Oberpfälzer halten am Straßennamen für Missbrauchs-Priester fest

Die Georg-Zimmermann-Straße, benannt nach einem verurteilten Priester und Sexualstraftäter, ist zum Zankapfel geworden. Die Gemeinde will den Namen ändern, die Bürger stellen sich quer. Die Sprecherin des Betroffenen-Beirats findet: „Eine Schande für Eslarn.“
684 Bürger der Gemeinde Eslarn mit 2000 Einwohner haben dafür unterschrieben, dass abgestimmt wird: Obwohl der Gemeinderat mit neun zu sechs Stimmen für eine Umbenennung der Georg-Zimmermann-Straße plädierte, soll das Fass erneut aufgemacht werden. Dabei ist Zimmermann ein in den 1960er Jahren wegen sexuellem Missbrauchs von Schutzbefohlenen verurteilter Priester – dennoch wehren sich die Anwohner der Straße, aber auch ihre Unterstützer dagegen, die Straße umzubenennen. Der Betroffenenbeirat im Bistum Regensburg ist entsetzt, der Bürgermeister ein wenig ratlos – abgestimmt werden muss nun wohl am 24. November.
Nicht alle bereuen die Straßenbenenung
Seit 1993 heißt die Straße so. Eslarns Bürgermeister Reiner Gäbl (SPD) sagt zur Mediengruppe Bayern, damals hätten sich drei Privatpersonen, aber auch Vereine an den Marktrat gewandt. „Ich habe mit Markträten von damals gesprochen“, sagt Gäbl. „Die einen sagen, sie würden nie wieder für Zimmermann als Namensgeber stimmen, die anderen, sie würden es wieder tun.“
Der Priester Georg Zimmermann, geboren 1916 in Pfrentsch im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, starb 1984 in Eslarn. Kurze Zeit arbeitete Zimmermann in den 1950er Jahren bei den Domspatzen. Ob es da bereits sexuelle Übergriffe gab, ist unklar. Gesichert ist, dass er 1969 wegen Missbrauchs von Schutzbefohlenen zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt wurde, die er auch absaß. Zuvor war Zimmermann Diözesanmusikdirektor in Regensburg gewesen.
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Karl Brenner wohnt in der Georg-Zimmermann-Straße. Er ist einer von drei Eslarnern, die Unterschriften gegen die Umbenennung und für einen Bürgerentscheid gesammelt haben. „Wir verurteilen die Taten des Georg Zimmermann“, sagt Brenner zunächst. Aber: „Man hat jetzt 30 Jahre lang auf ein Straßenschild geschaut und hatte keine Bedenken, plötzlich kann man es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren.“ Die Bürger hätten vorgeschlagen, einen QR-Code an das Straßenschuld anzubringen, dieses „auch als Mahnmal zu verstehen. Wenn wir die Straße einfach umbenennen, dann ist dieses Mahnmal verschwunden“.
Brenner verweist darauf, dass die Umbenennung mit einem Aufwand für die Anwohner verbunden ist. Zwar habe die Gemeinde angekündigt, die Passänderung kostenlos zu machen. „Aber allein wir haben fünf Fahrzeuge inklusive Anhänger, für das Umschreiben der Papiere würden 100 Euro fällig“, so der Eslarner.
Bürgermeister ist von Argumenten erschüttert
Bürgermeister Gäbl hingegen sagt: „Ich bin erschüttert, mit welchen Argumenten hier gearbeitet wird.“ Zum einen sei es nicht seine SPD-Fraktion gewesen, die 1993 die Namensnennung initiiert habe. Zum anderen gibt es einen Brief von der Präventionsbeauftragten des Bistums. Wörtlich heißt es darin: „Solange die Straße den Namen eines verurteilten Sexualstraftäters trägt, werden die durch diesen begangenen Verbrechen verharmlost, während ihm selber eine Ehrung zuteilwird.“ Für Betroffene sei es unzumutbar, „tagtäglich zu sehen, dass ihr eigenes Leid ignoriert und stattdessen der Täter geehrt wird“.
Das Bistum würde „jede begründete und verantwortbare Entscheidung des Marktgemeinderates Eslarn bezüglich der Umwidmung der GeorgZimmermann-Straße“ billigen.
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Gäbl sieht das auch so: „Die Benennung einer Straße ist mit einer gewissen Ehrbekundung verbunden“, so der SPD-Politiker. Da sei Zimmermann nicht der Richtige dafür. „Immerhin ist der Priester verurteilt worden wegen schweren Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen“, so Gäbl, „und musste sogar eine Haftstrafe antreten.“
Harsche Worte findet Josefa Schalk, Sprecherin des Regensburger Betroffenenbeirats, über die Haltung vieler Bürger in Eslarn. „Für mich bedeuten 684 Unterschriften für den Erhalt des Straßennamens, dass 684 Bürger aus Eslarn die Ehrung eines Kinderschänders mit ihrer Unterschrift unterstützen.“ Die Unterzeichner zeigten „kein Mitgefühl für die Betroffenen von sexuellem Missbrauch, sondern solidarisieren sich mit dem Täter.“ Für den Täter werde die Unschuldsvermutung in Anspruch genommen „und es werden Kosten als Argument gegen die Umbenennung angeführt“.
Sie appelliert an die Eslarner Bürger: „Die Unterzeichner sind sicher auch Eltern und Großeltern – hätten sie auch unterschieben, wenn ihre Kinder Opfer von sexuellem Missbrauch geworden wären?“ Die Betroffenen-Sprecherin kommt zu dem Schluss: „Nach meiner Einschätzung ist dieses Bürgerbegehren eine Schande für den Markt Eslarn.“
„Ein Mangel an Einsicht“
Das sieht auch die Schriftstellerin Marianne Ach so. „Als geborene Eslarnerin solidarisiere ich mich – ohne Wenn und Aber – mit den Opfern“, sagt die Autorin. Und weiter: „Es hat eine Weile so ausgesehen, als würden die Opfer des Kinderschänders und Pfarrers Georg Zimmermann endlich zur Ruhe kommen und den Respekt erhalten, der ihnen seit Jahrzehnten verweigert wird.“ Ein Bürgerbegehren in Eslarn blockiere das längst fällige Vorhaben, die Georg-Zimmermann-Straße „nach dreißig Jahren umzubenennen, um einem Pfarrer, der viel Unheil angerichtet hat, den Platz zuzuweisen, der ihm zusteht“. Die Autorin fragt sich: „Warum das nicht gelingen will? Ein Mangel an Einsicht? Sturheit? Bequemlichkeit? Oder immer noch die Grenze im Kopf?“
