Personen-Notsignal-Software der Chamer Firma ViWa war für Innovationspreis des Landkreises nominiert

Von Sabrina Kauer · 6. November 2024 um 05:00

Angenommen ein Mitarbeiter der Stadtwerke muss nachts zu einem Gebäude ausrücken, weil der Strom ausgefallen ist, aber wichtige Geräte weiterlaufen müssen. Bei seiner Tätigkeit ist er alleine. Jederzeit könnte es dabei zu einem Unfall kommen, der Mitarbeiter könnte stürzen, sich schwer verletzen und bewusstlos werden. Auch ein Herzinfarkt ist keineswegs abwegig.

Damit er in solch einem Fall nicht lange unentdeckt bleibt, hat Günther Betz aus Cham eine Software beziehungsweise App erfunden, die alleinarbeitenden Personen ein höheres Gefühl von Sicherheit gibt. Dafür war seine Firma ViWa in diesem Jahr für den Innovationspreis des Landkreises Cham nominiert.

Dass das passiert, damit habe Günther Betz (57) aus Cham nicht gerechnet, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch als der Landkreis Cham vor kurzem zur Gala in die Rodinger Stadthalle geladen hatte, bei der dem Chamer Erfindergeist eine Bühne gegeben wurde, war Betz mit dabei.

Ende Juni 2023 freigeschaltet

„Es war ein toller Netzwerkabend. Es war sehr schön aufgebaut und toll organisiert“, so der ViWa-Geschäftsführer. Zur Nominierung für seine Personen-Notsignal-Software (PNS), die Ende Juni 2023 freigeschaltet wurde, sagt er: „Es ist ein gutes Gefühl. Man freut sich, wenn man beachtet wird.“

Die App funktioniert so: Wenn eine Person alleine unterwegs ist, um beispielsweise in einem Kanal oder in einem Bauwerk etwas zu prüfen, dann meldet sie ihr e Tätigkeit in der PNS an. Die App erkennt den Standort und weiß, wie lange der Arbeiter für die Tätigkeit braucht.

Zeit in der App wird überschritten

Wird diese Zeit überschritten, ohne dass sich die Person zurückmeldet, ertönt auf dem Handy ein Signal – selbst wenn kein Netz vorhanden ist. Sollte keine Rückmeldung durch die Person an die App erfolgen, wird ein Notruf abgesetzt.

Abnehmer der Personen-Notsignal-Software sind laut Betz unter anderem Stadtwerke, Wasserzweckverbände, kommunale Bauhöfe oder Kundendienste und Monteure größerer Firmen aus ganz Deutschland. „Die App wird sehr gerne angenommen“, so Betz, der nicht enttäuscht darüber ist, dass er den Innovationspreis letztendlich nicht gewonnen hat.

Firmen wurden für Innovationspreis vorgeschlagen

Die Firmen, die für den Innovationspreis des Landkreises Cham nominiert sind, wurden im Vorfeld empfohlen. Im Fall von Günther Betz erfolgte dies durch Michael Zankl vom Beratungsbüro Süd des Bezirks Oberpfalz in Cham.

Wie Zankl auf Nachfrage sagt, habe er Günther Betz bereits durch „Netzwerk-Tätigkeiten“ in der Vergangenheit gekannt. Günther Betz habe seine Idee für die Personen-Notsignal-Software bei Zankl vorgestellt. Dieser habe dann eine passende Fördermöglichkeit für die Innovation von Betz gefunden.

Schließlich wurde Betz’ Idee finanziell von der Bayern Innovativ im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie unterstützt. „Wenn etwas gefördert wird, ist es schon der Beweis dafür, dass es innovativ ist. Deswegen habe ich die ViWa vorgeschlagen“, sagt Zankl, der für den diesjährigen Innovationspreis noch drei weitere Firmen aus dem Landkreis Cham empfohlen habe.

Automatisierte Notrufkette bietet mehr Sicherheit

Im Nominierungsformular, das unserer Zeitung vorliegt, wird der Vorschlag, die ViWa mit dem Innovationspreis auszuzeichnen, unter anderem so begründet: „Die Chamer Firma ViWa hat mit ihrer Personen-Notsignal-Software eine wegweisende Lösung entwickelt, die alleinarbeitenden Personen durch eine automatisierte Notrufkette mehr Sicherheit bietet. Die Software ist vollständig softwarebasiert, benötigt keine zusätzliche Hardware und lässt sich leicht in bestehende mobile Technologien integrieren.“

Und weiter: „Durch die erfolgreiche Umsetzung der PNS hat die ViWa nicht nur die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöht, sondern auch den technologischen Standort Landkreis Cham gestärkt. Als innovatives Unternehmen fördert ViWa die regionale Wirtschaft und trägt zur Steigerung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Region bei.“

Datenbank ruft Hilfe herbei – Arbeitnehmer sind mental gestärkt

In den Rückmeldungen, die er für die PNS bekommt, würden die Arbeitnehmer vom „sichereren Arbeiten“ berichten, „weil man mental stärker ist“, gibt Betz wieder. „Die Arbeiter wissen: Wenn ,draußen’ einmal etwas passiert, holt die Datenbank Hilfe herbei“, sagt der 57-Jährige, und fügt hinzu: „Eine Software für mentale Stärkung nutzt man, wenn man über den Tellerrand hinausschaut.“ Soll laut Betz heißen: Die App werde von Arbeitgebern genutzt, die darauf achten, dass alleinarbeitendes Personal seine Tätigkeiten mit einem höheren Gefühl von Sicherheit erledigen kann.

Die PNS habe Günther Betz zusammen mit zwei externen Entwicklern verwirklicht. In der Firma ViWa seien derzeit drei Mitarbeiter beschäftigt, von denen jedoch nicht alle in der Lucknerstraße 1 in Cham sitzen, sondern von anderen Städten in Deutschland aus arbeiten.

Digitalkongress von Günther Betz in der Rodinger Stadthalle

Veranstaltung: Am 6. Februar 2025 lädt Günther Betz zu einem Kongress zu digitaler Transformation und demografischem Wandel in die Stadthalle Roding ein.

Gäste: Wie Betz ankündigt, wird die Veranstaltung von Fachausstellern und Rednern umrahmt. Schirmherr ist Fabian Mehring, Staatsminister für Digitales.

Informationen und Anmeldungsformular gibt es auf der Internetseite www.kwwws.de.

So sieht die Personen-Notsignal-Software als App aus.