die Zahl der unter 18-Jährigen in Nittenau werde bis 2040 zulegen, und zwar um fünf Prozent. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen sei deshalb ebenfalls ein wichtiger Faktor.
23 Hektar an Baulücken in Nittenau
Um genug Wohnraum für die Bürger zu schaffen, bekamen die Stadträte vom Planungsbüro auch einen Überblick, wo in der Stadt noch Entwicklungspotenzial besteht. So gebe es in Nittenau beispielsweise noch rund 23 Hektar an Baulücken, die sich auf rund 250 Grundstücke verteilen. Die Stadt kümmere sich um den Kontakt zu den Eigentümern.
Die Ausführungen der Planer sorgten im Gremium für interessierte Nachfragen, doch auch für Kritik. Christoph König (Grüne) erklärte, er sei froh, dass der Vorentwurf des Flächennutzungsplans nun auch in öffentlicher Sitzung besprochen werde. Bislang sei das Projekt leider hauptsächlich im Rahmen von Workshops der Stadträte diskutiert worden. Der Grünen-Vertreter forderte darüber hinaus, in Sachen Wohnen für Nittenau künftig weniger auf Einfamilienhäuser und stattdessen mehr auf Wohnungsbau zu setzen. Boml wollte diese Anregung nicht unkommentiert stehen lassen. „Wir sollten auch Rücksicht auf Bürger nehmen, die den Wunsch nach einem Einfamilienhaus haben“, sagte er.
Klimaschutzwald soll erhalten bleiben
Scharfe Kritik am Planentwurf äußerte Grünen-Fraktionssprecherin Elisabeth Bauer. Ihrer Auffassung nach entspreche er in einem wesentlichen Punkt nicht zentralen Wünschen aus dem Stadtratsworkshop. „Unsere Anregung, dass Klimaschutzwald erhalten bleiben soll, wurde ignoriert“, sagte sie – und bezog sich damit hauptsächlich auf die Pläne für das neue Wohngebiet am Annahaidweg, aber auch auf zwei weitere Waldbereiche, die im Entwurf des Flächennutzungsplans als Potenzial für Wohnbebauung auftauchen. „Was soll daran nachhaltig sein, bestehenden Wald zu roden und anderswo Ausgleichsflächen zu schaffen?“, fragte Bauer in die Runde. Die Bürger in Bergham bräuchten den Wald am Annahaidweg. Ein aufgeforstetes Waldstück anderswo im Landkreis als Ausgleich nütze den Berghamern nichts.
FW-Sprecher wunderte sich
FW-Fraktionssprecher Michael Prasch erklärte, solche Aussagen der Grünen-Fraktion könne er nicht verstehen. „20 Meter gegenüber dem neuen Baugebiet ist doch weiterhin Wald“, sagte er. Auch CSU-Fraktionschef Thomas Hochmuth wies darauf hin, dass es in Bergham doch nicht nur den Wald im Bereich Annahaid gebe, sondern mehrere solcher Flächen. Am Ende der Diskussion beschlossen die Stadträte, dass mit dem vom Planungsbüro vorgestellten Vorentwurf zum neuen Flächennutzungsplan Einverständnis besteht. Lediglich die beiden Grünen-Räte votierten dagegen.