Verleihsystem wird ausgebaut: Regensburg bleibt die „Hauptstadt der Lastenräder“

Von Rainer Wendl · 17. November 2024 um 11:00

Regensburg kann im Bundesvergleich eine hohe Dichte an Lastenrädern aufweisen. Die Popularität dieser Fahrzeugart dürfte künftig noch zunehmen.

Auf den Zuschlag folgte die Lieferung: 33 nagelneue E-Lastenräder konnte Ulrich Schmack kürzlich in seinem Lager im Westhafen in Empfang nehmen. Der Geschäftsführer von Feine Räder und Betreiber des Leihsystems „Donau Donkeys“ baut damit sein Angebot in Regensburg weiter aus. 112 Lastenräder stehen ab sofort im gesamten Stadtgebiet zum Mieten bereit, zusätzlich mit den „normalen“ E-Bikes umfasst die Flotte um die 200 Fahrzeuge.

Der Lieferung war der einstimmige Stadtratsbeschluss vorangegangen, das 2022 gestartete System weiter zu unterstützen. Bis 2029 schießt die Kommune jedes Jahr 130.000 Euro zu – und zwar aus Überzeugung. „Die zunächst auf zwei Jahre festgelegte Testphase hat uns gezeigt, dass es in Regensburg auf jeden Fall einen entsprechenden Bedarf gibt“, wird Nahmobilitätskoordinator Thomas Großmüller im stadteigenen Online-Magazin „regensburg507“ zitiert.

Die „Donau Donkeys“ lobt er als „nachhaltige Alternative zum Auto für den urbanen Transport, sei es von Waren oder von Kindern“. Das nun erweiterte Angebot helfe beim Vorantreiben der Verkehrswende und mache den Bürgern den Umstieg auf eine nachhaltige Mobilität schmackhaft.

Verknüpfung der Verkehre

„Es ist wichtig, dass die Stadt mit gutem Beispiel vorangeht“, sagt Schmack zu dem verlängerten und erweiterten Engagement. Bei der Verbandstagung vom Verbund Service und Fahrrad (VSF) in Mannheim hat er kürzlich sogar eine bundesweite Wirkung dieser Politik festgestellt: „Regensburg gilt als eine Art Hauptstadt der Lastenräder. Unsere Lastenrad-Dichte ist extrem hoch und die Stadt versucht mit allen Mitteln, die Leute zum Umsteigen zu bewegen.“

Zum zufriedenen Zurücklehnen gebe es dennoch keinen Grund. Ganz im Gegenteil: Schmack geht die Verkehrswende trotz aller Bemühungen zu langsam voran, weshalb er in seinem missionarischen Eifer keinen Deut nachlässt. „Das Sharing-System weiter in der Gesellschaft verschrauben“, beschreibt er seinen Ansatz, mit dem er eine weit größere Zielgruppe als Freizeitnutzer erreichen will.

Überbetriebliches Sharing

Eine große Rolle spielt daher die Entwicklung des überbetrieblichen Sharings. Hinter diesem Begriff steht der Gedanke, gemeinsam mit Unternehmen Firmen-Fahrradflotten mit dem öffentlichen Verleih zu verknüpfen. So haben Mitarbeiter die Möglichkeit, neben den Firmenrädern sämtliche Drahtesel aus dem „Donau Donkey“-Sortiment gratis zu nutzen.

Auf diese Weise können Firmenräder auch im öffentlichen System, zum Beispiel am Bahnhof, abgegeben werden – umgekehrt können „öffentliche“ Räder im privaten Hub der Firma geparkt werden. „So entsteht Multimodalität, die intelligente Verknüpfung der Verkehrsträger Rad, Bus, Bahn und Mitfahrgemeinschaften“, schwärmt Schmack.

Diese Idee findet bei Unternehmen unterschiedlichster Größe Anklang. So hat Continental zehn Räder für den innerbetrieblichen Verkehr zwischen den Standorten Siemensstraße und Blumenstraße angeschafft. Als weitere Nutzer listet Schmack die Anwaltskanzlei Schlachter und Kollegen, Brücke-Stadtrat Florian Rottke mit seiner Werbeagentur und den beiden Kiosk-Cafés oder auch die Architekturbüros Dömges und Andreas Eckl auf.

„Ich halte das für einen sehr guten Beitrag zur Verkehrswende“, sagt Eckl, „das schafft einen Anreiz, diese Art von Mobilität zu nutzen.“ Bei seiner Belegschaft habe er diesen Effekt in kürzester Zeit bemerkt: „Meine Mitarbeiter sind auf dieses Angebot sensibilisiert und nutzen es bei Terminen im Stadtgebiet mittlerweile gerne. Schon allein deshalb, weil die Parkplatzsuche und damit ein Zeitfaktor wegfällt.“

Am Geld scheitert’s nicht

Genau auf dieses Umdenken setzt Schmack, übrigens auch bei Handwerkern. „Wenn einer eine Badewanne transportieren muss, ist klar, dass er den Lieferwagen nimmt“, bleibt er realistisch. Doch mit Blick auf viele Arbeitstage, an denen das schwere Gerät bereits vor Ort ist, fragt er: „Muss es dann sein, dass der Lieferwagen stundenlang in der Altstadt steht? Ich bin überzeugt, dass oft auch ein Lastenrad reichen würde.“

So geht die Mission also weiter. Zur Forcierung des Umdenkens – darauf macht der „Donau Donkeys“-Betreiber aufmerksam – gibt es übrigens reichlich Fördergelder von Stadt und Staat. Als „Mobilitätsberater“ zeigen er und sein Team den Weg dazu auf, denn: „Am Geld scheitert die Mobilitätswende nicht.“

KOMMENTAR: Es geht mehr als man denkt

„Mit Lastenrädern allein wird es nicht gehen“, lautet die verkehrspolitische Aussage, die neulich gleich zwei Stadtratsmitglieder in einer Ausschusssitzung von sich gegeben haben. Was für ein überflüssiger Satz! Es tut regelrecht weh, derlei Quark immer wieder hören zu müssen.

Es hat nämlich noch nie jemand behauptet, dass alle Verkehrsprobleme mit Lastenrädern zu lösen wären. Nicht einmal ein „Missionar“ wie Ulrich Schmack tut das. Doch er führt uns vor Augen: Es gibt in einer kompakten Stadt wie Regensburg etliche tägliche Wege, die keinesfalls zwingend mit dem Auto bewältigt werden müssen. Sondern zum Beispiel auch mit dem geliehenen Lastenrad zurückgelegt werden können. Nicht immer, aber viel öfter als man glaubt. Schnell, günstig, praktisch und sogar mit stattlicher Transportkapazität.

Die Möglichkeit dazu ist flächendeckend da, warum also nicht regelmäßig nutzen? Ganz ohne ideologische Scheuklappen und natürlich auch ohne den Anspruch, „die Welt retten zu wollen“ (noch so ein überflüssiger Satz). Es reicht völlig, den Verkehr in Regensburg ein wenig zu entlasten.