Wärmepumpe: Absatz eingebrochen – Verunsicherungen beruhen oft auf Fehlinformationen

Von Franziska Mahler · 16. November 2024 um 18:30

2023 noch Spitzenwerte, heuer der große Einbruch bei der Nachfrage nach Wärmepumpen. Vom politischen Ziel der Energiewende ist man damit noch weit entfernt und Unternehmen, die viel in den Bereich investiert haben, stehen teils vor existenziellen Problemen. Wir haben mit Experten aus Mainburg (Landkreis Kelheim) und Regensburg gesprochen.

Zur Erinnerung: Das erklärte Ziel des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) war, ab 2024 jährlich 500.000 Wärmepumpen zu installieren. Doch der Absatz von Wärmepumpen ist im Vergleich zum Vorjahr um 52 Prozent eingebrochen. Das teilt der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) mit. Im gesamten Jahr schätzt der BDH, dass 740.000 Wärmeerzeuger abgesetzt werden − davon 200.000 Wärmepumpen.

Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg, weiß, dass diese Marktlage für einige Unternehmen ein Problem ist. In Teilen der Industrie gehe es derzeit ums Überleben, sagt er. Denn einige seien in Vorleistung gegangen und hätten in den Ausbau ihrer Werke investiert – und sind damit quasi „in die Falle gelaufen“.

Firma Wolf hat stark in die Wärmepumpensparte investiert

Die Firma Wolf, die von der börsennotierten Ariston-Gruppe übernommen wurde, zählte 2023 am Stammsitz in Mainburg (Lkr. Kelheim) 1555 Beschäftigte. Der Heizspezialist hat viel in die Wärmepumpensparte investiert. Gerdewan Jacobs ist Geschäftsführer für Technik. Gegenüber der Mediengruppe Bayern sagte er vergangenes Jahr, dass in Mainburg eine Produktionshalle umgebaut wurde, um Platz für zusätzliche Wärmepumpen-Linien zu schaffen. Zwischen 2019 und 2022 hat Wolf die Kapazität für Wärmepumpen bereits verzehnfacht. 2023 sollte sie erneut gegenüber dem Vorjahr verdoppelt werden, 2024 noch einmal. Doch benötigt wird diese Kapazität bei dieser Marktlage wohl eher nicht.

Was die aktuelle Auftragslage angeht, hält sich Dr. Thomas Kneip, Vorsitzender der Geschäftsführung, bedeckt. „Wir sind jederzeit bereit, unsere Produktionsmengen bedarfsgerecht hochzufahren, sobald sich der Markt wieder erholt“, sagt er. Auf die Frage, ob wegen der aktuellen Marktlage Investitionseinschnitte notwendig werden, antwortet Kneip, dass man auf langfristiges Wachstum setze. Mainburg werde ein wichtiger Standort bleiben, das Logistikzentrum in Siegenburg ist bereits in Betrieb und das Besucherzentrum in Mainburg werde Mitte nächsten Jahres eröffnen.

Bürgern die Verunsicherung nehmen

Dass die Lage angespannt ist, hat auch das Bundeswirtschaftsministerium begriffen. In dessen Auftrag wurde Anfang November eine bundesweite Wärmepumpen-Woche unter der Leitung der Deutschen Energie-Agentur durchgeführt. Für Niederbayern und die Oberpfalz setzte die Energieagentur Regensburg die Aktion in sechs Städten um. Die Zielgruppe: vor allem Bürger. „Die Leute sind verunsichert und haben oft zu wenige oder falsche Informationen“, sagt Friedl. Etwa drei Viertel der insgesamt 400 Besucher hätten zum Beispiel gedacht, dass der Einbau einer Wärmepumpe in ein Bestandsgebäude keinen Sinn macht.

„Die Wärmepumpe muss gegen ihr Image ankämpfen.“ Fälschlicherweise werde sie zum Beispiel als Stromfresser und schlechtes Heizsystem abgetan. Ein Blick nach Skandinavien, wo rund 70 Prozent der Heizungen Wärmepumpen sind, zeigt: Selbst dort schaffen sie es, die Häuser im Winter warm zu halten, so Friedl. Auch die Aussage „eine Wärmepumpe ist teuer“ stimme so nicht. Die Preise seien nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine in die Höhe geschnellt, weil die Nachfrage so hoch war. „Das ist schon lange wieder abgeflacht.“ Und: Wie Kneip erläutert, sind die Fördermöglichkeiten derzeit sehr attraktiv. Bei einem Auftragswert von bis zu 30.000 Euro könnten Verbraucher mit einem einkommensabhängigen Bonus bis zu 70 Prozent Förderung erreichen.

Wärmepumpe wurde zum „politischen Spielball“

Friedl nimmt besonders Teile der Politik in die Kritik . „Es war eine Kampagne gegen die Wärmepumpe. Sie wurde zum politischen Spielball.“

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Habeck selbst mit seinem Gebäudeenergiegesetz für Verunsicherung gesorgt hat – wenn nicht sogar für Angst, dass bald jeder eine teure Wärmepumpe einbauen müsse. Friedl findet, es sei richtig gewesen, dass Habeck das Thema angegangen ist. Doch mit dem Ablauf und der Geschwindigkeit hätte er die Bürger nicht unbedingt mobilisiert.

Nun gelte es, die Falschinformationen und Unsicherheiten durch gute und neutrale Beratung aus den Köpfen der Bürger zu bekommen. Womöglich war die Kampagne dafür ein wichtiger Schritt: Bundesweit habe die Woche der Wärmepumpe circa 50.000 Menschen erreicht, schätzt Friedl.

Heizungstausch: Bürger warten ab

Was sowohl Friedl als auch Kneip zusätzlich wahrnehmen, ist eine „Abwarthaltung“ bei den Bürgern, etwa wegen noch ausstehenden kommunalen Wärmeplanungen. Das zeigt auch eine Umfrage im Auftrag der Initiative klimaneutrales Deutschland unter Besitzern von Ein- und Zweifamilienhäusern. Die generelle Bereitschaft, das eigene Haus energetisch zu sanieren, nimmt ab. Eine Rolle spielt zum Beispiel die Sorge, in wenigen Jahren nach neuen Standards erneut sanieren zu müssen. Und selbst der Neubaumarkt, wo die Wärmepumpe mittlerweile laut Kneip als „die Technik“ angesehen ist, schwächle. Denn im Moment wird weniger gebaut.

Schlechte Zukunftsaussichten also? Laut Friedl zeichne sich Besserung ab. „Die alten Heizungen sind da.“ Im Bestand werde noch zu 90 Prozent mit Öl und Gas geheizt, rund 15 Millionen Heizungen in Deutschland sind sanierungsbedürftig. Auch Kneip sagt: „Ich habe keine Sorge, dass der ganze Markt zusammenbricht.“ Er ist zuversichtlich, dass er langfristig wieder steigen und der Anteil an Wärmepumpen zunehmen wird. „Wir sehen die Wärmepumpe als Heizsystem der Zukunft.“

Dr. Thomas Kneip, Vorsitzender Geschäftsführung der Firma Wolf
Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg Foto: Tanja Fröhlich