Harte Worte auf der Eröffnung des Weihnachtsmarktes im Schloss zu Abschiebungen

Von Christian Eckl · 27. November 2024 um 11:40

Der Veranstalter des Regensburger Weihnachsmarktes auf Schloss Thurn und Taxis, Peter Kittel, sorgte bei der Eröffnung für Betroffenheit. Er schilderte den Ehrengästen das Schicksal eines jungen Irakers, der am Markt arbeitet, sich gut integriert hat – und dennoch abgeschoben werden soll. Kittel skizzierte, Teile der Politik würden negieren, dass die falschen abgeschoben werden und jene bleiben könnten, „die sich am Sozialstaat bedienen“.

Empfänge folgen meist einem Ritual: Genannt wird, wer wichtig ist oder sein will. Dann kommen die Häppchen und man plaudert über dies und das. Weihnachtsmarkt-Veranstalter Peter Kittel, der die Regensburger Öffentlichkeit polarisiert, hat ein eigenes Ritual geschaffen. Seine Gäste müssen eine Art Applaus-Barometer exerzieren. Doch zwischen dem „Dreisekünder“, dem „Fünfsekünder“ und dem „Euphoriker“ wurde es plötzlich ganz leise im wunderbaren Refektorium des Schlosses. Dort, im ehemaligen Speisesaal des Klosters St. Emmeram, wo sonst etwa 200 Bedürftige eine warme Mahlzeit aus der Notstandsküche bekommen, schilderte der Veranstalter des Weihnachtsmarktes bei der Feier zur Eröffnung am Freitag eine unglaubliche Geschichte.

Vielfalt der Nationen

„Auf diesem Markt arbeiten Menschen aus 25 Nationen“, sagte Kittel. Sie würden sich in die Konzeption des Weihnachtsmarktes einfügen, die Regeln achten, die Spezialitäten aus ihrer Heimat präsentieren und Teil eines Großen und Ganzen sein. „Sie fügen sich deshalb so gut ein, weil sie unsere Kultur respektieren.“ Am Markt gebe es Syrer, die Parfums aus ihrer Heimat verkaufen, und Inder, die ihre Spezialitäten anbieten würden. „Alle sind froh und glücklich.“ Dann schilderte Kittel, dass es bei dem Caterer auf dem Weihnachtsmarkt einen Iraker gebe, der seit vielen Monaten für das Unternehmen in der Küche arbeitet. „Er ist fleißig, will hier bei uns sein und dazugehören.“ Er arbeite am Markt genauso wie in der Donau-Arena bei dem Caterer. „Alle mögen ihn, alle schätzen ihn“, so Kittel weiter. „Und genau dieser Mann soll abgeschoben werden.“

Durch die Reihen der Zuhörer und Gäste im Refektorium ging ein Raunen. Kittel hatte einen Nerv getroffen, denn mittlerweile kennen viele Menschen Ausländer, die bei den Behörden ihren Pass gezeigt haben, sich ehrlich ihren Lebensunterhalt verdienen – und denen jetzt die Abschiebung droht.

Kittel schildert, dass auch andere so etwas erleben – und nur den Kopf schütteln. „Ich habe diese Geschichte auch meiner Putzfrau erzählt. Die wiederum kannte eine Erzählung aus der Bäckerei, in der sie einkauft.“ Dort habe man einen jungen Mann aus Afghanistan aufgenommen, ihn ausgebildet und ihm Arbeit gegeben. Er soll sogar, weil die Familie keine Kinder hat, eines Tages die Bäckerei übernehmen. „Und der soll jetzt auch abgeschoben werden“, erzählt Kittel. Dabei sehe seine Putzfrau jeden Tag im Bus auch Menschen, die ins Land kommen und „unsere Sitten und Gebräuche nicht sonderlich ernst nehmen“. Auch von diesen Menschen sprach Kittel beim Empfang. „Blicken wir ein paar hundert Meter weiter Richtung Maximilianstraße und Bahnhof.“

Dort seien Menschen unterwegs, „die von woanders herkommen, die hier nichts verloren haben und deshalb auch nichts bei uns zu suchen“. Sie würden „unsere Gesellschaft bedrängen und bedrücken, sie plündern unsere Geschäfte aus und unseren Sozialstaat“. Ihn würde nicht wundern, wenn sich „Menschen von unserer Demokratie abwenden, weil sie den weißen Elefanten im Raum sehen, der von der Politik aber verdrängt wird“, sagte der Veranstalter.

Von der Rede Kittels verbreitete die MZ am Samstag auch ein Video. Seither steht das Telefon des Veranstalters nicht mehr still. „Viele haben sich gemeldet, weil sie sagen, ich habe Recht“, so Kittel im Gespräch. „Aber das ist doch schlimm, dass man mir sagt, ich hätte Rückgrat – dabei ist es doch ganz selbst verständlich, diese Dinge beim Namen zu nennen.“

Erinnerung an einen Freund

Still wurde es im Refektorium am Freitag aber nicht nur bei Kittels Anmerkungen über die Ungerechtigkeit des Asylsystems. Einer, der ansonsten zu seinen engsten Vertrauten und Freunden zählte, fehlte heuer. Es ist der Regensburger Unternehmer Andreas Insinger, der Anfang des Jahres mit nur 66 Jahren völlig überraschend starb. „Du fehlst“, sagte Kittel. Wie er Insinger kenne, werde er auf seiner Wolke sitzen und ein Manna-Bier auf Kittel, seine Gäste und den Weihnachtsmarkt trinken. Gleichzeitig begrüßte Kittel Andreas Insinger junior, der in große Fußstapfen getreten ist und sowohl das Unternehmen, als auch die Immobilienverwaltung seines Vaters weiterführt.

Veranstalter Peter Kittel bei seiner Eröffnungsrede.
Im Refektorium von St. Emmeram, dem Ort, der ansonsten der Notstandsküche als Speisesaal dient, kamen am Freitag zahlreiche Vertreter der Regensburger Gesellschaft auf Einladung von Peter Kittel zusammen.