Tumult im Ankerzentrum in Regensburg endet vor Gericht mit „Hinterzimmer-Deal“

Drei Tunesier attackieren Security mit Stühlen, Flaschen und Fäusten. Der Prozess in Regensburg wegen besonders schweren Landfriedensbruchs endete, ohne das ein einziger Zeuge gehört wurde. Die Männer kamen frei.
Am 10. April wütet ein wilder Mob im Regensburger Ankerzentrum. Es fliegen Flaschen, Stühle und Fäuste auf Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes – gut 20 Minuten geht das so. Der Polizei gelingt es erst mit Androhung eines Taser-Einsatzes, die Lage zu beruhigen. Am Donnerstag standen dafür drei Tunesier (24, 29 und 35 Jahre) vor Gericht. Sie verließen das Justizgebäude auf freiem Fuß. Nach einem Prozess, der vielmehr an einen „Hinterzimmer-Deal“ erinnert.
Was war genau passiert? Auslöser des Tumults an jenem Mittwochabend im April war ein Streit unter den Asylbewerbern. Als die Security im Zimmer eintraf, wendete sich das Blatt gegen sie. Als den Männern wegen des strikten Alkoholverbots die Flaschen abgenommen werden sollten, eskalierte die Lage völlig. Ein Wachmann bekam eine Bierflasche auf den Hinterkopf, einen anderen traf einen Stuhl, wieder einen anderen die Faust ins Gesicht. Das rief weitere Bewohner des Ankerzentrums auf den Plan, die sich wohl lautstark einmischten.
Bis zu 80 Mann wüten im April im Innenhof
Die Szenerie verlagerte sich in den Innenhof, wo die Wachleute weiter attackiert wurde. Bis zu 80 Personen, uneinsichtig und aggressiv, fand die Polizei bei ihrem Eintreffen vor. Erst Minuten später gelang es schließlich, die Angreifer auszumachen und festzunehmen. Sie landeten wegen besonders schwerem Landfriedensbruch erst in U-Haft und gestern vor dem Richter. Nur drei der fünf damals verhafteten Tunesier standen vor Gericht, zwei andere hatten für die Tat Strafbefehle erhalten, waren entlassen worden und sind seither nicht mehr auszufinden.
Was genau die Ermittlungen der Polizei in diesem Fall zutage gebracht haben, kam im Prozess am Amtsgericht am Donnerstag allerdings nicht zur Sprache. Unmittelbar nach Verlesung der Anklage gab es ein Rechtsgespräch. Richter Kohlmüller, der Vertreter der Anklage sowie die drei Verteidiger Philipp Pruy, Marius Hoser und Robert Hankowetz zogen sich zurück. Gut 80 Minuten später, ohne die sonst übliche Zusammenfassung dessen, was besprochen wurde, räumten die Angeklagten über ihre Anwälte die Vorwürfe vollumfänglich ein.
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Üblicherweise werden Angaben der Angeklagten in der folgenden Beweisaufnahme dann zumindest ansatzweise verifiziert. Es muss geprüft werden, ob kein falsches Geständnis abgelegt wurde. Doch auch das geschah am Donnerstag auf ungewöhnliche Weise: Richter Kohlmüller ordnete das Selbstleseverfahren für acht Seiten eines Ermittlungsberichts an, die der Dolmetscher den drei Tunesiern übersetzte. Nur Minuten später, nach Verlesung der Vorstrafen und Fragen zu persönlichen Verhältnissen der Angeklagten, wurde bereits plädiert.
Richter gibt ein Jahr und gewährt Bewährung
Das Gericht folgte in seinem Urteil beim Strafmaß den Anträgen des Staatsanwalts und verhängte für die 24 und 29 Jahre alten Tunesier ein Jahr Haft. Bei der Bewährung entsprach es den Plädoyers ihrer Anwälte. Die hatten argumentiert, dass eine allein unklare Bleibeperspektive der Männer nicht ausreiche, um Bewährung zu versagen. Einzig im Fall des Ältesten sah der Richter keine Option: Der 35-Jährige war kurz vor der Tat vom Amtsgericht in Amberg zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden – nun gab es acht Monate obendrauf.
Weil die Tunesier durch die U-Haft den größten Teil der Strafen bereits abgesessen haben, verließen alle drei das Gericht deshalb als freie Männer. Zwei der drei Urteile wurden noch im Sitzungssaal rechtskräftig.