Pfarrer Kruschina verlässt Roding und geht nach Nittenau: Die Gründe

Paukenschlag im Regental: Holger Kruschina (52) wird nur noch wenige Monate Stadtpfarrer von Roding sein. Er wechselt ab September in die Nachbarstadt Nittenau. An der Personalie wurde im Hintergrund offenbar seit Wochen gearbeitet.
Die Erleichterung ist dem scheidendenStadtpfarrer Adolf Schöls(57) deutlich anzumerken. Mit seinem Rodinger Amtskollegen Holger Kruschina kommt sein „Wunschkandidat“ ab September nach Nittenau. So groß die Euphorie bei Schöls ist, so groß ist die Ernüchterung in Roding. Denn dort gilt Kruschina als sehr geschätzt, und das nicht nur wegen seiner rhetorischen Fähigkeiten.
Die Bomben platzten am Sonntagvormittag nahezu zeitgleich. Schöls in Nittenau und Kruschina in Roding verkündeten beim 10-Uhr-Gottesdienst zum vierten Fastensonntag die Personalie. Und es wiederholte sich 22 Kilometer flussaufwärts des Regens das, was Adolf Schöls Ende Februar mit seiner Ankündigung, Nittenau schon bald zu verlassen, ausgelöst hatte: Schockstarre und die Frage, wie es nun weitergeht.
Pfarrerstelle in Roding wird neu ausgeschrieben
Während die Nittenauer und die Fischbacher nun wissen, wer bei ihnen ab Herbst in der Pfarrei die Fäden ziehen wird, stellt sich den Rodingern genau diese Frage. Eine Antwort darauf wird es wohl erst geben, wenn klar ist, welche Seelsorger sich auf die Ausschreibung beworben haben. Eine solche kündigte Bistumssprecher Jakob Schötz bereits an.
MitHolger Kruschinakommt ein bestens etablierter Seelsorger nach Nittenau. Aufgewachsen in Brand im Landkreis Tirschenreuth, wurde er nach Abitur und Studium am 29. Juni 1996 im Regensburger Dom zum Priester geweiht. Es folgten ein Diakonatsjahr in Straubing und sechs Jahre als Kaplan und Pfarradministrator in Furth im Wald. Nach einer Zeit als Landvolk- und Landjugendpfarrer trat er 2011 seine Stelle als Stadtpfarrer von Roding an.
Der Bischof vertraut Holger Kruschina
Schnell stieg er im dortigen Dekanat zum Dekan auf. 2018 ernannte ihn Bischof Rudolf Voderholzer zumRegionaldekan für den Bereich Cham. Kruschina gehört spätestens seitdem zum engeren Beraterkreis des Bischofs. Dieser machte ihn heuer auch noch zumBischöflichen Beauftragten für das Diözesankomitee, was als weiterer Vertrauensbeweis gedeutet werden kann.
Neben all seinen Funktionen und Aufgaben findet der 52 Jahre alte Seelsorger auch noch Zeit für seine Hobbys. Ganz vorne steht dabei die Musik. Kruschina ist begeisterter Blechbläser und Sänger. Zudem leitet er das Vokalensemble Hubert Velten, mit dem er auch schon in Nittenau gastierte. Der Pfarrer liebt die bayerische Kultur, und er hat viel Humor. Am Volksfest dirigiert er gerne mal einen Marsch, und er schätzt es, mit seinen Freunden eine Runde Schafkopf zu spielen. Der Rodinger Stadtpfarrer gilt als nahbarer Zeitgenosse. Man hört, dass er die Beichte auch bei einem ausgiebigen Spaziergang abnimmt. Zur Messe kommt er im Sommer mit dem E-Bike, im Winter mit dem E-Auto.
Nun verlässt er für seine neue Aufgabe in Nittenau die Stadt Roding. Dort hatte er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2011 viel bewegt und für Schlagzeilen gesorgt, zum Beispiel als das ZDF für einen Fernsehgottesdienst vorbeischaute. Unter seiner Führung wurden auch einige Bauprojekte angegangen, darunter die aufwendige Sanierung der Stadtpfarrkirche St. Pankratius, derNeubau der Sakristei, der Bau einer Kindertagesstätte oder die Ertüchtigung der bekannten Wallfahrtskirche Heilbrünnl.
Eine Kopfentscheidung, keine Herzensentscheidung
Angesprochen auf seinen Wechsel sagtKruschinanun: „Das war eine Kopfentscheidung, keine Herzensentscheidung. Deswegen wird mir das Weggehen auch sehr schwerfallen. Man wächst in zwölf Jahren unglaublich zusammen.“ Sein Herz bestehe aktuell aus zwei Kammern: Trauer und Freude. Und der Pfarrer erklärt weiter: „Ich werde mit Sicherheit nicht den lieben Menschen in Roding den Rücken kehren, und auch nicht der Stadt, weil sie Teil meines Lebens ist. Aber es muss allen bewusst sein, dass ich jetzt dann Pfarrer von Nittenau werde.“
Als Landvolkpfarrer sei er viel in der Diözese unterwegs gewesen. Auch in Nittenau sei er schon am Altar gestanden. Kruschina zeigt sich erfreut, dass er mit Blick auf die Gebäude seiner künftigen Pfarrei wohl zunächst nichts mit Baumaßnahmen, anders als in Roding, zu tun haben wird. Die Arbeit dürfte ihm dennoch nicht ausgehen. Trotz des Wechsels in den Kreis Schwandorf wird Kruschina weiter Regionaldekan für Cham bleiben. Und das Diözesankomitee beschäftigt ihn ja auch noch. „Von Nittenau ist es nur noch die Hälfte der Strecke nach Regensburg“, sieht der Pfarrer einen positiven Nebeneffekt.
Kruschina bei mehreren Telefonaten von Nittenau überzeugt
Der scheidende Nittenauer StadtpfarrerAdolf Schölswar einer der ersten, der von der Personalentscheidung aus Regensburg erfahren hat. Er äußert sich nun „höchst erfreut“ – wohl auch, weil er selbst offenbar intensiv für die Lösung gekämpft hat. „Er war mein Wunschkandidat, und ich habe ihn auch angerufen und auf Nittenau aufmerksam gemacht. Ebenso hat unser Kirchenpfleger Christian Elsinger mit ihm ein Telefonat geführt und dabei einen tollen Eindruck von ihm bekommen“, erklärt Schöls.
Schon bei der Ankündigung seines Abschieds aus Nittenau in Richtung Falkenstein merkte man dem 57-Jährigen in Gesprächen an, dass er nur die beste Lösung für seine bisherige Pfarrei will. „Ich habe für einen guten Nachfolger gebetet und meine Gebete sind erhört worden. Denn Pfarrer Holger Kruschina ist ein wunderbarer Mensch und Priester und wird eine große Bereicherung für unsere beiden Pfarreien sein“, sagt Schöls nun. Die Gläubigen dürften sich glücklich schätzen, „so einen tollen Priester und Menschen zu bekommen“. Er, Schöls, könne nun „mit ruhigem und frohem Herzen Abschied nehmen“. Denn einen Besseren hätte es seiner Meinung nach für Nittenau und Fischbach nicht gegeben.
