Neuer Kindergarten und Bauarbeiten in der Kirche: Nittenaus Pfarrer Holger Kruschina hat 2024 viel vor

Von Stefanie Kraus · 29. Dezember 2023 um 05:00

Seit 1. September hat Pfarrer Holger Kruschina, der viele Jahre die katholische Glaubensgemeinschaft in Roding angeführt hat, einen neuen Wirkungskreis. In Nittenau hat sich der Geistliche in knapp vier Monaten gut eingelebt – und sich für das kommende Jahr einiges vorgenommen.

Die Wohnung im Nittenauer Pfarrhof hat den Geruch nach „neu“ noch nicht ganz verloren. Allerdings ist das Heim von Holger Kruschina schon wohnlich eingerichtet. Möbelstücke und zahlreiche Instrumente haben ihren Platz gefunden, ein Feuer im Ofen verbreitet heimlige Wärme und aus der Stereoanlage kommt Musik des Sängers Bill Cosby.

Der neue Pfarrer ist augenscheinlich in Nittenau angekommen. „Das Schöne an unserem Beruf ist, dass wir uns in Rituale einschwingen, die überall gleich sind. Das tut gut. Wir sind im Ritus daheim“, sagt Kruschina. „Beim Ankommen hilft außerdem, dass man schon jemand ist. Ich komme hier her und bin der Herr Pfarrer.“

Zuvor war Kruschina zwölf Jahre lang als Geistlicher in Roding im Einsatz. Seiner vorherigen Wirkungsstätte sei er zwar noch verbunden, allerdings ausschließlich im Privaten, so Kruschina. Denn: „Die Nittenauer sollen wissen: Ich bin vom ersten Tag an hier ihr Pfarrer. Das sollen die Menschen auch spüren, dass ich bei ihnen bin und gerne bei ihnen bin.“

Neben seiner Funktion als Oberhaupt der Pfarreiengemeinschaft Nittenau/Fischbach ist der Geistliche zusätzlich noch als Regionaldekan für den Bereich Cham und als bischöflicher Beauftragter im Diözesankomitee aktiv. Um all diesen Verantwortlichkeiten gerecht zu werden, bedarf es einiger Organisation, so Kruschina.

Flexibilität als Voraussetzung für den Beruf

Weiter hätten manche seiner Verantwortlichkeiten „Saison“. Beispielsweise liege der Fokus in der Advents- und Weihnachtszeit stark auf der eigenen Pfarrei. Sitzungen anderer Gremien würden meist zu anderen Zeiten des Kirchenjahres stattfinden. Außerdem müsse es auch „Platzhalter“ für akute Ereignisse, wie etwa Sterbefälle, geben. Diese Flexibilität sei eine Grundvoraussetzung.

Und selbst für den erfahrenen Kruschina gibt es in Nittenau noch Neues zu lernen. In 27Berufsjahren betreut der Pfarrer nun in Nittenau erstmals die Vorbereitung der Erstkommunion.

Ging es in den vergangenen Wochen darum, an der neuen Wirkungsstätte anzukommen, hat der Geistliche sich für 2024 einiges auf die Agenda geschrieben. „Der Anfang fordert in den kleinen Dingen. Im neuen Jahr kann man dann auch wieder etwas größer denken und sich fragen, wo will ich mittelfristig hin? Wo kann man Impulse setzen, was ist mir wichtig?“, sagt Kruschina.

Mit kleinen Neuerungen hat er bereits begonnen. Zu Weihnachten haben die trauernden Angehörigen der Verstorbenen des vergangenen Jahres einen Brief erhalten. „Es ist mir wichtig, dass die Leute wissen, dass wir sie nicht vergessen.“ Außerdem will Kruschina die Begleitung der Familien von der Taufe bis zur Erstkommunion weiter ausbauen. Auch die Neuzugezogenen der Pfarrei sollen stärker in den Blick genommen werden, genau wie die Öffentlichkeitsarbeit sowie eine mögliche Neugestaltung der Homepage.

Gute Vorsätze gefasst

Wichtig ist Kruschina dabei zusagen: „Ich komme nicht hier her und sage, ich weiß alles besser. Ich setze zwar ein paar Duftmarken – das erwartet man auch von mir – aber nicht mehr. Wenn das Vertrauen weiter wächst, kann man auch mal etwas hinterfragen – aber immer mit größtem Respekt.“ Privat will der Geistliche im kommenden Jahr seine Gesundheit stärker in den Blick nehmen – und hat den guten Vorsatz gefasst, ein paar Kilo abzuspecken.

So gut es Kruschina in Nittenau gefällt, eine bittere Pille musste er bereits schlucken. Ihm sei von vielen Seiten versprochen worden, dass ihn angesichts des neuen Pfarrhofs und des sanierten Kirchturms das Thema Baumaßnahmen fürs Erste nicht behelligen würde. „Aber ich wusste, dass das nicht so bleibt, dazu bin ich viel zu sehr Realist“, so Kruschina.

Eine große Baumaßnahme, die 2024 ansteht, ist der Umbau des Kindergartens. Außerdem musste der Pfarrer eine Woche vor Weihnachten den alten Teil der Kirche sperren, weil dort der Putz von der Decke bröckelt. „Dort fallen zwar keine Steine, aber es wird auch nicht mit Sekundenkleber zu reparieren sein“, sagt Kruschina.

Die größte Leidenschaft des Geistlichen – die Musik – lasse sich auch in Nittenau bestens praktizieren. „Ich bin froh, dass ich mit der neuen Stelle nicht weiter von Regensburg weggekommen bin. Ich habe einen starken Freundeskreis im Ensemble“, sagt Kruschina. „Musik ist für mich der kürzeste Weg zu Gott.“ Deswegen bringt der Pfarrer auch in Nittenau zu verschiedensten Anlässen seine Gitarre mit und musiziert. „Und wenn ich es nicht mache, fragen mich die Leute, warum ich sie nicht dabei habe“, scherzt Kruschina.

Themen sind überall gleich

Die Themen, mit denen die Gläubigen in Nittenau zu ihrem Pfarrer kommen, seien die Gleichen wie in Roding und überall. Es sind Lebensthemen, Lebenskrisen und Sinnfragen, in denen die Menschen Rat und Hilfe bei Kruschina suchen. „Vielleicht macht es beides aus, mein Glaube und mein Alter, dass ich gelassener werde – und ich wünsche den Menschen ein Stück mehr Gelassenheit“, sagt Kruschina.

„Es wird immer Dinge geben, die man nicht ändern kann. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die verzweifelt sind, aber ich weiß auch, dass es viele Menschen gibt, die Grund zur Hoffnung haben – und denen würde ich wünschen, dass sie die Hoffnung stärker in den Blick nehmen können. Wir werden die Kirchentüren offen halten.“