Engpässe bei Versorgung von Diabetikern mit Insulin? - Einige Medikamente sind Mangelware in Cham

Von Bernd Hofmann · 13. November 2024 um 19:00

Für viele Diabetiker ist Insulin im Alltag unabdingbar. Diesen Donnerstag ist Weltdiabetestag. Anlass ist der Geburtstag von Frederick Banting, dem Entdecker des Insulins. Doch was über Jahre selbstverständlich war, ist heute keine Garantie mehr: Nicht jeder bekommt immer die Medikamente, die er braucht. Wie steht es um die Versorgung der Diabetiker im Landkreis?

Eine Antwort hat Jutta Rewitzer, Apothekensprecherin des Landkreises und Apothekerin in Furth im Wald. Zwei Medikamente bereiten Diabetikern momentan Sorgen: NovoRapid, ein schnell wirkendes Insulin, und die Spritze Ozempic.

NovoRapid von einem der großen Insulinhersteller Novo Nordisk wird für die Regulation des Blutzuckers genutzt. Es wird in Insulinpumpen und in Insulinpens verwendet. Für die Pens, wiederverwendbare Spritzen mit regulierter Insulinabgabe, werden auswechselbare Kartuschen angeboten.

„Wir haben momentan ein bisschen Probleme mit NovoRapid für die Pumpen, können aber über Pens ausweichen“, sagt Rewitzer. Es handle sich meistens um ein Befüllungsproblem, da Pens und die Kartuschen geliefert würden. Nur an Insulin für die Pumpen fehle es momentan.

„Abnehmspritze“ fehlt weiter

Caroline Rank ist Apothekerin in der Zimmermann-Apotheke in Cham. An die sem Tag hat sie Glück, NovoRapid ist lieferbar. „Es ist ein tägliches Lotteriespiel was lieferbar ist und was nicht“, sagt sie.

Die Spritze Ozempic wurde Anfangs des Jahres als sogenannte „Abnehmspritze“ gehyped. Seitdem nutzen auch Nicht-Diabetiker das Medikament. Eigentlich ist dieses für Menschen mit Diabetes Typ 2 gedacht, die abnehmen sollen. „Ozempic sorgt für Sättigung, weil es Magenentleerung verlängert. Nahrung bleibt länger im Magen und regt die Insulinausschüttung an“, so Rewitzer.

Anfang des Jahres begann der Andrang auf die Spritze und mit ihm der Engpass. „Ozempic ist immer noch nicht lieferbar“,sagt die Apothekerin. Die Situation sei seit Jahresbeginn unverändert: „Ich habe nicht immer eine Spritze im Kühlschrank. Wenn Lieferungen kommen, kann ich meine Patienten, die in der Warteschlange sind, anrufen.“

Der Andrang habe jedoch nachgelassen. „Wir haben nicht mehr neue Nachfragen als sonst, aber die, die es brauchen, brauchen es kontinuierlich, und deswegen hat man eine stetige Nachfrage.“ Eine Besserung der Lage kann erst eintreten, wenn der Hersteller seine Produktion erhöht.

Die Chamer Apothekerin Rank hat Ozempic gerade im Kühlschrank und noch ein weiteres Produkt: Wegovy soll Abhilfe beim Engpass von Ozempic schaffen. Das Medikament wirkt ähnlich wie Ozempic. Es ist aber grundsätzlich für das Abnehmen beabsichtigt, nicht zur Behandlung von Diabetikern mit Typ 2. Ob Ozempic-Patienten, die kein Diabetes haben, auf Wegovy umsteigen werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Umstellungen erforderlich

Eine weitere Herausforderung kommt im nächsten Jahr auf Diabetiker zu: Die Einstellung von mehreren Humaninsulinen der Firma Nova Nordisk. Laut Rewitzer wurden diese ursprünglich aus dem körpereigenen Insulin des Schweines entwickelt, welches immer mehr an humane Anforderungen angepasst wurde. Seitdem wurden weitere Insulinarten für verschiedene Zwecke entwickelt, wie eben das Insulianalogon NovoRapid, das kein Humaninsulin ist.

Andreas Klinge, Diabetologe und Vorstandsmitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft sprach im Gespräch mit dem Handelsblatt vom „Ende der Humaninsuline in Deutschland.“

So schätzt Rewitzer die Situation noch nicht ein: „Humaninsuline werden weiterhin eine Bedeutung haben.“ Für Patienten mit den betroffenen Insulinen gebe es alternative Therapien und Verfahren: „Man muss das neu aufrollen und neu einstellen. Das ist aber natürlich nicht einfach für manche Patienten, die etwa im Pflegeheim wohnen.“

Im Vergleich mit den angrenzenden Landkreisen steht der Landkreis Cham, was die Anzahl von an Diabetes erkrankter Menschen angeht, im Mittelfeld. Laut Gesundheitsatlas der AOK 2022 sind in der Region ungefähr 12.000 Menschen, oder 11,34 Prozent der Bevölkerung, an Diabetes Typ 2 erkrankt. Damit hat Cham einen geringeren Anteil als Schwandorf, aber mehr Diabetiker als Regen, Straubing-Bogen und der Landkreis Regensburg.

Momentan schwierig zu bekommen: Das Insulin NovoRapid - hier in einem Insulinpen.