Holger Kruschina wird Ehrendomherr in Tschechien – Nun blickt der Pfarrer auf erstes Jahr in Nittenau zurück

Von Andreas Loscher · 9. August 2024 um 05:00

Ein Jahr ist Holger Kruschina (53) nun bald Pfarrer von Nittenau und Fischbach. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Wie gefällt es dem Geistlichen in seiner neuen Pfarrei? Vermisst er Roding? Und was soll die Zukunft bringen? Beim Treffen im Pfarrhaus hatte Kruschina zudem eine überraschende Ankündigung zu machen.

Auf die Frage, was sein erstes Jahr in Nittenau geprägt hat, holt Kruschina aus. Seit bald 28Jahren sei er nun als Pfarrer in verschiedenen Funktionen tätig. Und so gab es für den Geistlichen fast jedes Berufsjahr große emotionale Momente – freudige, wie auch traurige. Von der Beerdigung junger Menschen bis hin zu Trauungen. Hochzeiten habe es in diesem Jahr übrigens besonders viele gegeben, erzählt der Pfarrer. Das sei wohl noch ein Nachholeffekt aus der Corona-Zeit.

Wie eine Freundschaft

Man dürfe nicht immer nach Höhepunkten suchen. Man müsse vielmehr versuchen das Schöne im Alltäglichen sehen, im Durchhalten, im Kontinuierlichen und Beständigen, so der Nittenauer Pfarrer. Der wöchentliche Gottesdienstbesuch beispielsweise sei wie eine Freundschaft: „Man weiß, wohin man gehen kann, wenn es einem schlecht geht, aber auch, wenn es einem gut geht.“

Eines werde ihm deshalb nach all den Jahren immer klarer. „Für mich liegt die Schönheit in einem guten Kirchenjahr: ein inniges Weihnachtsfest, ein glaubensstarkes Ostern und eine freudige Kommunion.“ Und dies sei in Nittenau und Fischbach glücklicherweise der Fall gewesen.

Der Abschied von Roding sei dem Seelsorger schwergefallen. Kruschina vermisse vor allem die Menschen in seiner alten Pfarrei, in der er zwölf Jahre lang tätig war. Rund 6000Gläubige sind es nun, die Kruschina in Nittenau und Fischbach betreut. Das seien knapp zehn Prozent weniger als noch vor zwölf Jahren, erklärt der Pfarrer beim Blick in die Bücher. Das sei aber eine normale demografische Entwicklung. Nittenau und Fischbach seien immer noch überaus lebendige Pfarreien. Das habe es Kruschina leicht gemacht, sich schnell einzuleben.

Etwas Bammel hatte der 53-Jährige schon, als er von Roding nach Nittenau wechselte. Schließlich waren die Fußstapfen seines beliebten Vorgängers Adolf Schöls groß. Hinzu kamen neue Aufgaben: In die Verwaltung einer Pfarreiengemeinschaft oder eines Friedhofs musste er sich erst einarbeiten.

Auch die Begleitung der Erstkommunionvorbereitung war für den Pfarrer eine Premiere. Anfangs sei er unsicher gewesen, ob seine Art bei den Kindern ankomme. Nach den ersten Einheiten habe er am Ende einfach mal nachgefragt. Da antworteten die Kinder: „Super machstas Pfarrer!“. Da sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen. „Man glaubt es kaum, aber auch nach so vielen Jahren lernt man oft noch Neues dazu.“ Apropos neu: Zu den vielen Aufgaben Kruschinas – er ist auch Regionaldekan und Mitglied des Diözesankomitees Regensburg – kommt bald eine weitere hinzu. Am 28. September, dem Wenzelstag, wird der Nittenauer Pfarrer zum Ehrendomherrn des Bistums Litoměřice in Tschechien ernannt. Kruschina war von dieser Nachricht selbst ein wenig überrascht.

Stanislav Přibyl, der erst im Dezember 2023 zum dortigen Bischof ernannt wurde, hat sich die Neuordnung seines Bistums Litoměřice zum Ziel gesetzt. Mit der Aufnahme eines deutschen Geistlichen in das Domkapitel, so Kruschina, wolle er ein Zeichen der Verständigung setzen. Denn Leitmeritz, wie die Stadt bis 1945 hieß, ist ehemals sudetendeutsches Siedlungsgebiet. Přibyl sei auf Kruschina gekommen, weil er Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerks ist. Kruschinas Familie väterlicherseits wurde 1946 aus Laubendorf in Ostböhmen vertrieben.

Familie wurde vertrieben

Durch Nachforschungen ist es ihm gelungen, seine Familienlinie bis in die Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg in Böhmen zurückzuverfolgen. Heute pflegt der 53-Jährige, der bei bei Tirschenreuth aufgewachsen ist, eine enge Verbindung nach Tschechien und setzt sich für eine starke und friedvolle Zusammenarbeit ein.

Die Nittenauer können aber beruhigt sein. Ihr Pfarrer wird nicht gleich wieder weg sein. Denn das Ehrenamt im tschechischen Bistum Litoměřice ist laut Kruschina nicht an konkrete Aufgaben gebunden. Von Zeit zu Zeit wird Kruschina zu besonderen Anlässen in der tschechischen Diözese zu Gast sein.

So bleibt dem Pfarrer noch genügend Zeit, um mit den Nittenauern Schafkopf zu spielen – oder einem seiner größten Hobbys nachzugehen: der Musik. „Es wäre wunderschön, wenn ich in Nittenau in den Ruhestand gehen könnte. Das wären ungefähr noch 17Jahre“, sagt Kruschina und lacht.

Ehrentitel

Ernennung: Bischöfliche Ehrentitel sind Auszeichnungen, die ein römisch-katholischer Diözesanbischof verleiht. Ein Ehrendomherr (auch Ehrendomkapitular) ist laut dem Lexikon für Theologie und Kirche ein Ehrenmitglied eines Domkapitels. Die Ernennung erfolge aufgrund besonderer Verdienste, jedoch seien je nach Statut des jeweiligen Domkapitels auch andere Gründe möglich.

Aufgaben: Der Titel könne auch an Angehörige anderer Diözesen verliehen werden, wobei die Zustimmung des zuständigen Bischofs eingeholt werden müsse. Die Rechte seien in den Statuten festgelegt und umfassen beispielsweise die liturgische Kleidung, die Amtsabzeichen und Ehrenplätze im Chorgestühl. Eine rechtserhebliche Mitgliedschaft im Kapitel ist damit nicht verbunden.