Natürlich fit in Erkältungszeit: Chamer Kräuterpädagogin und Ernährungsberaterin geben Tipps

Von Sabrina Kauer · 5. Oktober 2024 um 19:00

Braune Blätter fallen von den Bäumen, die Tage werden kürzer. Draußen ist es nass und frisch. Die kalte Jahreszeit hat begonnen, und mit ihr die Saison für Erkältung und Grippe. Doch es gibt einen Lichtblick: Eine Ernährungsberaterin und eine Kräuterpädagogin aus dem Landkreis Cham haben einige Tipps, um das Immunsystem auf natürliche Weise zu stärken und so die kalte Jahreszeit ohne Erkältung oder Grippe zu überstehen.

Die richtige Ernährung ist dabei das A und O, weiß Esther Bauer, Ernährungsberaterin aus Blaibach. Wenn die Nahrungsaufnahme stimmt, dann ist der Darm gesund. Das bedeute wiederum eine verbesserte Vitamin- und Nährstoffaufnahme und somit ein starkes Immunsystem. „Es ist sinnvoll, immer gesund zu essen. Klar darf es auch Ausnahmen geben, aber man hat weniger Erkältungen bei einer guten Ernährung“, sagt Bauer.

Wichtig: Nährstoffe erhalten

Notwendig seien vor allem Antioxidantien wie Vitamin C, die den Körper widerstandsfähig machen, so Bauer. Zudem sei es essenziell, viel frisches Obst und Gemüse zu essen. Dabei laute die Devise: Dreimal täglich eine Handvoll Gemüse und zweimal täglich eine Handvoll Obst. „Das ist das Wichtigste. Wir essen das eh viel zu wenig“, sagt Esther Bauer.

Zudem sollte man darauf achten, dass die Lebensmittel regional und saisonal sind. „Durch den Transport um die halbe Welt gehen viele wichtige Nährstoffe verloren“, so Bauer. Außerdem sollten es bevorzugt frische Nahrungsmittel sein und diese schonend zubereitet werden. „Man kann aber auch Tiefkühl-Lebensmittel verwenden, die vor Ort schockgefroren wurden. Da sind die Nährstoffe noch enthalten“, sagt sie und führt als Beispiel Himbeeren an. „Die haben zwar gerade keine Saison, aber zusammen mit Naturjoghurt, Haferflocken und einer Handvoll Nüssen für die gesunden Fette bilden sie ein super Frühstück.“

Auch eine schonende Zubereitung ohne Hitze helfe dabei, dass wichtige Nahrungsstoffe wie Vitamin C nicht verloren gehen. Wie Esther Bauer sagt, würden viele meinen, dass Zitrusfrüchte den größten Vitamin C-Anteil haben. Falsch. Es sind roter Paprika und Beeren, erklärt die Ernährungsberaterin.

Beim Kochen würden 50 Prozent des Vitamin C verloren gehen. Besser sei deshalb das Dampfgaren, „da liegt der Verlust bei 10 bis 15 Prozent“. Im Optimalfall esse man Obst und Gemüse aber einfach roh.

Auch ein frisch gepresster Zitronensaft sei besser als das Heiße-Zitrone-Pulver, das es zu kaufen gibt. Bei Vitamin C besteht keine Gefahr der Überdosierung, so Bauer. „Wenn es zu viel ist, scheidet es der Körper einfach aus.“

Saftkuren und Smoothies haben zu viel Zucker

Einmal täglich eine Handvoll Nüsse und Beeren, mehrmals pro Woche Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Bohnen oder Linsen und überwiegend Vollkornprodukte gehören ebenfalls zum Ernährungsplan, wenn der Körper und das Immunsystem gestärkt werden sollen. Von Saftkuren und Smoothies rät die Ernährungsberaterin ab, weil „der Zuckergehalt zu hoch ist“.

Zudem sollte man mindestens 1,5 Liter Wasser trinken. Auch verdünnte Saftschorlen und Tee ohne Zucker sind laut Esther Bauer gut.

Wenn es um Tees geht, hat Kräuterpädagogin Monika Kerner einige Tipps. Ein Klassiker ist der Hagebuttentee, „den unsere Großeltern schon gemacht haben. Er ist ein super Vitamin C-Spender und sehr gut zur Stärkung des Immunsystems“, sagt Kerner.

Wirkungsvolle Tees

Sie empfiehlt, die Hagebutten selbst zu pflücken und nicht die fertigen Tees mit dem künstlichen Vitamin C-Pulver zu kaufen. Solange es draußen noch nicht gefriert und die Beeren noch nicht matschig sind, können diese gepflückt werden.

Bei der Verarbeitung könne man die Kerne mit den feinen Härchen herausnehmen und nur die Schalen trocknen. „Aber das braucht’s eigentlich gar nicht“, sagt Kerner. Es funktioniere auch, wenn man die Hagebutten halbiert, trocknet und zum Verzehr durch ein feines Teesieb abseiht, sodass die Härchen hängenbleiben. „Meine Oma hat’s immer so gemacht. Dann hat man wirklich einen tollen Tee, weil da tatsächlich die wichtigen Inhaltsstoffe drin sind, so wie man sich’s wünscht“, so die Kräuterpädagogin.

Hat es einen doch einmal mit einem Infekt erwischt, seien Tees mit Linden- oder Holunderblüten Klassiker. „Sie sind schweißtreibend und wirkungsvolle Mittel bei einer Erkältung“, so Kerner. Zudem helfen beispielsweise Tees aus Spitzwegerich oder Salbei. Zur Not können einige schöne Blätter auch noch im Winter gezupft und dann verarbeitet werden, sagt Kerner.

Gegen die Grippe kann eine Impfung helfen

Keine harmlose Erkältung: „Die Grippe ist mehr als nur eine harmlose Erkältung. Sie kann ernsthafte gesundheitliche Komplikationen nach sich ziehen, insbesondere bei vulnerablen Gruppen. Die perfekte Zeit für die Grippeschutzimpfung sind die Monate Oktober und November. Im Winter ist es oft schon zu spät“, sagt Internist und Kardiologe Dr. Bernd Hardmann in einer Presseinfo der Sana Kliniken des Landkreises Cham. Er ist dort Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin. Symptome einer Grippe: Die Grippe wird durch Tröpfcheninfektion (z. B. beim Niesen oder Husten) übertragen. Fieber, trockener Reizhusten sowie starke Kopf- und Gliederschmerzen seien klassische Symptome. „Im Vergleich zu einer Erkältung treten die Symptome bei einer Influenza meist deutlich schneller und heftiger auf, und der Körper braucht häufig länger, um sich zu erholen“, heißt es in der Presseinfo.

Gefahr für Ältere und Vorerkrankte: „Für ältere Menschen oder Patienten mit Vorerkrankungen kann das Virus sogar lebensbedrohlich werden und zum Beispiel zu einer Lungenentzündung führen, die weitere fatale Krankheitsreaktionen im Körper auslösen kann“, teilen die Sana Kliniken mit.

Impfung: „Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Menschen ab 60 Jahren jährlich im Herbst. Bei chronischen Erkrankungen und Immunschwäche ist die Impfung auch für unter 60-Jährige sinnvoll“, so Sana. Die Impfung erhält man beim Hausarzt. Auch manche Firmen bieten die Impfung während der Arbeitszeit an.

Schutz: Die Impfung biete keine 100-prozentige Sicherheit, schütze aber vor einem schweren Krankheitsverlauf.

Herzinfarkt-Risiko: „Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus den Niederlanden zeigt: Patienten mit einer akuten Influenza haben ein sechsfach höheres Risiko für einen Herzinfarkt“, so Sana. Die Forschungsergebnisse hätten laut Presseinfo gezeigt, „dass die Wahrscheinlichkeit für einen akuten Herzinfarkt im Zeitraum von einer Woche nach Diagnose der Grippeerkrankung erhöht ist“.

Internist und Kardiologe Dr. Bernd Hardmann klärt über die Grippe auf. F.: Sana Klinik Cham