Missbrauchstäter könnte Patron für Straße bleiben: Betroffenenbeirat gespalten über Umgang

Von Christian Eckl · 30. Oktober 2024 um 05:00

Überraschende Abwahl der bisherigen Sprecher des Betroffenenbeirats: Das Gremium für die Missbrauchsopfer im Bistum Regensburg streitet sich über die öffentliche Positionierung im Umgang mit einem Täter. In Eslarn (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) haben Bürger ein Ratsbegehren erzwungen, weil sie nicht wollen, dass eine Straße umbenannt wird – ihr Namenspatron ist ein verurteilter Sexualtäter im Priesteramt gewesen.

Der Betroffenenbeirat im Bistum Regensburg vertritt die Belange von Hunderter Opfer. Überraschend hat eine Mehrheit des Beirates nun die bisherige Sprecherin des Gremiums, Josefa Schalk, abgewählt und zwei neue Sprecher gewählt. Vorangegangen ist ein Streit in dem Gremium darüber, wie man nach außen auftritt und wie man sich in aktuellen Fragen, die im Zusammenhang mit dem Thema Missbrauch stehen, positioniert. Letztlich hatte sich das zehnköpfige Gremium in der Frage zerstritten, wie man umgeht mit der Tatsache, dass im Oberpfälzer Eslarn nach wie vor eine Straße nach einem Missbrauchstäter benannt ist.

„Ich werde mich nicht zu diesem Vorgang äußern“, teilte die bisherige Sprecherin des Beirates auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. Schalk war auch nicht dabei, als insgesamt sechs der zehn Mitglieder am 21. Oktober zusammentraten. Sie wählten Schalk und ihren Stellvertreter ab.

Neue Sprecher

Das bestätigt auch die Diözese: Das Bistum wurde nach Angaben seines Sprechers Jakob Schötz mit Schreiben vom 21. Oktober, eingegangen am gleichen Tag, darüber informiert, „dass der Betroffenenbeirat Regensburg in einer mehrheitlichen Entscheidung zwei neue Sprecher gewählt hat“, so Schötz. Er bestätigte auch, dass nun Manuel Druminski als erster Sprecher und Richard Nusser als zweiter Sprecher gewählt wurden. Daraufhin habe Bischof Rudolf Voderholzer „den bisherigen Sprechern für ihre Tätigkeit gedankt und die beiden neuen Sprecher begrüßt“, heißt es weiter. Fragen zum Ablauf der Abwahl und zu internen Streitigkeiten wollte sich Schötz nicht äußern und verwies auf den Betroffenenbeirat selbst.

Zwei Gremien im Bistum

Zum Hintergrund: Der Beirat ist eines von zwei Gremien, die als Folge aus den erschreckenden Missbräuchen durch Priester und kirchliche Mitarbeiter im Bistum Regensburg gegründet wurden. „Seit Jahrhunderten lassen sich Kleriker ungestraft unzählige Verfehlungen und Straftaten zu Schulden kommen“, heißt es auf der Homepage des Beirates.

Die Mitglieder wurden von der zweiten Instanz ausgewählt, der Unabhängigen Aufarbeitungskommission. Vorangegangen war eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz, die 2018 veröffentlicht wurde und eine Vielzahl sexueller und körperlicher Gewalttaten in den 27 deutschen Diözesen zwischen 1945 und 2014 dokumentierte. Der Vorsitzende der Aufarbeitungskommission ist der frühere Regensburger Landgerichtspräsident Horst Böhm. „Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich zu Vorgängen im Betroffenenbeirat nicht äußern möchte“, teilte Böhm mit.

Sein Gremium funktioniert vollkommen autark, hat kürzlich auch beim Regensburger Anwalt Ulrich Weber ein umfassendes Gutachten über Missbräuche im Bistum in Auftrag gegeben. Weber hatte bereits eine Studie im Hinblick auf die Missbräuche bei den Regensburger Domspatzen vorgelegt, die 2017 das Bistum erschütterten.

Konzertmusiker Druminsk ist eines der Opfer

Eines der Opfer bei den Domspatzen ist der i, der nun zum Sprecher gewählt wurde. Er war als Kind in der Vorschule der Domspatzen in Pielenhofen, wo laut Webers Gutachten „Gewalt, Angst und Hilfslosigkeit“ unter den Schülern geherrscht hätten.

Im Gespräch macht Druminski klar, dass er sein Sprecheramt so verstehe, „dass wir alle gleichwertige Mitglieder dieses Gremiums sind“. Eine Mehrheit im Beirat habe dies zuletzt aber nicht mehr so wahrgenommen. Fest macht der neue Sprecher dies daran, dass „uns in zwei Mails aufgefallen ist, dass die bisherige Sprecherin einer Journalistin eines Magazins des Bayerischen Rundfunks mitteilte, dass weder sie, noch ein Mitglied des Beirates sich zum Fall Eslarn äußern würden“.

Hintergrund ist eine Debatte um die Umbenennung der Georg-Zimmermann-Straße. Zunächst hatte der Gemeinderat der 3000-Einwohner-Gemeinde tatsächlich mehrheitlich für eine Umbenennung der Straße gestimmt. Der Priester Zimmermann war strafrechtlich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern überführt worden.

„Gemäßigteres Auftreten“

Mit 680 Unterschriften erzwangen die Bürger eine Abstimmung, die am 24. November stattfinden wird. „Wir hatten Hinweise darauf, dass durch ein harsches Auftreten gegenüber den Anwohnern eine solche Situation provoziert wurde“, schloss Druminski.