Chamer Ärzte über die Influenza-Hochsaison - und darüber, ob sich die Impfung noch lohnt

Die Grippewelle im Landkreis Cham nimmt ihren Lauf. Immer mehr Menschen erkranken an Influenza und grippalen Infekten. Chamer Ärzte geben Tipps, um Influenza vorzubeugen und sagen, ob sich die Impfung noch lohnt.
Die Grippewelle hat Cham fest im Griff. Aktuell häufen sich Fälle von Atemwegserkrankungen und Influenza. Dies bestätigt auch Dr. Marina Schaupp, Ärztin im Gesundheitsamt Cham: „Die Grippewelle nimmt gerade ihren Lauf. Im Januar haben wir bisher 160 bestätigte Fälle von Influenza – 93 davon alleine in der Kalenderwoche vier. Daran merkt man die steigende Tendenz der Infektionsfälle.“ Es sei allerdings von einer wesentlich höheren Dunkelziffer auszugehen, da viele Erkrankte mit ihren Symptomen nicht zum Arzt gehen und somit nicht statistisch erfasst werden.
Infektionszahlen steigen
Dem stimmt auch Jutta Rewitzer, Sprecherin der Apotheken im Landkreis Cham, zu: „Tatsächlich werden die meisten Erkrankten gar nicht darauf getestet, ob es sich um Influenza, einen anderen grippalen Infekt oder eine Erkältung handelt.“
Obwohl die Infektionszahlen in Bezug auf Influenza aktuell weiter steigen, hält die Chamer Hausärztin Dr. Johanna Etti die Situation nicht für beunruhigend: „Auch wir haben in unserer Praxis gerade viele Infektionspatienten, die Zahlen sind aber nicht überdurchschnittlich hoch. Die gehäuften Fälle von Influenza sind für diese Jahreszeit normal.“
Trotz ähnlicher Symptome äußert sich Influenza meist heftiger und schlagartiger als andere Atemwegserkrankungen. „Influenza beginnt in der Regel mit einem plötzlichen und massiven Krankheitsgefühl. Dazu gehören auch Glieder- und Kopfschmerzen“, erklärt Rewitzer. „Zudem verläuft Influenza tendenziell schwerer und hält länger an als Erkältungen oder grippale Infekte. Da kommt es häufig vor, dass die Erkrankten fünf bis sieben Tage bettlägerig sind“, ergänzt die Ärztin Marina Schaupp. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass Influenza auch symptomlos verlaufen kann – auch in solchen Fällen sind die Infizierten ansteckend.
So lange lohnt sich die Grippeimpfung noch
Ob sich eine Impfung aktuell noch lohnt, sei laut Jutta Rewitzer davon abhängig, wie viele soziale Kontakte man in letzter Zeit hatte: „Für diejenigen, die in den vergangenen Wochen nur wenig unter Menschen waren, macht eine Impfung auch im Januar noch Sinn. Dies gilt auch für diejenigen, die zu Risikogruppen gehören.“ Auch Ärztin Marina Schaupp kann eine Grippeimpfung aktuell empfehlen: „Der Wendepunkt der Grippewelle ist noch nicht erreicht. Natürlich ist es am besten, sich zwischen Oktober und Dezember gegen Influenza zu immunisieren, doch noch ist es nicht zu spät. Die Empfehlung gilt insbesondere für Menschen über 60 Jahren, Schwangere sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen.“ Laut Hausärztin Johanna Etti sollten sich alle Impfwilligen jedoch nicht zu viel Zeit mit dem Pieks lassen: „Die Impfung lohnt sich noch die nächsten zwei bis drei Wochen.“
Marina Schaupp vom Gesundheitsamt erklärt, dass es unterschiedliche Ansteckungsmöglichkeiten gibt, wenn es um Influenza geht: „Zum einen verbreitet sich das Virus durch Tröpfchen.“ Bei Tröpfcheninfektionen gelangen Viren, die im Rachenraum oder in den Atemwegen siedeln, beim Niesen, Husten oder Sprechen durch winzige Speicheltröpfchen in die Luft. Werden diese von einem anderen Menschen eingeatmet, kann sich dieser ebenfalls mit dem Virus infizieren. „Außerdem können sich Menschen durch Oberflächen anstecken“, so Schaupp. In solchen Fällen gelangen ebendiese Tröpfchen auf Türklinken, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln und weitere Oberflächen, die viele Menschen im Alltag berühren, wodurch die Ansteckungsgefahr steigt.
Diese Tipps helfen, Grippe und Infektionen vorzubeugen
Neben der Impfung helfen deshalb einfache Hygienemaßnahmen – wie regelmäßiges Händewaschen – um der Grippe und anderen Infektionen vorzubeugen. „Außerdem gibt es immunstärkende Präparate und Nasensprays, die einen Schutzfilm auf der Nasenschleimhaut bilden. Die Nase ist nämlich die Eintrittspforte für Viren – deshalb macht so ein Schutzspray schon Sinn“, empfiehlt die Sprecherin der Apotheker im Landkreis, Jutta Rewitzer.
Auch Schaupp sieht einen Sinn hinter besagtem Nasenspray: „Die Grippesaison fällt auf den Winter, da Viren zum einen in der Kälte länger überleben. Gleichzeitig trocknet die kalte Luft unsere Schleimhäute aus, die folglich spröde werden – und somit anfälliger für Viren. Deshalb macht es auf jeden Fall Sinn, seine Nasenschleimhäute mit Hilfe von pflegendem Nasenspray feucht zu halten.“
Immunsystem stärken
Des Weiteren empfehlen die Ärztinnen Schaupp und Etti unisono, sich gerade während der Grippesaison auf die Stärkung des eigenen Immunsystems zu fokussieren. „Man sollte mehr raus an die frische Luft gehen und sich viel bewegen. Gleichzeitig sollte man versuchen, zu viel Stress zu vermeiden, da auch dieser unser Immunsystem schwächt. Zusätzlich sollte man darauf achten, genug Vitamine zu sich zu nehmen“, empfiehlt Marina Schaupp.
Johanna Etti rät zudem dazu, während der Influenza-Hochsaison große Menschenansammlungen zu meiden: „Dies gilt insbesondere für Menschen mit chronischen Vorerkrankungen. Für Risikopatienten ist es oft sinnvoll, an Orten, wo viel gehustet und geniest wird, eine Schutzmaske zu tragen.“
