Lastenräder als Firmenflotte? – Regensburger Unternehmer sagen: „Das funktioniert“

Lastenräder werden gerne als Modevehikel für urbane Hipster-Eltern verspottet. Doch die Cargo-Bikes bieten auch Unternehmen vor allem in Innenstädten Vorteile. Einige Regensburger Betriebe haben sie in ihren Fuhrpark aufgenommen – und berichten über ihre Erfahrungen.
Ulrich Schmack hat eine Mission. Die lautet simpel: Autokilometer ersetzen. Sein Mittel dazu sind Lastenräder. Der Inhaber des Fahrradhandels „Feine Räder“ in Regensburg setzt auf Gewerbetreibende, die sicher ein wenig idealistisch, aber auch praktisch denken.
So wie Florian Rottke, der mit dem Zweirad-Laster Kaffeesäcke, Espressomaschinen und allerlei andere Güter für seine Kioske durch die Regensburger Stadt transportiert. Rottke betreibt in Regensburg einen Kiosk zwischen Galeria Kaufhof und Sparkasse sowie das Milchschwammerl im Park am Bahnhof. Beide Stationen sind per Auto nur schwer erreichbar, parken geht auch nicht. Wenn Rottke Hafermilch im Großhandel besorgt, dann hat er schnell mal 100 Kilogramm Last zu transportieren; oder den im Schwammerl selbst gerösteten Kaffee, ein Sack davon wiegt rund 60 Kilo.
Seit etwa eineinhalb Jahren nutzt Rottke Lastenräder sozusagen als Firmenflotte und ist hochzufrieden. „Wir brauchen das Auto im Geschäftsalltag überhaupt nicht mehr. Ich finde das spitze.“
7000 Auto-Kilometer gespart
Auch das Hörhaus, ein Anbieter von Hörgeräten und -systemen mit oberpfalzweit rund 30 Filialen, nutzt Lastenräder für seine sieben Standorte in Regensburg. Geschäftsführer und Gesellschafter Achim Stockmaier ist begeistert: „Das funktioniert sensationell, wunderbar schnell und zuverlässig.“ Abgewickelt würden etwa Transporte zu Kunden oder zwischen Labor und Zentrale. Ökologisch vorteilhaft ist es obendrein. Stockmaier hat ausgerechnet, dass das Hörhaus innerhalb eines Jahres 7000 Auto-Kilometer eingespart hat. Für ihn ist klar: „Wir werden das beibehalten.“
Großer Industriebetrieb testet
Doch nicht nur kleinere Mittelständler nutzen Lastenräder. Demnächst, so Schmack, werde auch einer der größten Industriebetriebe in Regensburg einen Teil seines Transports zwischen zwei Standorten in der Stadt damit abwickeln. Den Namen darf er noch nicht nennen.
Schmack sagt, rund 60 Unternehmen hätten sich angemeldet für ein Förderprogramm („Mobil gewinnt“) der Bundesregierung. Dieses unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu 60 Prozent dabei, Fahrräder, Pedelecs, Lastenräder, Ladeinfrastruktur anzuschaffen bzw. ein Sharing- und Fuhrparkmanagement zu installieren. Die Antragsfrist lief in seiner zweiten Staffel Ende März aus, könnte aber verlängert werden. Die Resonanz war, so meint Schmack, nicht besonders üppig, was ihm zufolge vor allem daran gelegen haben könnte, dass es nahezu unbekannt sei. Komplex sei die Beantragung obendrein, deshalb unterstütze er Interessenten dabei.
Der Regensburger Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt (Grüne) erklärte auf unsere Nachfrage, es gebe von den Verkehrspolitikern wegen der laufenden Haushaltsverhandlungen keine verbindliche Aussage zu einer möglichen Verlängerung. Im Gegensatz zu Schmack sagt Schmidt, das Programm werde gut angenommen. Die Grünen wünschten sich von den Ressorts Finanzen und Verkehr, „dazu einen Aufschlag zu machen“.
Großes Potenzial, wenige Nutzer
Wer nun glaubt, das Lastenrad sei nur für besonders Umweltbewegte mit minimalem Transportvolumen eine Alternative, der irrt offenbar. Denn laut einer Studie könnten 60 Prozent des Warenwirtschaftsverkehrs im Innenstadtbereich per Lastenrad abgewickelt werden. Realität ist aber, dass heute nur ein verschwindend geringer Anteil darauf entfällt.
Das bestätigt Wolfgang Eck, Sprecher für den Bundesverband Betriebliche Mobilität. Dieser ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Netzwerk mit Fokus auf betriebliche Mobilität. Aus der Mitgliedschaft höre der Verband bisher nichts zu Lastenrädern. „Und wir haben auch Zweifel, ob das für die betriebliche Mobilität ein aufstrebendes, relevantes Thema ist.“
Alternative für Handwerker
Wenn, dann sei das wohl eher in ausgewählten Segmenten denkbar, aber nicht in größerem Stil. Sicher gebe es perfekte Möglichkeiten auf der letzten Meile oder in Innenstädten.
Für Schmack ist allerdings klar, dass die Mobilitätswende auch auf das Lastenrad angewiesen ist. Und dass die Nachfrage wächst. Bei ihm sei die Nutzung zuletzt stark gestiegen. Zwischen Anfang 2023 und 2024 hätten sich die Ausleihungen verdreifacht. „Wir müssen die Städte leerer bekommen von Autos und Lkw“, ist Schmack überzeugt. Bei Handwerkern gebe es viele Termine und Fahrten, die per Zweirad funktionieren würden. „Wir müssen diese Entweder-Oder-Haltung aufbrechen“, stattdessen das Rad als Ergänzung betrachten. Günstiger als das Auto sei es allemal. Selbst wer das Full-Service-Leasing-Paket wählt, komme auf 120 bis 160 Euro im Monat, etwa halb so viel, wie ein Kleinwagen kostet.
Angebot mit vielen Varianten
Ulrich Schmack hat mehrere Möglichkeiten kreiert, Lastenräder zu nutzen – per Kauf, Leasing, Miete.
Fuhrparks: Außerdem ist die Organisation des Fuhrparks auf verschiedenen Wegen möglich. Im privaten Modell können nur Mitarbeiter des Unternehmens die Räder in der App mieten. Die Räder dürfen nur an den Firmenstandorten freigeschaltet und zurückgegeben werden. Im halböffentlichen Modell können die Räder an öffentlichen „Donau Donkeys“ Stationen (Betreiber ist Schmack) in der Stadt abgestellt und dort die Miete beendet werden. Die Räder können von jedermann angemietet werden, sobald sie nicht reserviert sind. Die Mitarbeiter wiederum können jedwedes Rad der Schmack-Flotte in Regensburg leihen. Bringen sie es zu einem Firmenstandort, wird es dort dem privaten Pool zugeordnet und kann hier nur noch von Mitarbeitern ausgeliehen werden. Beim öffentlichen Sharing werden bei den Unternehmen Stationen der Donau Donkeys geschaffen, leihen kann dort aber jeder.