Gutachten soll kirchlichen Missbrauch im Bistum Regensburg umfassend beleuchten

Ein unabhängiger Experte soll eine Lücke schließen: Bislang gibt es noch kein umfassendes Gutachten über Fälle von Missbrauch in der Diözese Regensburg.
Das soll sich bald ändern. „Wir sind in absehbarer Zeit soweit, einen Auftrag für die Erstellung eines solchen Gutachtens zu erteilen“, sagte Horst Böhm, Vorsitzender der Unabhängigen Aufklärungskommission im Bistum Regensburg, auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Laut Böhm, der bis zu seiner Pensionierung Präsident des Regensburger Landgerichts war, sei die Kommission abschließend dabei, die genauen Rahmenbedingungen für die Auftragserteilung festzulegen.
Historische Aufarbeitung über Täter und Kirche
„Es geht um eine historische Aufarbeitung über die Täter, die in der Diözese Taten begangen haben, aber auch darum, wie die Administration mit diesen Tätern umgegangen ist“, sagte Böhm. Dabei werden sowohl sexueller als auch körperlicher Missbrauch untersucht.
Bisher gibt es für das Bistum nur das Gutachten, das im Zusammenhang mit den Missbräuchen bei den Domspatzen vom Regensburger Anwalt Ulrich Weber erstellt wurde. Dieser Komplex sei bereits beleuchtet und könne beim nun anstehenden Gutachten ausgenommen werden, sagte Böhm.
Weber, der zuletzt auch für das Bistum Mainz ein solches Gutachten erstellte, kam 2017 zu dem Ergebnis, dass 547 ehemalige Schüler Opfer von Missbrauch wurden. 67 davon erlebten sexuelle Gewalt. Eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz für alle 27 Bistümer basierte auf Angaben der Diözesen.