Entsetzen in Cham über Trump-Sieg: Politiker aus dem Wahlkreis sind besorgt

Trump ist der 47. Präsident der Vereinigten Staaten. Die Demokraten in den USA sind nicht die Einzigen, denen nach dem Wahlausgang nicht zum Feiern zumute ist. Auch unter den Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Cham und einer Wählerin, die in Cham lebt, machen sich Sorge und Unverständnis breit.
Nachdem am Mittwoch gegen Mittag klar wurde, dass Donald Trump die Wahl in den USA gewinnen wird, sagte seine Gegnerin, die US-Vizepräsidentin Kamala Harris die Wahlparty in Washington ab. Die Demokraten in den USA sind nicht die Einzigen, denen aufgrund des Wahlausgangs nicht zum Feiern zumute ist.
Lesen Sie hier: In Waldmünchen wird es für Hausbesitzer im Schnitt um 37 Prozent teurer
Auch unter den Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Cham, Tina Winklmann (Die Grünen), Marianne Schieder (SPD) und Martina Englhardt-Kopf (CSU), dem Landtagabgeordneten Dr. Gerhard Hopp (CSU) und einer Wählerin, die in Cham lebt, machen sich Sorge und Unverständnis breit.
Lange mitgefiebert
Vieles hatte im Vorfeld darauf hingedeutet, dass es ein knapper Ausgang wird. Dass das Präsidentschaftsrennen doch so deutlich verlief, überraschte unter anderem Martina Englhardt-Kopf. „Das Erste, was ich in der Früh als ich aufgestanden bin, gemacht habe, ist auf das Handy zu schauen“, sagt sie. Schon früh am Morgen sah es nicht gut für Harris aus. „Die Deutlichkeit des Wahlausgangs hat mich schon überrascht, weil zuvor von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede war“, sagt Englhardt-Kopf. Ihr Parteikollege Dr. Gerhard Hopp hatte im Wahlkampf große Parallelen zur Wahl 2016, als Hillary Clinton gegen Trump den Kürzeren zog, gesehen. „Harris wurde als Teil des Establishments wahrgenommen und Trump hat es geschafft, sich als Vertreter des kleinen Mannes darzustellen“, sagt der Landtagsabgeordnete. „Obwohl er Millionär und alles andere als jemand von den normalen Leuten ist, haben sie Hoffnung, dass er Probleme löst.“ Als Beirat der Stiftung Bayerisches Amerikahaus, befasst sich Hopp intensiv mit den USA und speziell mit dem bayerischen Partnerstaat Georgia.
Er war im August zuletzt in den USA, um eine Konferenz zu besuchen. „Man hat gespürt, dass Demokraten und Republikaner keine gemeinsame Basis mehr haben, miteinander sprechen zu können“, sagt Hopp.
Ihm bereiten, wie den drei Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Cham auch, vor allem die Sicherheit und Wirtschaft Sorgen.
Höhere Zölle, die Trump einführen könnte, würden einigen Unternehmen aus dem Landkreis schaden. „Das wird vor allem Firmen im Zuliefererbereich treffen“, sagt Tina Winklmann von den Grünen. Sie ist gerade für die Sitzungswoche im Bundestag in Berlin und spricht von gedrückter Stimmung. „Fraktionsübergreifend bringt uns das nicht zum Jubeln“, sagt sie. Die Bundestagsabgeordnete wird noch deutlicher, als sie darüber redet, welche europäischen Spitzenpolitiker besonders früh Glückwünsche an Trump richteten. „Wenn Viktor Orban der Erste ist, der gratuliert, dann wissen wir, dass etwas schiefgelaufen ist“, sagt Winklmann.
Besonders geknickt klingt Marianne Schieder von der SPD. Sie ist wortkarg und ihre Stimme hört sich bedrückt an.
„Ich bin entsetzt vom Ergebnis“, sagt Schieder. Sie hatte lange gehofft, dass Harris doch noch gewinnt. „Es ist für mich unvorstellbar, dass so jemand gewählt wird.“
Wählerin aus Cham ist am Boden zerstört
Ein paar Einwohner aus dem Landkreis mit US-Staatsbürgerschaft haben ihre Stimme abgegeben. Für eine Chamerin war es bereits die fünfte Wahl, an der sie teilnahm. Ihr Vater ist US-Amerikaner und lebt mittlerweile auch wieder in den USA. Sie selbst verbrachte auch ein Jahr im US-Bundesstaat Minnesota. Alle Familienmitglieder außer einer Tante stimmten für Harris. „Alle außer ihr sind am Boden zerstört“, sagt sie. Die zehn Wahlleute aus Minnesota gehen an Kamala Harris.
Die Chamerin selbst wollte es erst nicht glauben, als klar wurde, dass Trump in das Weiße Haus zurückkehrt. „Man schämt sich gerade für Amerika“, sagt sie. Sie findet es unabhängig vom Ergebnis wichtig, zur Wahl zu gehen. Auch 2028 will sie wieder abstimmen. Dann steht Trump nach aktuellem Stand der Verfassung nicht mehr zur Wahl.