Chamer Firma ViWa entwickelt App zum Schutz alleinarbeitender Personen

Von Sabrina Kauer · 6. Juni 2023 um 19:00

Was passiert, wenn ein alleinarbeitender Notdienst selbst mal in Not ist? Diese Frage hat sich Günther Betz, Inhaber der Chamer Firma ViWa GmbH, gestellt. Seine Antwort: eine Software, besser gesagt eine App, die einen Notruf auslöst, sollte einmal etwas vorgefallen sein. Dafür erhielt er sogar eine Förderung vom Bayerischen Staatsministerium. Betz erklärt, was es mit der Software auf sich hat und wie sie funktioniert.

Die Firma Visualisierungs Ware (ViWa) ist in den Bereichen Soft- und Hardware-Entwicklung tätig und unter anderem für Messtechniken zuständig – mit dem Ziel, vermeidbare Energie- oder Wasserverluste sichtbar zu machen, um sie schnellstmöglich zu beheben.

ViWa betreut Kunden aus ganz Deutschland und auch Österreich

„Unser Job ist die Visualisierung des Verbrauchs von Wasser- und Energie“, sagt Betz. Seine circa 250 Kunden aus ganz Deutschland und teilweise aus Österreich sind laut Betz unter anderem Wasser- und Energieversorger oder Gebäudetechniker.

Personen Notsignal Software (PNS) heißt die neueste Entwicklung der Firma ViWa in der Lucknerstraße 1 in Cham. Und im Namen steckt auch schon genau das, wofür das Datenverarbeitungsprogramm gedacht ist. „Beispielsweise gibt es in der Wasserversorgung viele Menschen, die alleine rumfahren. Aber auch in anderen Branchen ist das der Fall“, so der 55-Jährige.

Die Idee, diese Software zu entwickeln, sei daher aus der Praxis heraus entstanden. „Das ist der Alltag, dass Leute im Notdienst keinen dabei haben. Deswegen haben einige gesagt, dass es schon gut wäre, wenn es dafür etwas gäbe.“

Was passiert nun, wenn eine Person im Außendienst verunglückt? Das Notsignal funktioniert laut Betz so: Am Bauwerk oder am Einsatzort ruft die alleinarbeitende Person die App auf, wodurch diese den Standort erkennt. Danach meldet sich die Person mit einem Timer an der Datenbank an. „In der Regel weiß man, wie lange man für die Arbeiten braucht“, sagt Betz. Wird die in der App eingestellte Zeit überschritten, ohne dass sich die Person zurückmeldet, ertönt auf dem Handy ein Signal – selbst wenn kein Netz vorhanden ist.

Sollte innerhalb der nächsten 30 Sekunden weiterhin keine Rückmeldung an die App erfolgen, wird von der Datenbank ein Notruf an zuvor eingestellte Kontakte abgesetzt. Zugleich werden E-Mails und SMS-Nachrichten mit einem voreingestellten Text sowie den Koordinaten versendet.

Der Notruf hält so lange an, bis ihn einer der eingespeicherten Kontakte entgegengenommen hat. Auf diese Weise bleiben Unfälle „draußen“ nicht unbemerkt.

Es wird keine 24/7-Arbeitskraft benötigt

Aber wer kümmert sich dann Tag und Nacht um die Notrufsignale, die in der Datenbank erscheinen? – Keiner. Laut Betz wird keine Arbeitskraft benötigt, die rund um die Uhr ein Auge auf die Datenbank hat, weil die Notrufe durch die Software automatisch laufen – als „Datenbank unbemannt“, bezeichnet es Betz.

Die bis zu sechs Telefonnummern, die im Notfall automatisch kontaktiert werden, sind laut Betz im besten Fall Kollegen, die über die Arbeiten Bescheid wissen. Aber man könne natürlich auch die Feuerwehr und weitere Einsatzkräfte hinterlegen. Dafür müsse man sich jedoch vorher Genehmigungen von den entsprechenden Stellen einholen.

Das Ganze wurde laut Betz von der Bayern Innovativ GmbH im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert.

Die App ist für Android und iOS erhältlich und kostet monatlich fünf Euro plus der Gebühren für anfallende Notrufkosten. Laut Betz wird die App erst Ende Juni freigeschaltet. „Erst möchte ich es selbst noch einmal testen, bis alles passt. Danach suche ich mir ein paar Kunden raus, die das dann ‚draußen’ testen, und erst wenn alles glatt läuft, wird die App freigegeben.“ Es hänge schließlich auch eine hohe Verantwortung an der Software: „Wenn etwas passiert, muss das auch funktionieren.“

Kreative Arbeit macht Günther Betz Spaß

„Das kreative Arbeiten macht mir Spaß und dadurch entstehen diese Neuentwicklungen aus der Praxis heraus. Es ist gut, Ideen zu haben, aber man muss sie auch umsetzen können“, so Betz über die Arbeiten in seiner, wie er sagt, „innovativen, entwicklungsfreudigen Firma“.

Firma aus Cham

Firma: Die Visualisierungs Ware (ViWa) ist für Softwarelösungen und Messtechniken zuständig. Sie wurde 1998 von Günther Betz gegründet und wird somit heuer 24 Jahre alt.

Inhaber: Der Firmengründer- und Inhaber von ViWa, Günther Betz, kommt ursprünglich aus Tiefenbach und lebte 20 Jahre in Landsberg am Lech. Jetzt lebt er in Cham. Ursprünglich ist Betz gelernter Heizungs- und Lüftungsbauer.

Software: Die Entwicklung der Personen Notsignal Software hat laut Betz zwei Monate gedauert.