Die Minoritenkirche wird in Szene gesetzt – Am Samstag startet die neue Enlightment-Show in Regensburg

Es ist eine kleinteilige Arbeit, die gerade in der Minoritenkirche vollbracht wird. Das Züricher Künstlerkollektiv Projektil kommt nach Genesis II mit den Vier Jahreszeiten nach Deutschland und wieder steht Regensburg an erster Stelle. Die Kirche wird dafür seit Monaten von den Kulturoptimisten, die die Shows in die Domstadt bringen, bearbeitet und abgedunkelt.
„Das, was wir machen, ist eigentlich vollkommen untypisch“, sagt Julia Köppel von den Kulturoptimisten. „Die Idee der Gotik ist eigentlich, so viel Licht wie möglich in die Kirche zu leiten. Deshalb hat man damals die riesigen hohen Fenster gebaut.“ Auf 19 Metern Höhe stehen sie und ihre Kollegin Karin Weber nun, um diese wieder zu verdunkeln. Ein Kampf der Veranstalter gegen die gotischen Architekten der Kirche. „Aber die haben auch keine immersiven Lichtshows gekannt“, sagt Köppel und lacht.
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Kirche digital nachgestellt
Währenddessen sind die Schweizer Künstler damit beschäftigt, die neue Show auf die Minoritenkirche abzustimmen. Denn die Bilder können nicht einfach in ein beliebiges Kirchenschiff geworfen werden. „Die Architektur und das Gebäude selbst sollen in Szene gesetzt werden“, sagt Köppel. Und dabei gehe es um Zentimeter.
„Der gesamte Raum wird mit 3-D-Scannern ausgemessen“, erklärt sie. So kann die Minoritenkirche digital nachgestellt werden. In dem digitalen Raum werden die Bilder auf die verschiedenen Flächen angepasst. Der Inhalt wird dabei so auf die Architektur gelegt, dass die Bilder ihre Form behalten, auch wenn sie sich über die Fenster oder die Wände der Kirche bewegen. „Es ist etwa so, als würde man ein Videospiel in die Realität übersetzen“, erklärt Köppel. „Die Computer senden den virtuellen Raum, den sie errechnet haben, an die Projektoren.“ Die leuchten dann die eigens erstellte Bildkomposition in den Raum.
Die Abdunklung der Fenster wurde von den Kulturoptimisten so entworfen, dass die problemlos auch mit Motiven bestrahlt werden können. Dafür haben sie blickdichte Stoffe angebracht. „Wir mussten auch viele Messungen durchführen“, sagt die Veranstalterin. „Weil die Stoffe wie eine Dämmschicht wirken können, mussten wir sichergehen, dass sich das Raumklima nicht stark verändert.“ Denn das hätte schwere Konsequenzen für die alten Gemäuer haben können. Wenn sich Feuchtigkeit bildet, bestehe nämlich die Gefahr, dass sie an den Wandmalereien herunterläuft und die so beschädigt. „Wir möchten das Gebäude nicht nur in Szene setzen, sondern natürlich auch schützen“, betont Köppel.
Aber hier haben die Architekten der Minoritenkirche doch zugunsten der Kulturoptimisten gehandelt. Dadurch, dass in den Fenstern kleine Ablaufrinnen verbaut sind, ist es ihnen möglich, die Stoffe direkt an den Fensterrahmen anzubringen und so das Relief der Wand für die Präsentation zu verwenden. „Es gibt kleine Rinnen mit Löchern an den Fenstern“, sagt Köppel. „Wenn Kondenswasser entsteht, läuft das nach außen ab.“
Vorstellungen am Tag
Die Stoffe sind jetzt mit Magneten an den Eisenrahmen befestigt, „denn in so einem historischen Gebäude kann man natürlich nicht bohren“. Im oberen Teil der meterhohen Stoffe sind Carbonstangen als Rahmen eingebracht, die ebenfalls mit kleinen Magneten versehen sind. Ein großer Wunsch von Köppel ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern. „Ich würde die Vorführung gern auch am Vormittag für Schulklassen anbieten“, sagt sie. Die Entscheidung könne allerdings erst getroffen werden, sobald der Aufbau komplett abgeschlossen ist. Köppel rechnet aber momentan damit, dass es erst im kommenden Jahr zu realisieren sein wird.
„Der Grund, warum das trotz unserer Maßnahmen in diesem Jahr tagsüber noch nicht klappen wird, ist, dass es noch hauseigene Verdunklungsmaßnahmen gibt.“ Zum Beispiel sind an den Fenstern über der Orgel Stoffe angebracht, die das historische Instrument vor Sonnenschäden schützen sollen. „Die Stoffe sind aber lichtdurchlässig“, sagt Köppel. Außerdem komme an den Seiten der Vorhänge noch Licht durch. Für das nächste Projekt, das das Künstlerkollektiv Projektil nach Regensburg bringen wird, sollen auch für diese Fenster noch Lösungen gefunden werden. Bis dahin soll die von Vivaldis Musik inspirierte Lichtshow noch viele Regensburger und Touristen erreichen.

