Der Ulrichshof in Zettisch wird vom Freistaat für besondere Nachhaltigkeit ausgezeichnet

Von Stefan Weber · 22. November 2024 um 16:15

Ein großes Hotel so nachhaltig zu betreiben, dass es dem Bayerischen Umweltministerium eine Auszeichnung wert ist, das schafft nicht jeder. Familie Brandl mit dem Ulrichshof in Zettisch ist das aber nun geglückt.

Grund genug für Landrat Franz Löffler, um am Freitag gemeinsam mit Isabella Bauer (Wirtschaftsförderung des Landkreises) und Petra Meindl (Tourismus) dem Baby- und Kleinkinder-Bioresort Ulrichs-hof mit seiner erst jüngst fertiggestellten Erweiterung einen persönlichen Besuch abzustatten. Im Gepäck hatte Löffler die Urkunde des Umwelt- und Klimapaktes Bayern (siehe Info). Denn neben der Investition in Suiten und die Bereiche für die Kinder im Wert von rund 21 Millionen Euro hat die Familie Brandl auch an die Umwelt gedacht.

„Der Erfolg hat viele Aspekte in diesem Haus“, sagte der Landrat im Restaurant Ohm im obersten Stock mit Panoramablick über die Region. „Die Umwelt war aber immer ein sehr wichtiges Anliegen“, sagte er. Auch wenn er sich freue, im Jahr etwa zehn neue Mitglieder im Umweltpakt Bayern begrüßen zu dürfen, seien große Hotels dabei eher selten dabei.

Umwelt kein „Werbezweck“

Für den aus der Landwirtschaft stammenden Ulrich N. Brandl seien Bio-Zertifikate aber kein Werbezweck. Er und nun auch seine Söhne Nikolaus und Benjamin verfolgten einen tieferen Sinn damit. Das spüre der Gast und auch im Ministerium in München sei das Engagement für die Umwelt diese Auszeichnung wert, die erst einmal für drei Jahre verliehen werde.

Dafür müsse ein Hotel dieser Größe auch kräftig investieren: 100 Prozent Heizwärme aus Biomasse, Wärmerückgewinnung, fast 100 Prozent Beleuchtung mit stromsparenden LED, Regionalität bei den Lebensmitteln, Regenwasser-Nutzung und nicht zu vergessen unzählige Dachflächen mit Photovoltaikanlagen zur Stromgewinnung.

„Für mich ist das eine Grund-Selbstverständlichkeit“, sagte Ulrich N. Brandl und verwies gleich noch darauf, dass bereits 70 Prozent des Stromverbrauches für das Hotel über die PV-Anlagen erzeugt werden könne. Angestrebt werde schon bald, diesen Wert mit Speichern auf 80 Prozent weiter zu erhöhen.

Rund anderthalb Millionen Euro würden noch einmal dafür ausgegeben. „Ganz autark können wir nicht werden“, sagte er – das sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Ein Megawatt erzeugten die PV-Anlagen – ein Wert, den das Hotel während der Tag-Stunden zu 90 Prozent selbst verbrauche. Zehn Wallboxen zum Laden von E-Autos seien bereits installiert. Noch reichten die aus, doch befänden sich in der Hauptsaison mittlerweile 30 bis 40 Prozent Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Hotel-Parkplätzen. Eine Aufstockung der Zahl der Ladesäulen sei aber auch technisch kein Problem, sagt Sohn Nikolaus Brandl.

Hohe Auslastung

Mit rund 80 Prozent Auslastung, über das Jahr gerechnet, wohl bald eine weitere Investition, die sich nicht nur für das Hotel, sondern auch für die Gäste lohnen könnte. Die kommen übrigens mittlerweile aus der ganzen Welt nach Zettisch, freuen sich Ulrich N. Brandl und seine Söhne. Wie nachhaltig sie das tun, das war nun eben sogar dem Umweltministerium in München eine besondere Aufmerksamkeit wert.

Der Klima- und Umweltpakt

Ansatz: Mit der Idee, Betriebe, Unternehmer und Einrichtungen zu motivieren, betrieblichen Umweltschutz über das Maß der gesetzlichen Vorgaben hinaus umzusetzen, wurde 1995 der Umweltpakt Bayern vereinbart.

Aktuell: Mit dem Umwelt- und Klimapakt arbeiten Staatsregierung und Partner daran, Lösungen im Umgang mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu entwickeln, um Umwelt- und Klimaschutz in Unternehmen voranbringen.