Das Gulasch schmeckt, der Braten fehlt: Wie zufrieden sind die Senioren mit dem Mittagessen?

In Rötz gehört es quasi zur „Stadtkultur“, dass die Senioren, die im Gemeindebereich leben, an drei Tagen in der Woche in der Grundschule gemeinsam ein warmes Mittagessen einnehmen können.
Bis zum Ende des vorigen Schuljahrs wurden sie dabei, wie die Schüler, von der „hauseigenen“ Zwergerlküche versorgt. Seit Beginn des neuen Schuljahrs liefert der Dienstleister Bon Cibus Menüservice, eine Firma der Gruppe SequVita Fersch Gesundheitsdienste Rötz/Neunburg vorm Wald, das Mittagessen. Diesen Donnerstag gab es Rindergulasch mit Nudeln und Salat als Beilage und als Nachspeise Früchtejoghurt. „Es hat geschmeckt“, sagen die Senioren, die an diesem Tag zum Essen in die Schule gekommen sind.
Doch es gibt auch einiges, das sie sehr vermissen, seit es die Zwergerlküche nicht mehr gibt: Mit direkt vor Ort zubereiteten Speisen könne man einen Menüservice einfach nicht vergleichen, sagt eine der Seniorinnen. Heute habe es ihr gut geschmeckt, aber sie würde sich öfter Salat zu den Hauptgerichten wünschen. Eine andere Seniorin gibt an, Salatdressing und Soßen hätten ihr persönlich früher besser geschmeckt.
Kein Schweinefleisch mehr
Mehlspeisen gebe es relativ oft, finden einige andere Senioren, und „vor eine Mehlspeise gehört eigentlich eine Suppe“. Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, „wäre das etwas Gutes“. „Lieber öfter einmal eine Suppe und dafür die Nachspeise weglassen“, so die Meinung einer Seniorin. Denn während es in der Zwergerlküche meist Vor-, Haupt- und Nachspeise gegeben habe – oder eine zweite Beilage –, falle nun jeweils eine Komponente weg. Für die meisten ist es aber der Schweinebraten-Donnerstag mit selbst gemachten Knödeln, den sie am meisten vermissen – denn Schweinefleisch wird nun nicht mehr angeboten.
Marion Viehauser und Gerhard Fersch, die Betreiber von Bon Cibus, erklären, warum das so ist: Man versorge mit dem Essen die eigene Einrichtung, biete Essen auf Rädern für Senioren an und beliefere daneben Sozialeinrichtungen sowie mehrere Schulen und Kindergärten, neben Rötz in Neunburg vorm Wald, Winklarn, Dieterskirchen und Schwarzhofen. „Für die verschiedenen Einrichtungen produzieren wir 400 bis 500 Essen täglich“, erklärt Fersch. Neunburger Schulen, die etwa 250 Essen pro Schultag beziehen, hätten die Vorgabe gemacht, dass sie mit keinen Gerichten mit Schweinefleisch beliefert werden.
Eine Putenwiener und eine Wiener aus Schweinefleisch seien optisch schwierig auseinanderzuhalten und die Gefahr einer Verwechslung groß – „daher müssen wir insgesamt ohne Schweinefleisch arbeiten.“ Der Tatsache, dass Putenfleisch teurer sei als Schweinefleisch, sei in diesem Fall auch die Preisgestaltung geschuldet.
Doch es gebe auch allgemein starke Preissteigerungen im Lebensmittelbereich, fügt Marion Viehauser hinzu, was wahrscheinlich jeder selbst beim Einkaufen im Alltag spüre.
Früher hat das Mittagessen in Rötz für die Kinder 4 Euro gekostet, nun liegt der Preis bei 4,60 Euro. Die Senioren haben 5 Euro für das Essen aus der Zwergerlküche gezahlt, nun sind es 6,50 Euro. Der frühere Preis aus der Zwergerlküche wäre mittelfristig auf keinen Fall mehr zu halten gewesen, erklärt Bürgermeister Dr. Stefan Spindler auf Anfrage.
Der Preis ist auch der Grund, warum die Senioren das Mittagessen für die Kinder bekommen, allerdings von der Menge als auch vom Preis her angepasst. „Es war uns wichtig, dass wir den Senioren weiterhin ein Mittagessen zu einem möglichst günstigen Preis anbieten können und sind dankbar, dass uns das durch Bon Cibus ermöglicht worden ist“, so Spindler weiter.
Allerdings gäbe es auch die Möglichkeit, einen extra Speiseplan für die Senioren anzubieten, bei dem zwei Menüs zur Auswahl stehen würden und die sowohl Suppe als auch Hauptgang und Nachspeise beinhalten. „Auch dieses Essen könnte man direkt in die Schule liefern“, erklärt Fersch. Der Preis für das Mittagessen, das aus drei Komponenten besteht, läge bei 8 Euro. „Wir werden die Senioren befragen, ob Interesse an dem Angebot besteht“, kündigt der Bürgermeister an.
Preiserhöhung ab Januar
Zum Thema Preis gibt Fersch an, dass man ab dem 1. Januar um einen Aufschlag von 0,50 Euro je Gericht nicht herumkomme, den Lieferketten und den Preissteigerungen bei den Zutaten geschuldet. Das habe man allerdings von Anfang an offen kommuniziert.
Spindler weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es, was die Schüler betrifft, finanzielle Hilfen gebe, wenn eine Familie sich das Schulessen nicht (mehr) leisten könne. Dass man mit Bon Cibus einen regionalen Anbieter bekommen habe, der die Speisen frisch zubereite, darüber sei man seitens der Stadt sehr froh. Er habe sowohl beim Probeessen mit unter anderem Vertretern des Elternbeirats als auch im Schulalltag von den Kindern selbst gehört, dass diese mit der Schulverpflegung sehr zufrieden seien. Verbesserungsvorschläge der Senioren seien von Mitarbeitern der Schulküche und ihm an Bon Cibus weitergegeben worden.
Man bringe beim Zubereiten der Gerichte in der 500 Quadratmeter großen Gewerbeküche so viele Zutaten wie möglich aus der eigenen Bio-Landwirtschaft ein, Kartoffeln, Gemüse und Obst, erklärt Fersch, der gebürtiger Rötzer ist. Beim Kochen sei man an enge Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gebunden, die weniger Fleisch, aber viel Gemüse empfiehlt.
Noch eine Änderung gibt es im Gegensatz zu früher: Bei der Zwergerlküche konnte man das Mittagessen spätestens einen Tag vorher be- bzw. abbestellen, nun muss man sich 14 Tage im Voraus festlegen. Vielleicht sei auch das ein Grund, warum es jetzt weniger Senioren seien, die das Angebot wahrnehmen, vermuten einige. Dass eine kurzfristige Bestellung wie früher nicht mehr machbar ist, dafür habe sie aber Verständnis, sagt eine der Seniorinnen.
Es mache durchaus Sinn wegen der Planbarkeit, es gehe schließlich um Nahrungsmittel, und die wolle man nicht in großem Stil hinterher entsorgen müssen, somit müsse man eben planen, findet auch Spindler. Und im Krankheitsfall, sagt Fersch, könne 24 Stunden vorher natürlich abbestellt werden. Dabei müsse man bedenken, dass der logistische Aufwand, die Essen, die jeweils an die altersgerechten Bedürfnisse vom Krippenkind bis zum Senior angepasst seien, nahezu zeitgleich auszuliefern, enorm sei.
Dass in diesem Jahr weniger Kinder die Mittagsverpflegung nutzen, sei der Tatsache geschuldet, dass ein mengenmäßig starker Jahrgang in die vierte Klasse gekommen sei, diese meist bis 13 Uhr Unterricht hätten und dann das Angebot der Schulverpflegung aufgrund ihres Stundenplans nicht nutzen würden, habe er von Mitarbeiterinnen bei der Mittagsverpflegung erfahren, so Spindler.