Glühwein statt Capri-Sonne – Parteien in Regensburg sehen Kurz-Wahlkampf entspannt

Was bedeutet der vorgezogene Termin für Abgeordnete und Parteien in Regensburg? Das Stimmungsbild ist äußerst klar – dennoch zeichnet sich auch eine Überraschung ab.
14 Wochen sind es bis zur vorgezogenen Bundestagswahl. Noch 98 Tage, bis die Bürger mit ihrem Kreuz entscheiden, wem sie es zutrauen, das Land aus der Krise zu führen. Aber reicht diese Zeit wirklich aus, um die Ziele und Botschaften an die Frau und den Mann zu bringen? Birgt das noch auch Herausforderung? Darauf gibt es klare Antworten.
CSU-Bundestagsabgeordneter Peter Aumer betont, das vorzeitige Aus der Koalition sei immer einkalkuliert gewesen. Daher sei das „für uns nicht wirklich überraschend“ gekommen. Für die CSU in Stadt und Landkreis sei „die aktuelle Situation vielmehr Ansporn“ und die Zeit bis zum Termin ausreichend, um einen angemessenen Wahlkampf zu organisieren. Man hab sich darauf früh vorbereitet. Daher liege „auch unsere Kampagnenplanung bereits auf dem Tisch“.
Neuplanungen für überregionale Redner laufen
Aumer zeigte sich optimistisch, auch in den nächsten vier Jahren der Direktabgeordnete des Wahlkreises im Bundestag zu sein. Gemanagt wird der CSU-Wahlkampf in Stadt und Landkreis von Jürgen Hofer: Geändert hätten sich lediglich Jahreszeit und Temperaturen. Mit mehr als 80 Ortsverbänden stünden viele ehrenamtliche und voll motivierte Helfer parat. Der CSU-Bundeswahlkreisgeschäftsführer Hofer betont, viele Gespräche mit Bürgern „geben uns positiven Rückenwind für den Wahlkampf“.
Termine mit prominenten Namen planen alle Parteien. Die vorgezogene Wahl habe aber überall die Karten noch einmal völlig neu gemischt, sind sich die Vertreter einig. Wer genau wann für welche Veranstaltungen in den Wahlkreis Regensburg kommen wird, müsse daher neu abgestimmt werden.
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Und wie sieht es bei den ehemaligen Partnern der Ampelregierung aus? SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Carolin Wagner ist überzeugt, dass der Wahlkampf leicht werde. Streit habe zuletzt die Leistungen „viel zu oft übertönt“. Das wüssten die Menschen, glaubt Wagner, deshalb werde die SPD „besser abschneiden als jetzt prognostiziert“. Jetzt neu zu wählen, habe in ihren Augen noch mehr Schaden von der Partei abgewendet.
Wagner weiter: „Wir haben sofort alle Schalter umgelegt.“ Erste Wahlkampfpostkarten seien bereits geliefert, Ortsvereine würden schon eigene Plakate drucken. Die Basis, so Wagner überzeugt, sei hoch motiviert. Der Wahlkampf organisiere sich „fast von allein“. Zumal täglich Nachrichten von Menschen kämen, die sich engagieren wollen. Statt Capri-Sonne und Eis gebe es Glühwein und Lebkuchen. „Wir sind sehr gut aufgestellt.“
Grünen-Abgeordneter Schmidt spürt Rückenwind
Keine Herausforderung sieht auch Stefan Schmidt von den Grünen in dem vorgezogenen Wahltermin. Man sei inhaltlich bestens aufgestellt, weshalb er sich auf den Wahlkampf freue. Dass das Scheitern der Koalition in Berlin der Partei geschadet haben könnte, sieht er in keinem Fall. Das Ende sei von vielen als überfällig wahrgenommen worden. Er spüre seitdem Rückenwind und will „bis zum Wahltermin alles geben“, betont der Grünenabgeordnete im Deutschen Bundestag.
Einen komprimierten Wahlkampf, der so „aber spannender und zugespitzter“ werde, erwartet Ulrich Lechte von der FDP. „Wir haben Wort gehalten, dafür wurden und werden wir gewählt“, sagt er. Ein Problem sei die kurze Zeit daher nicht: Wofür die Parteien stehen, sei bekannt. Und schon immer seien „die letzten sechs Wochen entscheidend“ gewesen. Wahlkampf im Winter sei mit Blick auf Landtagswahlen, die in Bayern regelmäßig im März stattfinden, nicht Neues. Auch an Helfern mangele es nicht. Die FDP sei bestens gewappnet – Neueinsteiger und kleinere Parteien stelle das eher vor Herausforderungen.
Neuer Kandidat für den Bundestag im Spiel
Da kommen die Freien Wähler ins Spiel – die, das bestätigte Kreisvorsitzender Harald Stadler, mit einem eigenen Kandidaten für die Bundestageswahl ins Rennen gehen. „Dass Wahlen kommen, hat niemanden überrascht“, erklärt er. Den Wahlkampf nun in der Kürze der Zeit umzusetzen, sei sicher eine große Aufgabe. Das Team stehe aber bereit – spätestens kurz vor Weihnachten sei klar, wer für die FW in den Bundestagswahlkampf ziehe. Dabei drei Direktmandate zu holen, die den Freien Wählern Fraktionsstatus geben würden, hält Stadler für kein unrealistisches Ziel. „Wir können und wir werden das schaffen.“