Protest gegen neues Baugebiet in Nittenau: Anwohner wollen Waldstück bewahren

Von Cornelia Lorenz · 24. Juni 2024 um 17:00

Ein vier Hektar großes Waldstück am Annahaidweg in Nittenau soll erhalten bleiben und kein Baugebiet werden – das haben erneut Anwohner von Bürgermeister Benjamin Boml (FW) gefordert. Als Zeichen ihres Protestes übergaben sie ihm eine Liste mit 238 Unterschriften Berghamer Bürger.

Diesen Termin im Rathaus nutzten einige Anwohner, um Boml erneut auf ihre Sorgen und Bedenken rund um das geplante Baugebiet hinzuweisen. Man sei im Mai und im Juni mit zwei Teams in Bergham unterwegs gewesen und habe Unterschriften für den Erhalt des bislang noch als Klimaschutzwald ausgewiesenen Gebiets am Annahaidweg gesammelt, wo laut aktueller Planung Parzellen für 40 Einfamilienhäuser und zwölf Doppelhaushälften entstehen sollen. „Es hätten gern noch mehr Bürger aus Bergham unterschrieben“, betonte Ulrich F. Klein, einer der Wortführer der Anwohner. Doch nun habe man die Aktion kurzfristig abgebrochen.

Der Grund: Man befürchte, dass der Flächennutzungsplan für das Areal nun in der Urlaubszeit ohne vorherige öffentliche Bürgerversammlung veröffentlicht und ausgelegt werden könnte. Um dies zu verhindern, habe man sich zur Übergabe der bis dato gesammelten Unterschriften entschieden, so Klein.

Kritik am Nittenauer Rathaus

Dabei musste sich der Rathauschef einiges an Kritik anhören. Die Anwohner würden „überhaupt nicht eingebunden“, monierte beispielsweise Adelheid Schmid. Aus dem Rathaus bekomme man keinerlei Rückmeldung auf Einwände zum Vorhaben. „Es kann doch nicht sein, dass das Konzept im Stadtrat einfach abgenickt wird – ohne Bürgerbeteiligung“, sagte sie. In Bergham wolle niemand das neue Baugebiet. Hier hätten die Bürger schon eine Menge Eingriffe in die Umwelt in Kauf nehmen müssen, zum Beispiel auf dem Amazon-Gelände oder beim Bau der Nittenauer Umgehungsstraße. „Wir haben in Bergham viel hingenommen. Jetzt reicht es“, sagte Schmid. Die Abholzung des Klimaschutzwalds am Annahaidweg werde man nicht akzeptieren.

Flächensparoffensive berücksichtigen

Ihr Mitstreiter Klein rief Boml dazu auf, die Innenstadtverdichtung in Nittenau voranzutreiben, anstelle neue Flächen außerhalb zu verbrauchen. Offenbar sei es aus Sicht der Stadt einfacher, einen Wald am Ortsrand zu roden, als sich mit der Entwicklung im Ort auseinanderzusetzen, kritisierte Klein. Er legte Boml außerdem dringend ans Herz, sich mit der Flächensparoffensive der bayerischen Staatsregierung zu befassen und Kontakt mit so genannten Flächensparmanagern der Regierung der Oberpfalz Kontakt aufzunehmen.

Auch in einem Brief an die Stadträte hat Klein seine Kritik am geplanten Wohngebiet formuliert. „Die Abholzung bzw. Rodung und Bebauung kommt einer Katastrophe für den Erhalt der Umwelt und alle Menschen in unserem Quartier gleich. Der Stadtteil Bergham leidet jetzt schon unter der Ausweitung der Gewerbeflächen“, so Klein. Der Klimawandel erlaube es nicht, Grünflächen und Baumbestände leichtfertig zu vernichten.

Wie Klein weiter ausführt, hätten Berghamer Bürger schon 2022 beschlossen, die Umwidmung des Waldstücks in ein Wohngebiet abzulehnen. „Wir Bürger haben das Recht, unsere Stimme gegen diese zerstörerische Umweltmaßnahme zu erheben“, schreibt Klein. Die Stadträte seien gefordert, die Meinung der Bürger, von denen sie gewählt worden seien, ernst zu nehmen und im Rahmen der Stadtplanung zu beachten.

Noch ist Geduld gefragt

Bürgermeister Boml versicherte bei der Unterschriftenübergabe, man beschäftige sich im Rathaus intensiv mit den Einwänden gegen das Baugebiet. Wenn alle Themen abgearbeitet seien und man eine vernünftige Planung vorliegen habe, werde man den Anwohnern die Ergebnisse auch präsentieren. „Wir werden eine Lösung finden, die für alle tragbar ist und funktioniert“, so Boml. Er bat die Anwohner bis dahin noch um Geduld.