Heizspezialist Wolf in Mainburg: Eine Wette auf die Wärmepumpe

Der Heizspezialist Wolf aus Mainburg (Landkreis Kelheim) glaubt an den langfristigen Boom von Wärmepumpen und weitet seine Produktion aus. Andere Hersteller investieren dafür vor allem in Osteuropa. Wolf dagegen geht einen eigenen Weg.
Erst war die Nachfrage noch relativ zaghaft. Dann folgte ein beispielloser Boom. Und jetzt erst einmal ein massiver Dämpfer. Selten gab es ein derartiges Hü und Hott wie rund um die Wärmepumpe. Der erbitterte Kampf um das Gebäudeenergiegesetz, all die Halb- und Unwahrheiten, haben für die Branche eine enorme Wucht entfaltet. Mittendrin in den Turbulenzen befindet sich das Unternehmen Wolf in Mainburg. Der Heiz- und Klimaspezialist fährt gegenwärtig seine Kapazitäten für den Bau von Wärmepumpen rasant nach oben.
Hü und Hott um das Heizungsgesetz
Gerdewan Jacobs ist bei Wolf Geschäftsführer für Technik und Service und gilt persönlich als Pionier in der Wärmepumpentechnik. Für ihn fühlten sich die vergangenen zwei Jahre an wie ein „Achterbahn-Rodeo“. Erst die beispiellose Nachfrage nach Kriegsbeginn in der Ukraine, als Gas sehr teuer wurde und die Angst umging, wir müssten im Winter frieren. Inzwischen ist der fossile Rohstoff wieder billiger geworden, die Angst geringer. Das Gebäudeenergiegesetz macht deutlich weniger Tempo bei der Umstellung der Heizungen als zunächst vorgesehen. Obendrein fehlt den Verbrauchern nun die Planungssicherheit bei der Förderung. In der Folge sinkt die Nachfrage nach Wärmepumpen aktuell deutlich, gesteht Jacobs ein, will aber nicht konkreter werden. Die Zahl der Förderanträge auf Bundesebene ist jedenfalls massiv zurückgegangen.
Weniger neue Aufträge
Für Wolf heißt das in der Gesamtschau laut Jacobs im Interview mit unserer Zeitung: „Wir sind maximal ausgelastet. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Der Auftragseingang aber sinkt deutlich.“ Er sieht deswegen keinen Grund, die geplante massive Ausweitung der Produktion zu bremsen. Das Unternehmen baut am Sitz in Mainburg (Landkreis Kelheim) eine Produktionshalle um, um Platz für zusätzliche Wärmepumpen-Linien zu schaffen. Zwischen 2019 und 2022 hat Wolf die Kapazität für Wärmepumpen bereits verzehnfacht. Heuer soll sie erneut gegenüber dem Vorjahr verdoppelt werden, und im kommenden Jahr noch einmal. Jacobs geht davon aus, dass die momentane Orderschwäche vorübergehend ist. „Die Nachfrage wird wieder stark steigen.“ Denn: „Die Wärmepumpe ist die Technologie der Zukunft.“ Allerdings räumt Jacobs ein, dass das Auf und Ab schwer zu managen sei.
Leider werde in der politischen Debatte viel „Unsinn“ verbreitet, etwa dass die Wärmepumpe im Winter komplett mit Strom heize. Jacobs räumt ein, dass es einige – eher wenige – Bedingungen gebe, unter denen sie nicht die beste Lösung sei: Bei alten, sehr schlecht gedämmten Gebäuden etwa könne eine Gasbrennwertheizung sogar ökologisch im Vorteil sein. Aber nur in relativ wenigen Fällen.
Weniger Gas, Öl sowieso, im Gegenzug mehr Wärmepumpen – diese Verschiebung wird bei Wolf deutlich sichtbar. Noch produzieren die Niederbayern mehr Gasbrennwertgeräte als Wärmepumpen, die mittlerweile rund ein Drittel der Wärmeerzeuger in der Produktion ausmachen. Doch schon bald dürfte die Wärmepumpe in Führung gehen, erwartet das Management. Dass Wärmepumpen aufgrund der höheren Stückzahlen massiv billiger werden, sieht der Wolf-Vorstand – zumindest jetzt – noch nicht. Erst müssten die Erweiterungsinvestitionen der Hersteller und Zulieferer eingespielt werden. Zudem könne niemand die Preisentwicklung bei Rohstoffen voraussagen.
Wolf gewinnt Marktanteile
Wolf profitiert nicht nur vom langfristigen Trend, sondern gewinne auch Marktanteile. Besonders bei hocheffizienten Luft-Wasser-Wärmepumpen habe sich das Unternehmen in die Spitze der Anbieter vorgearbeitet, so Jacobs. Diese Geräte sind vor allem Ein- und Zweifamilienhäusern, aber auch kleineren Mehrfamilienhäusern inzwischen das Mittel der Wahl.
Der Trend hin zur Wärmepumpe findet global statt. Manche Länder sind viel weiter als Deutschland, andere dürften nachziehen. Der Wettbewerb ist international und wird schärfer. Der Verkauf des Wärmegeschäfts der Branchengröße Viessmann an ein US-Unternehmen erschütterte Politik und Öffentlichkeit. Asiatische Hersteller drängen nach Europa. Die Unternehmen aus Fernost verfügen vor allem über Know-how bei Klimaanlagen, die im Prinzip die gleiche Technologie beherbergen wie Wärmepumpen. Viele Hersteller investieren massiv, aber kaum in Deutschland, stattdessen in Osteuropa.
Wolf verfährt anders: „Wir bleiben hier“, verspricht Jacobs. Heute würden sämtliche Wolf-Wärmepumpen in Mainburg gebaut. Das soll so bleiben. „Wir wollen es hier schaffen. Wir optimieren unsere Prozesse und bleiben so wettbewerbsfähig.“ Schließlich habe Wolf zuletzt Marktanteile hinzugewonnen, obwohl Wettbewerber ihre Fertigungen in Billiglohnländer verlagert hätten. Diese Strategie trage auch der neue Eigentümer. Wolf ist erst vor wenigen Monaten von der börsennotierten Ariston-Gruppe übernommen worden und dort der wesentliche Player bei Wärmepumpen. Diese Zugehörigkeit sieht Jacobs positiv: Sie sorge für eine Größe, die wohl notwendig sei, um bestehen zu können.
Noch ein Vorteil, der Wolf gegenwärtig wachsende Marktanteile beschert: Wolf hat frühzeitig auf das Kältemittel Propan gesetzt. Seit 2018 verwendet das Unternehmen das natürliche Gas, mittlerweile ist es in den allermeisten Wolf-Anlagen enthalten. Wolf hat damit das synthetische Kältemittel mit PFAS ersetzt. Dieses wird als „Jahrhundertgift“ bezeichnet, ist äußerst schwer abbaubar und stark ozonschädlich – also ein höchst schädliches Treibhausgas. Allerdings ist Propan entzündlich, was eine aufwendigere Sicherheitstechnik erfordert. Diese verteuert die Herstellung der Anlagen „substanziell“, erklärt Jacobs.
Pionier bei Kältemittel
Aus ökologischer Sicht führe an der Umstellung auf Propan kein Weg vorbei, sagt der Wolf-Manager. Mittlerweile folgten die anderen Unternehmen dem Beispiel Wolfs, die meisten Neuentwicklungen enthielten keine künstlichen Kältemittel mehr. Dabei helfe auch, dass die Bundesregierung Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel wie eben Propan mit einem fünfprozentigen Förderplus unterstütze.
Die enormen Steigerungen bei den Wärmepumpen sorgen für mehr Arbeitsplätze. Gegenwärtig beschäftigt Wolf 1555 Menschen in Mainburg (bundesweit 1750 mit den Verkaufsberatern in den Verkaufsbüros). Es sollen mehr werden, sagt Jacobs, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Mehr Wärmepumpen bedeuteten mehr Mitarbeiter in Service, Entwicklung, Digitalisierung, aber künftig auch weniger Gas- und Ölanlagen. In Summe „brauchen wir mehr Fachkräfte in allen Bereichen“. Und weil Wolf in der Wärme- und Energiewende Teil der Lösung sei, sieht man sich trotz all der Automobilstandorte um sich herum als attraktive Alternative mit High-Tech-Anspruch für Arbeitskräfte. Jacobs sagt: „Der Fachhandwerker ist der Akademiker der Zukunft.“ Und sein Job lasse sich nicht nach Asien verlagern.
