Auf diese Duelle kommt es an: Gegen Gegner wie Ulm sollte der Jahn punkten

Zum Start war Hannover 96 (0:2) schlichtweg eine Nummer zu groß für den Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg. Zum Heimauftakt kommt am Freitagabend (18.30 Uhr) nun mit Mitaufsteiger SSV Ulm aber ein Gegner der Kategorie, gegen die es im Kampf um den Klassenerhalt unbedingt zu punkten gilt.
Das sehen auch die Protagonisten selbst so. „Wir freuen uns sehr auf das erste Heimspiel der Saison. Das ist ein ganz wichtiges Spiel für uns“, unterstreicht Trainer Joe Enochs. Vor allem zu Hause sei es wichtig, gegen einen direkten Konkurrenten zu punkten. „Wir wollen das Spiel mit aller Macht gewinnen“, erklärt Sebastian Ernst. Andreas Geipl würde derweil prinzipiell am liebsten „gegen jeden Gegner punkten“. „Aber natürlich gibt es Spiele, wo man sagt, da solltest du punkten, gerade zu Hause.“ Und Ulm ist so ein Kontrahent. „Wir wollen daheim eine Macht werden“, erklärt der Kapitän die großen Ambitionen der Regensburger im Jahnstadion.
Ex-Ulmer mit Insiderwissen
Rund 12.000 Zuschauer werden bei der Heim-Rückkehr in die 2.Liga erwartet. 1200 Ulmer werden ihre Mannschaft, die von der Regionalliga aus durchmarschiert ist, begleiten. In der Vorsaison hatten sich die Kontrahenten schöne Duelle geliefert. Während der Jahn in der Hinrunde daheim mit 2:0 souverän die Oberhand behalten hatte, war der spätere Zweitliga-Meister beim 1:0 in der Rückrunde das bessere Team.
Heilfroh dürften sie beim Jahn sein, dass sich Leonardo Scienza zu Heidenheim in die Bundesliga verabschiedet hat. Mit dem feinen Techniker hatten die Oberpfälzer und alle anderen in der Liga große Probleme. Enochs warnt davor, dass Ulm auch ohne den Brasilianer spielstark sei. „Der Abgang hat ihnen zwar sicherlich weh getan, die Mannschaft ist aber insgesamt sehr stabil“, analysiert der Regensburger Trainer.
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Wie praktisch, dass Enochs mit Oliver Seitz einen absoluten Ulm-Experten in seinen Reihen hat. Der eine SSV hat dem anderen SSV im Sommer den Co-Trainer abgeworben. In Ulm war der Analyse-Spezialist seit 2019 aktiv, entschied sich dann aber für eine neue Herausforderung in der Oberpfalz. „Natürlich ist es ein Vorteil, dass Oli bei uns ist und ein bisschen Insiderwissen hat“, freut sich Enochs, der aber zugleich einschränkt: „Ulm hat seine Spielweise aber ein bisschen verändert.“ Sein 42 Jahre alter Kollege Trainer Thomas Wörle ist ohnehin immer für eine Überraschung gut. Ulm fährt mit großem Respekt zum Aufsteiger-Duell. Seine Mannschaft erwarte eine „schwere Aufgabe", sagt Wörle. „Aber wir freuen uns, dass wir jetzt unser erstes Auswärtsspiel in der zweiten Liga erleben dürfen."
Bei der Rückkehr ins Unterhaus nach 23 Jahren verlor Ulm am vergangenen Sonntag zu Hause unglücklich mit 1:2 gegen Kaiserslautern und hofft nun darauf, die ersten Punkte zu holen. Der Jahn stehe defensiv sehr gut und habe einen klaren Fokus auf Konter, erklärt Wörle. „Da haben sie viel Tempo, da haben sie eine unheimliche Zielstrebigkeit."
Diese will Enochs bei den Regensburgern im ersten Heimspiel sehen. Mit Blick auf das 0:2 in Hannover gibt es viel Luft nach oben bei den Regensburgern. „Ulm geht mit Selbstvertrauen aus der Rückrunde in die Saison“, warnt Enochs. Dort hatten sie der Konkurrenz die Fersen gezeigt. „Deswegen gilt es für uns, eine Top-Leistung bringen zu müssen, wenn wir hier gegen eine Mannschaft wie Ulm gewinnen wollen.“
Schönfelder drängt ins Team
Enochs fordert auch mehr Giftigkeit. Sein Team wird wahrscheinlich nicht erneut ohne gelbe Karte auskommen. Auch in der Startaufstellung könnten die Verantwortlichen des SSV Jahn die eine oder andere Umjustierung vornehmen. „Es kann ein, zwei Positionen oder drei Positionen geben, wo wir gegen Ulm vielleicht bessere Variante sehen“, sagt Enochs, der wieder auf die beiden Außenverteidiger Nico Ochojski (Fußprellung) und Oscar Schönfelder (war krank) zurückgreifen kann. Letztgenannter könnte den in Hannover schwachen Bryan Hein ersetzen. Auch Christian Kühlwetter mischte nach auskuriertem Muskelfaserriss wieder voll mit. Ob ein Einsatz von Beginn an schon drin ist, das ist aber fraglich.
Im Duell der Aufsteiger gibt es übrigens jeweils ein Jubiläum zu feiern: Ulm steht vor dem 300. Spiel in der 2. Bundesliga, Regensburg vor dem 350. In der ewigen Tabelle rangiert der Jahn auf Rang 51. Interessanterweise nur einen Platz vor den Ulmern. Aus den sechs Punkten Vorsprung (371) sollten am besten neun werden.