Auch im Landkreis Cham werden Abnehmspritzen stark nachgefragt

Abnehmen und das nur durch einen Pieks: Das versprechen Präparate wie Ozempic und Wegovy, besser bekannt als sogenannte Abnehmspritzen. Seitdem diese in Deutschland verfügbar sind, ist um sie ein regelrechter Hype entbrannt. Nicht ganz ohne Folgen: steigende Nachfrage und teils lange Lieferzeiten sind nicht nur für die Apotheken problematisch, sondern gefährden auch die Versorgung von Diabetespatienten.
Dass die zweckentfremdende Nutzung des Präparats Ozempic Probleme in der Versorgung von Diabetes-Patienten zur Folge hat, bestätigt auch Dr. Gerhard Groeneveld, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie. Er betreibt jeweils in Cham und Furth im Wald eine Praxis. „Momentan ist es eine einzige Katastrophe. Die Patienten klappern alle Apotheken ab. Die wiederum klappern alle Großhändler ab“, sagt er.
Probleme in der Versorgung
Das Problem kennt auch Jutta Rewitzer, Apothekensprecherin im Landkreis Cham und Inhaberin der Stadt-Apotheke in Furth im Wald. „Die Versorgung mit Ozempic ist nach wie vor schwierig“, bestätigt sie. Dennoch schaffe sie es derzeit noch, all ihre Kunden mit dem Medikament zu versorgen. „Allerdings kann ich nicht so viele Medikamente bestellen, wie ich möchte“, sagt sie. Stark nachgefragt werde Ozempic auf jeden Fall. Derzeit bewege sich der Apothekenabgabepreis für die langfristig empfohlenen Dosen von einem bis zu drei Monaten zwischen 80 und 200 Euro. Deutlich höher sei der Preis von Wegovy, der Adipositas-Variante der Abnehmspritze.
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Gerhard Groeneveld zumindest glaubt, dass die Liefersituation voraussichtlich dieses Jahr noch eng bleiben wird. Für ihn gestalte sich indes vor allem die Neueinstellung von Diabetikern äußerst schwierig.
Der vermehrt anderweitigen Verwendung der Abnehmspritze, etwa um Gewicht zu verlieren, steht der Mediziner kritisch gegenüber. Zwar verzögere Ozempic nachweislich die Magenentleerung und reduziere das Hungergefühl. Jedoch gibt Groeneveld zu bedenken, dass eine nachhaltige Gewichtsabnahme immer auch ausreichend Bewegung erfordert, denn „bei jeder Gewichtsabnahme müssen gleichzeitig Muskeln aufgebaut werden“, so der Diabetologe. Sein Credo laute daher: „Abnehmen ist leicht, Gewicht zu halten ist schwieriger“.
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Um also auf lange Sicht durch die Abnehmspritze Gewicht zu verlieren, müsse das Medikament dauerhaft angewendet werden. „Die Leute müssen wissen, dass es nicht heilt“, sagt Groeneveld, der auch von alleiniger Niedrigkalorienkost, wie etwa dem Basenfasten, persönlich wenig hält. „Ein sehr niedriger Kaloriengehalt ohne gleichzeitige Bewegung geht in aller Regel schief“. Dies stellten etwa multimodale Therapiekonzepte sicher. Diese enthalten laut Groeneveld unter anderem eine kombinierte Ernährungs- und Bewegungstherapie.
Außerdem gibt er zu bedenken, dass der Umfang der Abnehmwirkung durch Ozempic von Patient zu Patient unterschiedlich ist. Bei Menschen, die generell große Mengen ohne Sättigungsgefühl essen können, wirke die Spritze tendenziell besser. Bei „Snackern“ hingegen sei der Abnehmerfolg durch das Präparat deutlich geringer.
Dass die Diabetiker-Variante für Leute ohne Bedarf verordnet wird, bezeichnet Groeneveld als Dauerproblem. Der Appell an seine Kollegen lautet daher, Ozempic wirklich nur an Diabetiker zu verschreiben.
Zwar sei die Abgabe von Ozempic in Deutschland rezeptpflichtig, dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass Ärzte das von Diabetikern so dringend benötigte Medikament auch Nicht-Diabetikern verschreiben. Wird ein Präparat oder eine Behandlung für ein anderes Krankheitsbild oder in einer anderen Dosierung oder Anwendungsform verordnet als dies in der Zulassung vorgesehen ist, spricht man von einem „Off-Label-Use“, erklärt Groeneveld. Laut Jutta Rewitzer seien die Ärzte mittlerweile dazu angehalten, das Präparat nur noch an Diabetes-Patienten zu verschreiben.
Weitaus weniger problematisch sieht Groeneveld hingegen die Verschreibung von Wegovy. Anders als Ozempic sei dies ohnehin ausschließlich für Patienten mit einem BMI über 30 zugelassen. Sorgen bereitet dem Mediziner hingegen die dritte Variante Mounjaro, wie sie derzeit in den USA zugelassen ist. „Ich befürchte, dass auch dieses Präparat über kurz oder lang nach Deutschland überschwappen wird“.
Fälschungen im Internet
Dass aufgrund der hohen Nachfrage vor allem im Internet mittlerweile eine Reihe an Fälschungen kursiert, ist Groeneveld bekannt. „Gerade bei Ozempic sind viele Fälschungen im Umlauf“, sagt er. Um sich selbst zu schützen, rät er von einem leichtfertigen Kauf im Internet dringend ab. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte mit einem Rezept eine Apotheke aufsuchen. Dass zumindest im regulären deutschen Pharmamarkt keine gefälschten Varianten von Ozempic und Wegovy im Umlauf sind, kann Jutta Rewitzer bestätigen. „Durch einen Sicherheitscode kann auch keine gefälschte Ware in den Apothekenmarkt gelangen“, sagt sie.
Nicht zu unterschätzen sind laut Gerhard Groeneveld indes die Risiken der Abnehmspritze, die bei einer Anwendung auch Nichtdiabetiker betreffen können. Diese variieren im Einzelfall zwischen Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Problemen, Verstopfungen bis hin zu Schilddrüsenkarzinomen.

