Es muss nicht mit dem Auto sein: So geht es nachhaltig zu Spielen von Jahn Regensburg

Von Rainer Wendl · 8. August 2024 um 19:00

Mit dem Auto zum Stadion und möglichst am Spielfeldrand parken? Diese Anspruchshaltung passt nicht mehr in die Zeit, der Jahn geht den Trend zu alternativen Anreise-Möglichkeiten mit.

„Da kann man ja nicht parken!“ Diese Feststellung wurde zu Zeiten des alten Jahnstadions an der Prüfeninger Straße gerne als Hinderungsgrund für einen Besuch von Spielen des SSV vorgetragen. Mit dem vor neun Jahren erfolgten Umzug in die neue Arena in Oberisling hat sich das erledigt. Hier kann man parken, insgesamt stehen direkt am Stadion 1883 gebührenpflichtige Pkw-Stellplätze zur Verfügung, im weiteren Umgriff noch einmal um 1550 kostenlose mehr.

Allerdings haben sich auch in anderer Hinsicht die Zeiten geändert. Der Anspruch, sein Auto quasi am Spielfeldrand abstellen zu können, kommt mehr und mehr aus der Mode. Der Jahn trägt diesem Trend Rechnung und forciert unter dem Motto „Autofreier Spieltag“ alternative Möglichkeiten der Anreise. Vor dem ersten Heimspiel der neuen Zweitliga-Saison am heutigen Freitag hat der Verein nun eine weitere vorgestellt.

Neue SSV-Freunde finden

Ab sofort gehört das Münchner Start-up RideBee zu den Partnern der Regensburger Fußballer. Das Unternehmen bietet über seine Internet-Seite oder auch per App Mitfahrgelegenheiten an, das heißt: Wer sich registriert, bekommt eine Übersicht geliefert, wo andere Fans noch freie Plätze im Auto haben.

So lassen sich Fahrgemeinschaften bilden, die laut einer Pressemitteilung des Jahn gleich vier Vorteile mit sich bringen: Man findet neue SSV-Freunde, spart Sprit- und Parkkosten, fördert eine umweltschonendere Mobilität und trägt zu weniger Stau rund ums Stadion bei.

Bereits seit dem vergangenen Jahr besteht die Kooperation zwischen dem Jahn und Feine Räder. Das Fahrrad-Fachgeschäft betreibt unter dem Namen „Donau Donkeys“ in Regensburg und Umgebung ein Verleihsystem für E-Bikes, vor allem für E-Lastenräder. Registrierte Nutzer können sich an Spieltagen mit der Eingabe eines Codes kostenlos eines sichern und zum Stadion und wieder zurück fahren.

„Ich bin sehr positiv überrascht von der starken Nutzung des Codes“, sagt Feine-Räder-Geschäftsführer Ulrich Schmack, der einräumt, „keine Ahnung von Fußball“ zu haben. Die Partnerschaft mit dem Jahn sei eher zufällig entstanden: Der Verein habe sich wegen Rädern erkundigt, er habe im Lauf des Gesprächs eine Beteiligung des Klubs am Verleihsystem vorgeschlagen, erzählt Schmack. „Die Leute vom Jahn waren von der Idee auf Anhieb begeistert.“

Der Erfolg des Angebots lässt sich konkret beziffern. Bei den 20 Heimspielen der vergangenen Saison wurde der Code 463Mal genutzt, die entsprechenden Aufzeichnungen ergeben rund 2300 Leih-Stunden. Geht man von einer durchschnittlichen Wegstrecke von zehn Kilometern zum Stadion und wieder zurück aus, wurden durch die Freifahrten mit den „Donau-Donkey“-Rädern 4600 Auto-Kilometer ersetzt.

„Besonders effektiv ist eine Kombination der Mobilitätsangebote, also wenn Jahn-Fans mit Bahn oder Bus zum Hauptbahnhof fahren und dort dann auf eines unserer E-Bikes umsteigen“, sagt Schmack.

Freie Fahrt in ganz Ostbayern

Damit spricht er den Service an, der seit Eröffnung des neuen Stadions besteht: Die Eintrittskarte fürs Jahn-Spiel ist immer auch ein im gesamten Gebiet des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV) gültiges Ticket für Bus und Bahn. Philipp Hausner, der kaufmännische Geschäftsführer des SSV Jahn, bezeichnet dies als „Meilenstein, um den Fans eine einfache, umweltschonende und kostenfreie Anreise zu den Heimspielen zu ermöglichen“.

Der bekannteste Bestandteil dieses Angebots ist der Sonderbus-Verkehr vom Hauptbahnhof zum Stadion, auf den laut Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk bei sehr gut besuchten Spielen 3500 Fans zurückgreifen. Hinzu kämen noch die Zuschauer, die in die Busse der regulär zum Stadion führenden Linien einsteigen. Insgesamt schätzt Gottschalk den Anteil der ÖPNV-Nutzer im Publikum auf 25 Prozent.

Ihre Reise beginnt dank der erwähnten Gültigkeit im gesamten RVV-Gebiet oft schon weit vor den Toren Regensburgs, wie Jahn-Sprecher Hannes Liedl betont: „So können Stadionbesucher auch die streckenmäßig eher weiten Anreisen aus beispielsweise Weiden, Schwandorf, Amberg, Neumarkt, Cham und Straubing mit Bahn und Bus absolvieren.“ Für dieses weitreichende Angebot erhalte der Verein „viel positives Einzelfeedback von Fans aus den umliegenden Landkreisen“.

Für Hausner treffen sich damit und mit den zusätzlichen Mobilitätsangeboten zwei zentrale Anliegen des SSV: „Wir möchten die Menschen der gesamten Region Ostbayern für den Jahn begeistern. Zudem möchten wir einen Beitrag zu einer umweltschonenden und nachhaltigeren Fan-Mobilität leisten, was wiederum auch zum Wohle der Region geschieht.“