Nach 15 Jahren Arbeit: Michael Artmann entwickelt einzigartigen Biomasse-Reaktor

Michael Artmann aus Straßberg (Michelsneukirchen, Landkreis Cham) ist ein echter Tüftler. Er hat es nach langjähriger Arbeit geschafft, einen Reaktor mit einem neuartigen mehrstufigen thermochemischen Prozess in Verbindung mit einer Kraft-Wärme-Kopplung für nachwachsenden Rohstoffen zu bauen. Damit wird Holzgas in einer Reinheit produziert, wie es davor nicht möglich war.
Man würde hier, auf einem alleinstehenden Hof im Michelsneukirchener Ortsteil Straßberg unmittelbar an der Bezirksgrenze zu Niederbayern, nicht unbedingt einen weltweit einzigartigen Prototypen vermuten, doch Michael Artmann hat es nach langjähriger Arbeit geschafft, einen Reaktor mit einem neuartigen mehrstufigen thermochemischen Prozess in Verbindung mit einer Kraft-Wärme-Kopplung für nachwachsenden Rohstoffen zu bauen. Damit wird Holzgas in einer Reinheit produziert, wie es davor nicht möglich war.
„Die Anlage läuft jetzt rund und vollautomatisch. Wir müssen nur die Hackschnitzel bereitstellen“, erzählt der Tüftler, der für seine Innovation den Nachhaltigkeits-Preis des Landkreises Cham bekam. Doch vor dem Ziel stand ein langer und harter Weg, sagt Artmann. „Wenn ich am Anfang gewusst hätte, wie lange es dauert, was es kostet und wie viele Rückschläge es geben wird, hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht“, blickt der Geschäftsführer der Martech GmbH 15 Jahre in die Vergangenheit, denn schon damals hatte er die Idee für den neuartigen Reaktor.
Viel Arbeit und viel Geld
„Ich habe mich 1993 als Heizungsbauer selbstständig gemacht, hatte aber damals schon den Wunsch, ein eigenes Produkt zu entwickeln“, erzählt er. Von der thermochemischen Vergasung war er da schon fasziniert. Viel Arbeit und viel Geld steckte Artmann in seinen Reaktor, immer mit der Unsicherheit, ob es am Ende wirklich funktionieren und die finanziellen Mittel reichen würden. Oft sei er kurz vor dem Durchbruch gewesen, „doch irgendwas hat immer nicht gepasst.“
Eine erste Anfrage der Burkhardt-Gruppe aus Mühlhausen zur Zusammenarbeit lehnte der Tüftler, der auch selbst die Pläne zeichnete und diese dann in die Tat umsetzte, noch ab, dann aber drohte das Projekt aus finanziellen Gründen endgültig zu scheitern: „Glücklicherweise kam dann ein zweiter Anruf der Firma. Ich bin dann hingefahren, habe mir angeschaut, was sie haben, und wir haben eine Zusammenarbeit vereinbart.“ Den Kontakt vermittelt hatte dabei das englische Unternehmen Bowman, das Mikro-Gasturbinen herstellt.
Die Anlage von Burkhardt lief mit Pellets, wurde nach Straßberg geliefert und in Zusammenarbeit zur Serienreife gebracht. Artmann wollte aber das ursprüngliche Verfahren mit Hackschnitzel nicht aufgeben und entwickelte weiter. Dabei musste erneut viel selbst gebaut werden, unter anderem war ein eigener Gasbrenner für Holzgas zu entwickeln, weil es diesen noch nicht gab.
Prozesse laufen gemeinsam ab
„Es ist gut, dass unser Hof so abseits liegt, die Nachbarn wären vom Lärm sicher nicht immer begeistert gewesen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Mittlerweile hat Artmann die Lizenzrechte für die Anlage an Burkhardt abgegeben, „alleine wäre das nicht zu schaffen“, sagt er. Die Anlagen würden weltweit auf Interesse stoßen.
Das Besondere an Artmanns Reaktor ist, dass die drei Prozesse Pyrolyse, Oxidation und Reduktion, die bei den bisher bestehenden Geräten gemeinsam ablaufen, getrennt worden sind. Somit könnten auch die Temperaturen besser gesteuert werden, erläutert der Nachhaltigkeitspreis-Gewinner.
Damit sei es möglich, sehr sauberes Gas aus dem Holz zu erzeugen. Zudem sei die Anlage für die nachgeschaltete Kraft-Wärme-Kopplung langlebiger, weil unter anderem keine Teerbestandteile oder andere Verschmutzungen entstehen.
Etwa 250 Kubikmeter Gas pro Stunde kann die Anlage erzeugen. Aus dem Produktgas können etwa Wärme oder Strom erzeugt werden. Zudem sei es aufgrund der Reinheit auch mit einem anderen Verfahren, das es bereits gibt, möglich, das Gas aufzubereiten und Wasserstoff zu gewinnen, der dann unter anderem für synthetische Kraftstoffe genutzt werden könne.
Artmann ist froh, dass die Anlage nun auch über einen langen Zeitraum problemlos läuft, die Wartungsintervalle seien sehr gering. Zwar gäbe es immer wieder kleine Verbesserungen bezüglich der Software und der Fertigung, die sich erst im Betrieb und Aufbau zeigen würden, aber: „Im Vergleich mit den, Schwierigkeiten und Hindernissen, die es vorher gab, ist das leicht zu lösen.“
Ohne Ressourcen zu Erfolg
Es seien harte Jahre auch für die Familie gewesen, sagt Artmann, „aber am Ende hat es sich doch gelohnt.“ Und er ist stolz auf das, was da geschaffen wurde, obwohl im Gegensatz zu großen Unternehmen oder Hochschulen fast keine Ressourcen zur Verfügung standen. Weiter sagt er: „Im Nachhinein gesehen, sind es weniger die Erfolge, an denen wir wachsen, es sind vielmehr die Niederlagen gewesen. “
Dass er den Nachhaltigkeits-Preis des Landkreises gewonnen hat, habe ihn sehr gefreut, erzählt er, „das ist schon eine schöne Auszeichnung und Würdigung für die Arbeit.“
Gerechnet habe er mit der Auszeichnung nicht, da auch die anderen Nominierten sehr starke Produkte gehabt hätten, „um so schöner ist es aber, dass es geklappt hat.“
Die Schritte zum sauberen Gas
Thermochemische Vergasung: Bei der thermochemischen Vergasung handelt es sich um einen Prozess der partiellen Oxidation, bei dem kohlenstoffreiches Material wie Biomasse in ein Gas zerlegt wird, das in weiten Teilen aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff besteht.
Drei Prozesse: Durch die drei Prozesse Pyrolyse, Oxidation und Reduktion entsteht aus nachwachsenden Rohstoffen, in diesem Fall Holz-Gas, das durch Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Wärme umgewandelt wird.
Getrennt gesteuert: Während bei anderen Reaktoren die drei Verfahren gleichzeitig ablaufen, sind sie bei der Anlage von Michael Artmann getrennt.
Mehrere Vorteile: Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Temperaturen so getrennt voneinander gesteuert werden können, was zu einem reineren Gas sowie weniger Verschmutzung und damit höherer Langlebigkeit der Anlage führt. Zudem ist es möglich, das Gas aufzubereiten und Wasserstoff zu gewinnen.
