Annahaidweg: Anwohner und Naturschützer sorgen sich um die „grüne Lunge“ Nittenaus

Von Cornelia Lorenz · 7. Februar 2024 um 05:00

Wird aus einem rund vier Hektar großen Waldstück am Annahaidweg in Nittenau ein Neubaugebiet – oder bleiben die Bäume erhalten? Viele Anwohner sind sehr besorgt und warnen eindringlich vor einer Rodung. Nun war Grünen-Landtagsabgeordnete Laura Weber vor Ort, um sich ein Bild zu machen.

Vor gut zwei Jahren hatte eine Nachricht bei zahlreichen Anwohnern des Annahaidwegs und benachbarter Straßen für große Aufregung gesorgt: Der Stadt war es nach längeren Bemühungen gelungen, die Waldfläche, die zuvor in Privatbesitz gewesen war, zu erwerben. In einer Stadtratssitzung im Januar 2022 stellte ein Planer Varianten vor, wie das Gebiet, das zwischen dem Annahaidweg und dem Wohngebiet „Am Sulzbach“ sowie östlich der Straße „Waldfrieden“ liegt, bebaut werden könnte. Die Räte votierten damals für eine Lösung, die die Bebauung mit 42Einzel- und zwölf Doppelhäusern ermöglicht.

Pro Tag zehn Hektar Fläche

Dass dem neuen Baugebiet ein wertvolles Waldstück zum Opfer fallen soll, sahen die Teilnehmer des Ortstermins äußerst kritisch. Grünen-Abgeordnete Laura Weber wies darauf hin, dass in Bayern pro Tag zehn Hektar Fläche versiegelt würden. „Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, kritisierte sie. Klimaschutz sei eine „existenzsichernde Sache“ und müsse auch von den Kommunen ernst genommen werden, sagte sie. Wichtig sei angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen außerdem, günstigen Wohnraum zu schaffen. Dass sich dies am Annahaidweg realisieren lasse, sei unwahrscheinlich, so Weber.

Christoph Bauer, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), sagte, die Planungen für das neue Baugebiet am Annahaidweg zeigten, dass etwas schief laufe. Gerade im Nittenauer Stadtteil Bergham sei die Versiegelung von Flächen massiv vorangeschritten. Als Beispiel dafür nannte er die neu geschaffenen Parkplätze am Logistikgebäude von Amazon, die seinen Beobachtungen nach nie ausgelastet seien. „Man verfügt über Flächen, als wären sie nichts wert“, kritisierte er.

Die grüne Lunge Nittenaus erhalten

Dies dürfe mit dem Waldstück am Annahaidweg, bei dem es sich um wertvollen „klimaresistenten Wald, nicht nur um ein paar Kiefernstangerl“, handle, nicht passieren. „Das ist die grüne Lunge für Nittenau, die wir erhalten müssen. Es ist ein Anachronismus, hier so einzugreifen“, sagte er.

Auch Anwohnerin Adelheid Schmid formulierte beim Ortstermin eindringlich ihre Sorgen. Man befürchte, dass überraschend die Bagger anrollen könnten und der Wald unwiederbringlich zerstört werde – weshalb man jede Möglichkeit nutzen wolle, um auf das Thema aufmerksam zu machen. In Bergham seien bereits viele Flächen zerstört worden – das dürfe sich am Annahaidweg nicht wiederholen. „Der Wald ist es wert, dass man darum kämpft“, betonte sie. Aus dem im Flächennutzungsplan als Klimaschutzwald ausgewiesenen Areal dürfe kein Wohngebiet werden. Sie wünsche sich von der Stadt, Projekte in Bergham nicht isoliert zu betrachten, sondern die Entwicklung im gesamten Stadtteil vorausschauend zu planen.

Naherholung ist wichtig

Grünen-Stadträtin Elisabeth Bauer sprach sich ebenfalls eindringlich für den Erhalt des Waldes aus. Es handle sich dabei um das einzige, zusammenhängende Naherholungsgebiet in Nittenau. „Es ist für alle Gold wert“, betonte sie.

Wie es in Sachen Baugebiet Annahaid weitergeht, ist im Moment nicht klar. Vor rund einem halben Jahr hatte der Petitionsausschuss des bayerischen Landtags erklärt, dass die Planung der Stadt „aktuell nicht den Erfordernissen von Raumordnung und Landesplanung entspricht“. Die Stadt solle ihre Planungsunterlagen um eine „konkretisierte Bedarfsbegründung“ ergänzen. Die Nachfrage nach Bauplätzen allein sei „keine ausreichende Begründung“ für die Ausweisung eines neuen Wohngebiets.

Im Nittenauer Rathaus wird derzeit noch an den erforderlichen Fachgutachten gearbeitet. Unter anderem wurde eine verkehrsplanerische Untersuchung in Auftrag gegeben, die sich mit der Verkehrsentwicklung im Bereich des Annahaidwegs auseinandersetzt.